Courage (2021)

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Nach den vermutlich gefälschten Wahlen 2020 hält sich Alexander Lukaschenko weiterhin als Präsident von Belarus, obwohl sich das Land gegen seine repressiven Methoden auflehnt. In seinem Dokumentarfilm porträtiert Aliaksei Paluyan die Mitglieder einer weißrussischen Theatergruppe, die aus dem Untergrund für eine Veränderung kämpfen.

Courage (2021)

Eine Filmkritik von Teresa Vena

Der Mut, sich zu wehren

Eigentlich wirkt alles recht friedlich. Denis hat sich mit einem ruhigen Leben abgefunden, so scheint es. Er hat eine Wohnung, eine Familie und eine Arbeit in einer Autowerkstatt. Doch wenn er sich ans Klavier setzt und seine Lieder singt, ist spürbar, dass es ihm unter den Nägeln brennt, aktiv am kulturellen und politischen Leben teilzunehmen. Vor 15 Jahren hat er sich, wie viele seiner Schauspielerkollegen, gegen die repressive Führung von Belarus durch Lukaschenko gestellt und war dafür mit lebensbedrohlichen Konsequenzen konfrontiert. Er hat sich gegen die Migration entschieden, doch steht er seitdem auf einer schwarzen Liste, was als Berufsverbot gilt und verhindert, dass er offiziell für Dreharbeiten berücksichtigt werden kann. Auch Maryna ist geblieben. Sie hat einen Mann und eine kleine Tochter, für die sie für eine bessere Zukunft im eigenen Land kämpfen will. Obwohl sie weiß, welcher Gefahr sie sich aussetzt, ist sie Mitglied eines Untergrundtheaters. 

Die Truppe des Free Theater of Belarus in Minsk fungiert als Ausgangspunkt für Aliaksei Paluyans Dokumentarfilm Courage. Hier ist Maryna aktiv gemeinsam mit anderen jungen Menschen, die über die Kunst ihre Unzufriedenheit gegenüber der aktuellen politischen Lage in Belarus ausdrücken wollen. Sie proben Stücke, die genau davon handeln. Es sind Stücke, die von bürokratischer Willkür und Gewalt erzählen, aber immer humorvoll aufgebaut sind. Satire ist ihre Waffe. Anweisungen erhalten sie über Skype, denn ihr Regisseur lebt ihm Exil. Genauso wie der Regisseur des Films und wie viele andere Künstler aus Belarus. 

Zwischen Theaterproben und Alltag der Protagonisten zeigt Courage, wie sich Menschen organisieren, um auf der Straße gegen Lukaschenko zu protestieren. Dabei filmt Paluyan die Märsche aus ihrer Mitte. Er wird einer der Demonstranten und macht damit seine Position klar. Courage ist parteiisch, will parteiisch sein. Der Titel bezieht sich auf das Engagement und die Zivilcourage, die Menschen vor Ort zu Tage bringen. Ihrem Kampf ist der Film gewidmet. Mit seiner Kamera ist Paluyan ihnen auf gewisse Weise sehr nahe, auf ihren Gesichtern fängt er die Anspannung ein. Gleichzeitig vermeidet er es, den Stoff ins Sentimentale zu wenden, was im Grunde auch an den Charakteren liegt, die er vor sich hat. Von ihnen geht eine kämpferische Energie aus, der es an Selbstmitleid gänzlich fehlt. 

Das Schlüsselereignis im Film sind die Präsidentschaftswahlen von August 2020, während der Lukaschenko gegen seine Opponentin Swetlana Tichanowskaja antritt. Voller Vorfreude und Tatendrang engagieren sich die Mitglieder der Theatertruppe, um Stimmung gegen Lukaschenko zu machen. Die Situation ist heikel, denn das Militär ist für die Wahrung der Ordnung aufgeboten. Dann fallen die Wahlen, trotz aller vorheriger Hochrechnungen und Meinungsstimmbilder, doch zugunsten von Lukaschenko aus. Um die Proteste zu unterbinden, die ihm Manipulation der Wahlen vorwerfen, zieht der Präsident zusätzlich die Daumenschrauben an. Courage ist das Zeugnis einer wütenden Gesellschaft, die sich gegen eine Art Monster auflehnt, nicht selbst Gewalt nutzend, sondern mit Präsenz, Hartnäckigkeit und Mut. 

Eindrücklich vermittelt der Film durch fast alle Einstellungen ein klaustrophobisches Gefühl, das sich in der tatsächlichen Situation der Protagonisten spiegelt. Die Kamera bewegt sich durch geschlossene wie auch offenen Sphären immer auf der Hut, immer vorsichtig. Das Blickfeld ist klar definiert, meist auf allen Seiten von Menschen, Gegenständen oder Gebäuden begrenzt. Nur selten öffnet sich die Sicht auf den Himmel. Einmal taucht ein Stück davon im Bild auf, doch nur um auf eine propagandistische Schrifttafel auf einem Hausdach zu verweisen: „Ruhm den Siegern!“ Es sind nicht nur die physischen, sondern auch die psychischen Räume, die eng sind. Unterstützt wird diese Stimmung durch den schnellen Schnitt, der auch eine gewisse Rastlosigkeit, Ungeduld und allgemeine Unsicherheit der Figuren ausdrückt.  

Courage ist eine Hommage an Menschen, die für ihre Überzeugungen und ein würdiges Leben kämpfen. Der Film ist auch das Porträt einer Generation, die in Lukaschenkos Belarus sozialisiert wurde und mit der Angst lebt, verfolgt, vielleicht gefoltert oder getötet zu werden, wenn sie sich eines angeblichen Fehlverhaltens schuldig macht. Mit Courage ermahnt uns der Regisseur auch erneut, uns unseren politischen und gesellschaftlichen Errungenschaften nicht zu sicher zu sein, sieht man doch, wie sich tyrannische Systeme selbst rechtfertigen und hartnäckig halten.

Courage (2021)

In „Courage“ gerät eine Theatergruppe in Minsk in Konflikt mit der weißrussischen Staatsgewalt. Maryna, Pavel und Denis gehören zu einer Untergrund-Theatergruppe in Minsk, Weißrussland. Im Zuge der 2020 Präsidentschaftswahlen nehmen sie gemeinsam mit Tausenden von Menschen an den friedlichen Massenprotesten teil. Sie entkommen nur knapp der Verhaftung und Folter. Was sie eint, ist die Hoffnung auf Meinungsfreiheit und Demokratie.

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