To Die Like A Man

To Die Like A Man

Eine Filmkritik von Christian Horn

Antonia / Antonio

Antonia, kurz Tonia (Fernando Santos), kam als Mann auf die Welt, entschied sich im Lauf seiner Karriere als Travestiestar in Lissabon jedoch für ein Leben als Frau – nur den letzten Schritt, die vollständige Geschlechtsumwandlung, hat der religiöse Tonia nie gewagt. Jetzt, wo seine Karriere im Nachtleben zu Ende geht, hadert er mit diesem Entschluss. Und mit seiner Liebe zum jüngeren und drogensüchtigen Rosário (Alexander David), mit dem Tonia eine stetig am Abgrund balancierende Beziehung führt.
Der portugiesische Regisseur João Pedro Rodrigues inszeniert mit To Die Like A Man, der unter anderem in Cannes und auf der Viennale zu sehen war, eine tragische, stark symbolisch aufgeladene Geschichte über Identität, gesellschaftliche und innere Zwänge. Dabei greift er zu teils provokanten und drastischen Bildern, erzählt im Vergleich zu seinem kontroversen Spielfilmdebut O Fantasma, in dem ein Mann in Latexanzug wie ein Tier über eine Müllkippe streift, aber eine durchaus gemäßigte Geschichte. Abgesehen davon natürlich, dass Homosexualität und Transvestitismus – Themen, die im Kino gemeinhin einen schweren Stand haben – ein zentraler und selbstverständlicher Bestandteil seiner Geschichte sind.

Ein wenig erinnert To Die Like A Man an die frühen Filme von Pedro Almodóvar, einer Ikone des Queer Cinema. Schwule und Drag Queens, Drogensüchtige oder ein Sohn aus der Vergangenheit – das typische Figurenpersonal eines Almodóvar findet sich auch in Rodrigues‘ Film. Hinzu kommen die religiösen Motive, die Nähe zum Melodram und die oft bunten Bilder, in denen kräftige Farbtöne und extravagante Interieurs vorherrschen. Anders aber als bei Almodóvar steuert João Pedro Rodrigues kompromisslos auf das tragische Ende seiner Hauptfigur zu und findet dafür eindrückliche und drastische Bilder wie etwa jenes, das den eitrigen Ausfluss aus Tonias Brustimplantaten zeigt, die vom Körper abgestoßen werden.

Im letzten Drittel des mit 133 Minuten ein wenig zu lang geratenen Films besuchen Tonia und Rosário den Transvestiten Maria Bakker, der abgeschieden im Wald lebt. In rotes Licht getaucht sitzen die Figuren nachts im Wald, reglos in sich versunken. João Pedro Rodrigues hält diese unbewegte, surreale und märchenhafte Einstellung, die wie ein Schlussbild wirkt, sich aber als Innehalten und Zäsur entpuppt, demonstrativ lange. Danach hat Tonia eine Entscheidung getroffen: Während sein Leben wesentlich davon geprägt war, dass er sich im falschen Körper wähnte, will er am Ende so sterben, wie Gott ihn schuf. Wenn Antonia schließlich als Antonio auf dem Totenbett liegt, ist das keine Selbstaufgabe, sondern ein ganz persönlicher, letzter Befreiungsschlag.

To Die Like A Man

Antonia, kurz Tonia (Fernando Santos), kam als Mann auf die Welt, entschied sich im Lauf seiner Karriere als Travestiestar in Lissabon jedoch für ein Leben als Frau – nur den letzten Schritt, die vollständige Geschlechtsumwandlung, hat der religiöse Tonia nie gewagt.
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