Vultures (2018)

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Zwei isländische Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, geraten in Nöte, als sie einen Kokainschmuggel auf die Insel durchziehen wollen. Denn Sofia, die die Rauschgiftpäckchen geschluckt hat, will diese partout nicht ausscheiden.

Vultures (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Eiskalt

Eisige Thriller aus Skandinavien stehen hoch im Kurs – und Island holt diesbezüglich schnell auf, wie man vor kurzem schon bei der atmosphärisch gelungenen TV-Serie Trapped - Gefangen in Island besichtigen konnte. Oder wie man dies seit längerem schon weiß, wenn man etwa die Karriere eines Baltasar Kormákur verfolgt, der in der Zwischenzeit auch in Hollywood ein umworbener Regisseur ist. Auf dessen Initiative kam Trapped überhaupt erst zustande – und in einigen der Episoden der ersten, vor allem aber der zweiten Staffel führte ein isländisches Nachwuchstalent Regie, das nun selbst mit "Vultures" den Schritt auf die große Leinwand wagt - Börkur Sigþórsson

Dessen atmosphärisch dichter und wendungsreicher Thriller erzählt von zwei grundverschiedenen Brüdern, die eines eint: sie sind so gut wie pleite und benötigen dringend Geld, um sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen, in den sie sich hinein befördert haben. Der eine, Erik, ist Rechtsanwalt und betreut ein Projekt, bei dem mehrere Millionen einfach so verschwunden sind, der andere, Atli, war gerade erst im Knast und hat Schulden bei Menschen, bei denen man besser keine Schulden haben sollte. 

Also hat Erik einen Plan ersonnen, in dem Atli eine wichtige Rolle spielt. Er soll die junge Polin Sofia vom skandinavischen Festland nach Reykjavik begleiten, die zuvor zahlreiche Päckchen mit Kokain geschluckt hat. Und gleichzeitig soll er beim Zoll als Lockvogel dienen, denn als Ex-Knacki wird er mit Sicherheit von den Beamten aufgehalten, so dass Sofia in seinem Windschatten unkontrolliert durch die Kontrollen kommt. 

Doch leider entwickelt sich alles ein wenig anders als geplant: Sofia wird zuerst im Flieger so kotzübel, dass sie sich in der Bordtoilette übergeben muss und dabei einige der Drogenpäckchen wieder auskotzt. Und dann scheint ihr gesamter Verdauungsapparat durch die Tortur so mitgenommen zu sein, dass sie fortan die wertvolle Fracht nicht mehr ausscheidet. Das bringt natürlich die beiden Brüder in Zugzwang, denen das Wasser eh schon bis zum Halse steht. Und als sei dies alles nicht schon genug, hat sich auch noch eine Polizistin des Falles angenommen, weil eines der ausgekotzten Drogenpäckchen dem Reinigungspersonal der Fluglinie in die Hände gefallen ist. Von da an wird es dann richtig unangenehm – für alle Beteiligten.

Vultures macht vieles richtig und überrascht mit düsterer, vorwiegend nächtlicher Atmosphäre, guten DarstellerInnen und etlichen Wendungen, die aber niemals unrealistisch geraten oder den Eindruck erwecken (wollen), hier hätten es ein Drehbuchautor und Regisseur auf billige Überraschungseffekte abgesehen. Vielmehr zieht der Film Schritt für Schritt den Spannungsbogen an und legt am Ende recht drastisch und ungeschönt offen, dass es in einem Spiel wie diesem kaum je Gewinner, sondern nur Verlierer gibt – und dass der Drogenhandel als extremes Zerrbild des Kapitalismus neoliberaler Lesart Menschen nur nach ihrem Nutzwert betrachtet.

Vultures (2018)

Sie schmuggelt Drogen nach Island auf die denkbar gefährlichste Art, doch als die junge Polin Sofia krank wird, steht nicht nur ihr Leben auf dem Spiel, sondern auch das Schicksal zweier Brüder, die in die höchsten Kreise des Verbrechens aufsteigen wollen.

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