Und täglich grüßt die Liebe (2021)

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Was passiert, wenn man nicht am nächsten Tag sondern ein ganzes Jahr später aufwacht? Die Hauptfigur in „Und täglich grüßt die Liebe“ springt durch die Jahre – und zwar von einem Hochzeitstag zum nächsten. Dabei hat sie eine wichtige Aufgabe.

Und täglich grüßt die Liebe (2021)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

In Zeitsprüngen lernen

Wenn Figuren in Filmen etwas lernen müssen, steht ihnen häufig ein Mentor, eine Mentorin zur Seite. Und immer wieder wird es dabei auch fantastisch: Zeitschleifen, Zeitsprünge, mehrere Chancen sein Leben zu ändern, unterstützen sie dabei ebenso. Einer der erfolgreichsten Zeitschleifenfilme ist „Und täglich grüßt das Murmeltier“, von dem der neue Film von Josh Lawson – zumindest in der deutschen Verleihversion – den Titel abgeschaut hat. In „Und täglich grüßt die Liebe“ aber erlebt der Protagonist nicht denselben Tag immer und immer wieder, sondern springt von einem Hochzeitstag zum nächsten.

Teddy (Rafe Spall) ist einfach nicht entscheidungsfreudig. Er wägt ab, er überlegt, vor allem aber wartet er ab. Egal ob es um Jobentscheidungen, die Wandfarbe für ein Zimmer oder die anstehende Hochzeit mit seiner Verlobten Leanne (Zahra Newman) geht. „Später“, sagt Teddy gerne, er brauche noch Zeit. Seine Freunde und Bekannten sind Teddys Unentschlossenheit schon gewöhnt, nicht aber die ältere Dame, die Teddy an einem Nachmittag auf dem Friedhof trifft. „Schon wieder ‚später‘? Was haben Sie mit ‚später‘?“, fragt sie und schwört ihn darauf ein, zu handeln: „Yolo, you only live once“ – Sie leben nur einmal.

Aus dem Gespräch ergibt sich die von Leanne langersehnte Hochzeit zwei Wochen später. Und auch die Dame vom Friedhof – Teddys Mentorin quasi – hat ein Geschenk für Teddy: Sie wird ihm zeigen, dass er jetzt leben muss, nicht später – jetzt handeln, jetzt entscheiden, jetzt genießen. Wenn Phil in Und täglich grüßt das Murmeltier lernen muss, weniger egoistisch zu sein und auch die Bedürfnisse seiner Mitmenschen wahrzunehmen, hat Teddy in Und täglich grüßt die Liebe fortan die Aufgabe, nicht zu verschieben und zu vertrösten, sondern das Jetzt zu nutzen – Carpe Diem eben.

Für Teddy und Leanne war es Liebe auf den ersten Kuss. Sie haben sich in einer Silvesternacht zufällig kennengelernt und daraufhin hat Teddy seine damalige Freundin Becka (Dena Kaplan) verlassen. Sie lieben sich innig und feiern nun auch eine wunderschöne und unkomplizierte Hochzeit. Als Teddy am nächsten Tag die Augen aufschlägt, wacht er allerdings nicht am Tag nach der Feier, sondern ein Jahr später auf – an seinem ersten Hochzeitstag. Bis er dies realisiert hat, hat Leanne ihm schon ein Geschenk überreicht und ihm erklärt, dass es in Ordnung sei, wenn er den Jahrestag vergessen habe. Teddy ist perplex – natürlich will er weder den Hochzeitstag vergessen noch nicht da sein für die große Liebe seines Lebens. Doch das wirft Leanne ihm vor.

Teddy kann wenig erwidern, denn er hat nur einige Minuten Zeit im Jahr eins nach seiner Hochzeit, dann verliert er das Bewusstsein und wacht in Jahr zwei auf: wieder ohne Ahnung und ohne Jahrestaggeschenk. Im Eilschritt rennt Teddy durch die ersten zehn Jahre seines neuen Lebens – gefangen in einem Zyklus von Jahreszeitsprüngen, den er nicht durchbrechen kann: Plötzlich ist ein gemeinsames Kind da, dann merkt er, dass Leanne und er wohl immer häufiger streiten – ohne dass er wirklich etwas daran ändern kann. Denn schließlich erhält er nur kurze Einblicke in dieses Leben, das er anscheinend lebt, aber nicht wahrnimmt.

Gut, dass sein bester Freund Sam (Ronny Chieng) ihn immer wieder auf den neuesten Stand bringt. Denn Teddy ruft ihn in einem geistesgegenwärtigen Moment an und bittet ihn, sich bei ihm genau ein Jahr später zu melden. Mit Sams Hilfe versucht Teddy herauszufinden, was alles schiefgelaufen ist in seinem Leben und wie er seine Frau und den Zauber des Lebens, das er doch gerade erst verlassen hat, zurückgewinnen kann.

Mit Und täglich grüßt die Liebe kommt eine warmherzige Sommerkomödie aus Australien in die deutschen Kinos: Regisseur Josh Lawson erzählt mit originellen Dialogen und Details und viel Humor, aber auch mit einer Prise Ernsthaftigkeit von versäumten Chancen, aufgeschobenen Entscheidungen und Prioritätensetzen im Leben. Eine romantische Komödie, die zwar recht vorhersehbar, aber doch geistreich und unterhaltsam zugleich ist und vor allem auch durch ihr sympathisches Ensemble besticht.

Die Zeitsprung-Idee ist nicht so ausgeklügelt wie in so man anderem Zeitschleifen- oder Zeitsprungfilm: Die Mentorin taucht etwas abrupt und zu stark auf, die Verbindung zwischen Zeitsprüngen und Hochzeitsgeschenk ist ein wenig holprig, die Unbedarftheit der Hauptfigur nicht ganz glaubwürdig. Trotzdem geht das Rezept auf – eben weil man das Vorwissen aus anderen Filmen hat und weiß, worum es gehen soll: Die Figur soll sich bessern, soll lernen, hat eine ganz konkrete Aufgabe. Und dann sind es so manche Dialogsätze, Situationen und die Figuren, die einem einen unterhaltsamen Kinobesuch bescheren.

Und täglich grüßt die Liebe (2021)

Der chronische Aufschieber Teddy wacht am Tag nach seiner Hochzeit in einem Parallelleben auf, in dem er alle paar Minuten ein Jahr in die Zukunft springt. Ihm wird nicht nur bewusst, wie rasend schnell die Zeit verrinnt, sondern auch dass er sein bisheriges Leben verschwendet hat und zum Egoisten geworden ist. Endlich wird ihm klar, was wirklich zählt und er beschließt, jeden Moment voll auszukosten, um seine Fehler zu korrigieren und die Liebe seines Lebens zurückzuerobern, bevor es zu spät ist.

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