The Sadness (2021)

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Ein Virus verwandelt die Einwohner von Taipeh in selbstsüchtige, sadistische Monster. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man dabei nur zu Tode gebissen wird. Kai-Ting flüchtet sich in ein Krankenhaus, ihr Freund Junzhe sucht die ganze Stadt nach ihr ab, die sich in ein riesiges Blutbad verwandelt. Gefeiert wird „The Sadness“ als einer der brutalsten Zombiefilme der letzten Jahre.

The Sadness (2021)

Eine Filmkritik von Teresa Vena

Ewige Traurigkeit

Es ist schon der zweite Zombie-Film, der innerhalb kürzester Zeit aus Taiwan kommt. Nachdem in „Get The Hell Out“ von I-Fan Wang Politiker im taiwanesischen Parlament mit einem Virus infiziert und zu blutrünstigen, sich gegenseitig zerfleischenden Monstern werden, befällt nun in „The Sadness“ ebenfalls ein tückisches Virus die Einwohner von Taipeh.

Das Spielfilmdebüt des kanadischen Regisseurs Rob Jabbaz geht im Vergleich zu seinem Vorgänger bei der Darstellung der entfesselten Gewalt um einiges kompromissloser und drastischer vor. Auch wenn The Sadness an manchen Stellen als unfreiwillig komisch bezeichnet werden muss, bemüht sich der Film in erster Linie um einen ernsthaften gesellschaftskritischen Kommentar. Man könnte sagen, etwas zu ernsthaft. Die Konzentration auf den reinen Splatter hätte ihm besser getan. Es scheint so, als wollte der Autor verhindern, dass die Gewalt als Selbstzweck angesehen wird – was sie aber doch ist.

Zu Beginn ist noch alles einigermaßen harmonisch. Ein junges Paar, Kai-Ting (Regina Lei) und Junzhe (Berant Zhu), verabschiedet sich wie jeden Morgen, damit Kai-Ting, wie zahllose andere Taiwanesen, ihrer Arbeit im Büro eines gesichtslosen Unternehmens nachgehen kann, während Junzhe, der arbeitssuchend ist, mit dem Roller durch die Stadt fährt und erstmal bei einem Café Halt macht. Doch bevor er seine Bestellung bekommt, tritt eine alte Frau in den Laden, die die Anwesenden angreift – offenbar hat sie sich mit einem Virus infiziert. Dass der sogenannte Alvin-Virus in Taiwan grassiert, wissen alle. Doch die Meinungen über die Gefahr, die von der Pandemie ausgehen soll, gehen auseinander. Ärzte, die vor heftigen Folgen warnen, werden im Fernsehen als Trottel hingestellt, während Politiker, wie der Präsident der Nation, eher abwiegeln. 

Die Parallelen zu den Diskussionen, die in Bezug auf die Corona-Pandemie geführt wurden und noch immer geführt werden, kann man nicht übersehen. Vertreten sind als Figuren im Film auch alle Charakterbeispiele, die man ebenfalls meist aus nächster Nähe beobachten konnte, wenn es um die Reaktionen auf Corona ging. Von Verharmlosung über gesunder Gelassenheit bis zu fanatischer Überreaktion kommt es auch in The Sadness. Doch geht der Film einen wesentlichen Schritt weiter und denkt durch, was passieren könnte, wenn der Virus alle natürlichen Hemmungen des Menschen und gesellschaftlich notwendigen Moralvorstellungen ausser Gefecht setzt. Dann gewinnt der Sadismus. 

Dieses Alvin-Virus verbreitet sich sehr schnell. Kai-Ting sitzt in der U-Bahn neben einem älteren Mann im Anzug (Tzu-Chiang Wang), der ihr schon seit einigen Minuten erst unangemessene Komplimente und dann sexuelle Avancen macht, als plötzlich ein Mann ein Messer zückt und dann rabiat auf die Fahrgäste einsticht. Einige verbeissen sich ineinander, Blut ergiesst sich über den Boden. Beim nächsten Bahnhof kann Kai-Ting gemeinsam mit ihrer Sitznachbarin Molly (Ying-Ru Chen) fliehen. Hinter ihnen der Anzugträger von vorhin, der sich für die Zurückweisung und, mittlerweile selbst schon zum blutrünstigen Tier mutiert, an den beiden Frauen rächen will. Mit Müh und Not und nicht unverletzt schaffen es die beiden in letzter Sekunde aus dem U-Bahnschacht, kurz bevor auch die restlichen Fahrgäste, nun alle zu Mutanten geworden, sich über die Stadt ergiessen können. Kai-Ting glaubt, dass sie im Krankenhaus Zuflucht finden könnten, doch auch dort hat sich die Seuche bereits breitgemacht. 

Mit der Verwandlung werden die Menschen massiv stärker, können aber immer noch denken, reden und sich weitgehend normal bewegen. Das Virus holt lediglich aus ihnen heraus, was schon immer dagewesen ist. Und deswegen steigert sich die sexuelle Gier der einen, alles Männer, derart, dass sie vergewaltigen wo und wie es nur geht. Zu den brutalsten Szenen des Films gehört dann auch genau eine Vergewaltigungsszene, die Kai-Tings Begleiterin Molly zum Opfer hat. Hier könnte man sich überlegen, wieso es eigentlich nicht reicht, dass den Menschen die Gedärme herausgerissen werden, der Kopf aufgespalten und die Glieder abgehackt werden, sondern auch immer mit Vorliebe auch Vergewaltigungen gezeigt werden, um zu illustrieren, zu welcher Brutalität Menschen gegeneinander im Stande sind. Man könnte argumentieren, dass Vergewaltigungen einer anderen Kategorie von Gewalt angehören, die zwangsläufig zum Politikum wird, wenn sie von männlichen Autoren mit dem Beigeschmack des Voyeuristischen in Szene gesetzt werden. Oder gibt es diesen Unterschied zwischen Arten von Gewalt gar nicht? 

Auf jeden Fall ist The Sadness nicht zimperlich. Bis fast zum Ende, wo der Film dann leider etwas an Dichte verliert, hält er einen konstant angespannt. Das Blut fliesst in Strömen, bei manchen Szenen überschlagen sich die Bilder derart, dass, trotz aller Brutalität, sich auch eine ironische Sichtweise aufdrängt. Erinnert fühlt man sich an die Flüsse von Zombies, die in Train to Busan ihr Unwesen getrieben haben. Auch in The Sadness blitzen Themen wie Solidarität auf. Wie weit kann diese gehen? Welche Opfer nimmt man in Kauf, um sich selbst zu retten? Der Befund wirkt in The Sadness aussichtslos und düster, so dass nur noch die titelgebende Traurigkeit bleibt.

The Sadness (2021)

In Taiwan breitet sich eine Mutation des neuartigen Alvin-Virus aus, doch das Land ist gespalten, die Regierung spielt die Lage herunter und viele nehmen die Pandemie nicht mehr ernst. Bis sich die Infizierten in sadistische, sexuell enthemmte Monster verwandeln und die Straßen in ein Blutbad. Mord, Folter und Vergewaltigung greifen um sich. Inmitten des Gemetzels setzt der junge Junzhe alles daran, seine Freundin Kai Ting zu finden, die er am Morgen noch am anderen Ende Taipehs abgesetzt hat. Auf der Suche nacheinander müssen sie zum Äußersten gehen, um zu überleben.

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