The Fare (2018)

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Ein Taxi, ein Fahrgast und eine Zeitschleife – mehr braucht Regisseur D. C. Hamilton nicht, um sein Publikum zu unterhalten. Auf dieser Reise durch die Nacht ist nichts, wie es scheint.

The Fare (2018)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Penny from Heaven

Ein Kinofilm ist immer eine Gemeinschaftsunternehmung. Manche Werke sind indes so klein und intim, dass die daran Beteiligten vor und hinter der Kamera gleich mehrfach zum Zug kommen. Wie schon sein Langfilmdebüt „The Midnight Man“ (2016) ist auch D. C. Hamiltons Nachfolger ein solches Projekt. In nur sechs Tagen mit geringem Budget, aber jeder Menge Herzblut gedreht, ist ihm eine erstaunlich versierte und überraschende Genre-Variation geglückt.

Los geht es wie in einem Film noir. Die Nacht senkt sich über einer verlassenen Landstraße. Unvermittelt wechselt das Bild von Farbe zu Schwarzweiß. Einsam zieht der Taxifahrer Harris (Gino Anthony Pesi) seine Kreise. Nur das Radio und die Stimme seines Chefs aus der Zentrale leisten ihm Gesellschaft. Mitten im Nirgendwo gabelt Harris die geheimnisvolle Penny (Brinna Kelly) auf. Ein Einzelgänger und eine Femme fatale, so scheint es. Doch dann schlägt ein Blitz ein, und die Handlung beginnt von vorn.

Filme mit nur wenigen Figuren und Handlungsorten sind eine Herausforderung. Der logistische Aufwand und die Kosten mögen überschaubar sein, doch schon das falsche Casting kann alles zerstören. Zwar ist The Fare kein Mein Essen mit André (1981), doch die Chemie stimmt. Bevor dieses Kammerspiel auf Rädern einen Gang höher und vom Noir- in den Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-(1993-)Modus schaltet, entspinnt sich zwischen Harris und Penny ein angeregtes Gespräch, das auch die Fantasie des Publikums ins Rollen bringt.

Fahrer und Fahrgast unterhalten sich über ihre Berufe und ihre Beziehungen, über Geschichten und Geschichtenerzähler – von der alten chinesischen Volkssage Kuhhirte und Weberin, die von den voneinander getrennten Sternen Wega und Altair handelt, bis zu Comicurgestein Jack Kirby. Trotz nur weniger Einstellungswechsel und eines ruhigen Schnittrhythmus wirkt das Ganze dynamisch. Im Internetzeitalter voll kurzer Aufmerksamkeitsspannen und unendlicher Abwechselung, die hinter jedem Klick wartet, bietet The Fare eine Lehrstunde in Entschleunigung.

Am Ende ist dieser Film weder ein Krimi noch eine Zeitschleifen-Komödie, sondern eine traurige Liebesgeschichte. Die Lösung des Rätsels, woher die Figuren kommen, wohin sie unterwegs sind und warum sich ihre Reise beständig wiederholt, steckt in ihren Unterhaltungen und bereits im Titel. Die Idee dahinter, die von Hauptdarstellerin, Drehbuchautorin und Produzentin Brinna Kelly stammt, ist nicht neu, sondern so alt wie die Volkssage, die ihre Figur Penny erzählt. Doch die Mischung macht’s! In der hier gezeigten Kombination weiß diese Konstellation 82 wie im Flug vergehende Minuten lang durchaus zu überzeugen.

The Fare (2018)

Der des Lebens überdrüssige Harris fährt sein altmodisches Taxi durch eine öde, menschenleere Landschaft. Nur die Stimme seines Chefs, der sich immer wieder über Funk meldet, leistet ihm Gesellschaft. Als er den Auftrag bekommt, einen Fahrgast abzuholen, steigt die bezaubernde Penny in sein Taxi. Ein Flirt beginnt zwischen den beiden, der aber endet, als sie an ihrem Ziel angekommen ist und aussteigt. Als Harris jedoch seinen Taxameter zurückstellt, wird er plötzlich an den Moment zurücktransportiert, an dem sie bei ihm eingestiegen ist, und die Fahrt beginnt von vorne.

Harris und Penny finden sich in einer Zeitschleife gefangen und versuchen, diesem Rätsel auf die Spur zu kommen. Während der scheinbar immer gleichen Fahrt auf einsamer Strecke werden Geheimnisse enthüllt, Wahrheiten kommen ans Licht und Harris‘ Leben wird unwiderruflich verändert.

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Meinungen
Halil · 27.11.2021

Also ich weiß ja nicht welchen Film dieser Rezensent gesehen hat, aber von "der Lösung des Rätsels über die Herkunft der Figuren und wohin sie unterwegs sind" keine Spur. Die Frau nennt eine Adresse ohne zu wissen was sie dort überhaupt will. Natürlich wird dem Zuschauer ein bruchstückhafter Einblick in das "vorherige" Leben der Protagonisten gewährt, aber der Sinn eines Taxis in einer endlos Zeitschleife erschließt sich mir auch nach genauem Hinsehen nicht. Und warum ausgerechnet ist der Mann Penny´s der Tod. Ok...das mal hingenommen. Ihr Ehemann aus einem anderen Leben ist verletzt und fühlt sich von seiner Frau betrogen. Also werden sie in einem Taxi in einer Unendlichkeit eingesperrt. Und dann? Es hieß Penny reist einmal im Jahr. Wohin genau? Und warum nimmt sie immer das selbe Taxi, dass sich scheinbar in einer Parallelwelt befindet, in dem jegliche Naturgesetze sich verselbständigt haben. Die Rezension ist also sehr lückenhaft und wirft mehr Fragen auf als der Film selbst.

Robert I. · 17.12.2021

Ich fan den Film mega gut, ganz besonders im Vergleich zu den vielen geistlosen Filmen, die man heute hat. Wenn man die griechische Mythologe kenn, dann wird einem der Film auch klar und es gibt da keine offenen Fragen mehr. Ohne den Background kann dich die diversen negativen Kommentare von Halil verstehen. In dem Fall fehlen einem einfach die Bezüge und versteht dann vieles nicht. So gesehen als "eigenständiger" FIlm ist er ein bisschen schwierig, da man mit vielen Fragen zurückbleibt. Mit der Kenntnis der griechischen Mythologie ist der Film (eben auch mi dem Hut ab vor der Verfilmung kleinen Budget) mega gut von Brinna Kelly !

Dr.Rudi · 20.11.2021

Ich kann's nicht begründen aber dieser Film ist saugut.Ganz dichte Athmosphäre Keine Sekunde langweilig.

Kommentare

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