Heil dich doch selbst (2021)

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Seit ihrer Kindheit leidet Yasmin C. Rams an Epilepsie. In „Heil dich doch selbst“ spricht die Filmemacherin offen über ihre Krankheit, über Nebenwirkungen von Medikamenten, alternative Wege der Heilung und Rückschläge. Und fragt Menschen um Rat, die ebenfalls andere Wege gesucht haben.

Heil dich doch selbst (2021)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Ein Weg, viele Wege

Wir kennen das vermutlich alle: Ein guter Freund, eine uns liebe Verwandte, die Kollegin aus dem Nachbarzimmer – sie denken anders als wir über das Corona-Virus, über die Erkrankung und die Impfung dagegen. In den vergangenen zwei Jahren haben wir viel über Wissenschaft, Schul- und alternative Medizin, Impfen und Nicht-Impfen nachgedacht, diskutiert und gestritten. Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge, für jeden gibt es einen anderen Weg. Als Yasmin C. Rams an ihrem Film gearbeitet hat, konnte sie das Ausmaß bestimmt noch nicht erahnen, das die Fragen aufwerfen, die sie in ihrem Film stellt.

Denn ihr geht es genau darum: Den für sie selbst richtigen Weg aus einer langen Krankheit zu finden. Seit ihrer Kindheit leidet sie Epilepsie. Die Anfälle kommen überraschend, werfen sie vom Rad oder lassen sie stürzen, sodass sie sich schwere Verletzungen zuziehen kann. Deshalb wird die Krankheit in Schach gehalten, die Anfälle werden kontrolliert – mit vielen Tests und Tabletten. Und natürlich haben diese Medikamente Nebenwirkungen: Appetitlosigkeit, Depression, Schlaflosigkeit, Haarausfall, Schwindel, Suizidgedanken und vieles mehr. Davon will sie loskommen, und sie macht sich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten, alternativen Behandlungsmethoden und Wegen der Heilung.

Yasmin Rams spricht mit Menschen auf der ganzen Welt, die an der gleichen Krankheit leiden wie sie, aber auch mit Menschen, die den Krebs oder Multiple Sklerose auf natürliche Weise besiegt haben. Sie geben ihr Tipps, sprechen über ihre Krankheiten wie über die von ihnen ausprobierten Heilmethoden, deren Erfolge und Rückschläge, über Schwierigkeiten und Momente der Verzweiflung. Auch sucht die Filmemacherin Menschen des Fachs auf: Sie interviewt Ärzte und Therapeuten, die erklären und definieren. Und Yasmin Rams besucht immer auch wieder ihren Vater, der an Parkinson erkrankt ist, sich aber dagegen wehrt, sein Leben zu ändern. Quacksalberei nennt er, was seine Tochter ausprobiert, für ihn sei das nichts – auch nicht, als es ihm zunehmend schlechter geht.

Heil dich doch selbst ist ein sehr persönlicher Film, der für seine Offenheit mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichnet wurde. Ganz frei spricht die Filmemacherin darüber, was sie erlebt und erleidet, wovor sie Angst hat, was ihr Mut und Hoffnung macht. Die Kamera zeigt sie auf ihrem Weg zu verschiedenen Ärzten, Therapeuten und Heilpraktikern, wie sie Medikamente ausprobiert oder sich bei einem Schamanen in Kolumbien einer Ayahuasca-Reinigung unterzieht. Wie sie nach einem erneuten Anfall mit schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt wird und danach wochenlang einen Fahrradhelm trägt – selbst wenn sie im eigenen Garten auf der Liege sitzt. 

Diese Ehrlichkeit und Nähe sind das Besondere am Film, auch die Geradlinigkeit, mit der sich Vater und Tochter begegnen, sich gegenseitig befragen, Rat geben und auch ein wenig auf die Nerven gehen. Man erhält das Gefühl, dass Yasmin Rams nichts beschönigen, sondern ihre Reise dokumentieren will, so wie sie ist: anstrengend, hoffnungsvoll, dann wieder ernüchternd, eben mit allen Höhen und Tiefen, die ihr begegnen. 

Die Interviews mit den verschiedenen Protagonisten geben Einblick in die Vielfalt an Möglichkeiten, die kranke Menschen haben: traditionelle chinesische Medizin, Hypnose, Saft- und Vitamin-C-Kuren, medizinisches Marihuana oder das südamerikanische Ayahuasca, mit dem ein Protagonist den Weg aus der Epilepsie gefunden hat. Und hier wird jede und jeder im Publikum eine Methode oder einen Menschen finden, den sie oder er überzeugend und vielleicht gar inspirierend findet – oder eben nicht: dessen Tun er anzweifelt oder dessen Worte sie seltsam findet. 

Der Kampf der portraitierten Menschen ist bewundernswert, wie eisern sie gegen die jeweilige Krankheit kämpfen, streng Diät halten, sich täglich frische Säfte pressen oder Kräutersud kochen. Das zumindest wird allen deutlich werden: Hier bemühen sich Menschen jeden Tag aufs Neue darum, ihre Krankheiten auf natürlichem Weg zu heilen, mit der Natur in Einklang zu leben, Vertrauen in den eigenen Körper zu bewahren und ihrem Gespür zu folgen. Egal was man von den einzelnen Methoden hält, bewundernswert ist der Kampf an sich allemal.

Heil dich doch selbst (2021)

Seit ihrer Kindheit an Epilepsie leidend, trifft Filmemacherin Yasmin C. Rams eine drastische Entscheidung: Sie wird die Medikamente, die drohen ihre Leber zu beeinträchtigen, absetzen und versuchen, durch alternative Medizin eine Heilung für sich zu finden. Von traditioneller chinesischer Medizin und medizinischem Marihuana bis hin zu Ayahuasca – sie ist fest entschlossen, ihr Schicksal in ihre eigene Hand zu nehmen. Begibt sie sich dabei nur in die Hände von Quacksalber*innen, die alles nur noch schlimmer machen werden?  Oder gelingt am Ende ein individuelles Zusammenspiel aus schulmedizinischen und alternativen Methoden, die Genesung und Wohlbefinden gleichermaßen fördern?

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Meinungen
Klaus · 21.10.2021

Sinnloser Versuch Epilepsie mit alternativer Medizin zu bekämpfen.
Man kann über verschiedene Verfahren, Tabletten, Operationen, ... diskutieren, probieren,...
Aber alle Tabletten abzusetzen und alternative Medizin zu nutzen ist Humbug!

Jakob · 10.02.2022

Lieber Klaus, schade, dass du auf diesen Film kommentierst, ohne ihn gesehen haben zu können. In dem Film geht es um sehr viel mehr und er ist wichtig für uns Menschen, die chronische Krankheiten haben. Ich habe ihn bei den Hofer Filmtagen gesehen und er ist super! Inspirierend, ausgeglichen, kritisch und selbstkritisch... klasse!

Janis · 12.04.2022

Ich habe den Film gesehen. Er ist berührend und überhaupt nicht einseitig oder propagiert Absetzung von Medikamenten. Aber er schildert die Motivation vieler Menschen mit chronischen Krankheiten andere Wege zu suchen, da das was existiert halt wirkt aber auch nur begrenzt und mitunter auch neben. Ich kann den Film nur empfehlen als Versuch Wissenschaft in seiner Kreativität weiter zu entwickeln.

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