The Sun Is Also a Star: Ein einziger Tag für die Liebe (2019)

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Schicksal, Liebe, Trennung. Ry Russo-Youngs Romanverfilmung „The Sun Is Also a Star“ wirft Yara Shahidi und Charles Melton in einen dramatischen 24-Stunden-Trip durch die sauber gefegten Straßen von New York City.

The Sun Is Also a Star: Ein einziger Tag für die Liebe (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Die Magie von 24 Stunden

Ein Mensch, ein Ereignis oder auch nur ein kurzer Augenblick können unser Dasein für immer verändern. Ist das dann Zufall? Oder Schicksal? Mit diesen Fragen spielt das von Tracy Oliver verfasste Drehbuch zum Liebesfilm „The Sun Is Also a Star“, basierend auf dem gleichnamigen Young-Adult-Roman von Nicola Yoon. Die Regisseurin Ry Russo-Young kleidet die Geschichte um zwei junge Leute, die sich begegnen und rasch wieder zu verlieren drohen, gemeinsam mit ihrer Kamerafrau Autumn Durald in berückende Aufnahmen, die oft als Bilderrausch daherkommen.

Der Film beginnt mit einem Zitat des Wissenschaftlers Carl Sagan sowie mit Darstellungen des Urknalls und kosmologischen Gedanken, bis wir schließlich im heutigen New York City landen, im Leben der Schülerin Natasha Kingsley (Yara Shahidi), die vor neun Jahren mit ihrer Familie aus Jamaika in die Vereinigten Staaten von Amerika kam. Die Kingsleys müssen das Land morgen wieder verlassen – doch Natasha will die Abschiebung nicht hinnehmen und hofft nach einem erfolglosen Termin bei der Einwanderungsbehörde auf die Hilfe eines engagierten Anwalts (John Leguizamo).

Und gerade an diesem Tag lernt sie Daniel Bae (Charles Melton) kennen. Dessen Familie stammt aus Südkorea und betreibt in Harlem ein Ladengeschäft für afroamerikanische Haarpflegeprodukte und Perücken. Daniel hat eine poetische Ader; seine Eltern wollen indes, dass er Arzt wird – und deshalb hat er ein Bewerbungsgespräch, das ihn aufs Dartmouth College bringen soll. In der Grand Central Station wird er auf Natasha aufmerksam; am East Broadway verhindert er, dass sie von einem zu schnell fahrenden Auto erfasst wird. Schon bald sind die beiden in eine Diskussion über Liebe verwickelt – und Daniel stellt die These auf, dass sich Natasha im Laufe eines Tages in ihn verlieben werde, wenn sie ihm eine Chance gebe.

Zwischen Terminen, die immer wieder zu neuen Terminen führen, schildert The Sun Is Also a Star somit die Entstehung großer Gefühle. „Deus ex Machina“ schreibt Daniel anfangs in sein Notizbuch – und findet jene Worte als Aufdruck auf Natashas bunter Jacke wieder, was er sofort als schicksalhaftes Zeichen deutet. Und auch uns sollte spätestens an diesem Punkt klar werden, dass dieses Werk keine sozialrealistische Studie über die Situation von Immigrant_innen oder den harten Alltag in der US-Metropole wird. Vielmehr handelt es sich um einen Film, in dem eine U-Bahn-Fahrt die Anmutung eines Musikvideos haben kann und in dem U-Bahn-Fahrer Sätze wie „Öffnen Sie Ihr Herz dem Schicksal!“ sagen. Darauf muss man sich einlassen.

Man könnte der literarischen Vorlage und deren Umsetzung durchaus vorwerfen, dass das Thema Abschiebung lediglich als dramaturgisches Damoklesschwert dient, um der Liebesfindung die nötige Tragik zu verleihen. Allzu sehr in die Tiefe möchte das Werk offenkundig nicht gehen. Die Biografien von Natashas und Daniels Eltern werden angerissen und ansprechend bebildert; was aber zum Beispiel die Rückkehr nach Jamaika für Natashas jüngeren Bruder bedeutet, der beinahe sein ganzes bisheriges Leben in den USA verbracht hat, wird gänzlich ausgeblendet. Und die Art und Weise, wie New York City hier als bezaubernder Ort der leuchtenden Farben eingefangen wird, in welchem man bedenkenlos im Park übernachten kann, ist selbstverständlich fern jeder Realität.

Als Liebesgeschichte kann The Sun Is Also a Star hingegen mehr überzeugen. Natasha und Daniel sind natürlich ein überaus zugespitzt gezeichnetes Gegensatzpaar. Während Natasha nur an Fakten glaubt, ist Daniel ein Romantiker. Die Flirt-Gespräche im Café und in den Straßen der Stadt sowie die gegenseitigen Blicke im Planetarium und im öffentlichen Nahverkehr funktionieren jedoch ziemlich gut – auch dank des Knisterns, das Yara Shahidi (Black-ish) und Charles Melton (Riverdale) zu erzeugen vermögen. Wenn eine hübsche Karaoke-Darbietung des Pop-Hits Crimson and Clover erst zu interessant eingefärbten Großaufnahmen und dann zu einer Was-wäre-wenn-Montagesequenz führt, begibt sich der Film kurz auf einen reizvollen experimentellen Pfad. An anderer Stelle lässt Russo-Young diesen inszenatorischen Mut leider vermissen. Wenn sich Natasha und Daniel zur Überprüfung von Daniels Liebesthese vier Minuten lang in die Augen schauen wollen, wäre es gewiss spannend gewesen, den Gesichtern von Shahidi und Melton auch wirklich vier Minuten zu widmen, statt nur einen Bruchteil davon zu zeigen. Statt sich die ganz großen Themen vorzunehmen und dann doch zumeist an der Oberfläche zu bleiben, hätte sich eine Reduktion und Konzentration womöglich als wirkungsvollerer Weg erwiesen.

The Sun Is Also a Star: Ein einziger Tag für die Liebe (2019)

Basierend auf dem gleichnamigen Young-Adult-Roman von Nicola Yoon erzählt der Film von Natasha (Yara Shahidi) und Daniel (Charles Melton), die sich im Verlauf eines einzigen Tages ineinander verlieben. Das Problem dabei ist nur: Natasha und ihre Familie sollen zurück nach Jamaica abgeschoben werden.

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