The First Purge (2018)

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Back to the roots! Der vierte Teil der "Purge"-Reihe nimmt die Einführung der unheilvollen Säuberungsnacht in den Blick, die in einem Amerika der nahen Zukunft die Bürger von ihren Aggressionen reinwaschen soll.

The First Purge (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Wie alles begann

Eine Nacht lang morden, plündern und stehlen. Seiner Wut freien Lauf lassen. Diejenigen quälen, die man schon immer gehasst hat. Und all das ohne Strafen. In James DeMonacos einträglichem Purge-Franchise, das ein gruseliges Amerika der nahen Zukunft imaginiert, ist genau dies Realität. Einmal im Jahr sollen sich die Bürger durch einen staatlich verordneten Gewaltrausch von ihren Aggressionen reinwaschen. Eine Säuberung, die die regierende NFFA ins Leben gerufen hat, um – so die offizielle Ansage – die Verbrechensrate drastisch zu senken. Tatsächlich dient die Purge, wie Teil 2 und 3 offenbarten, aber auch dazu, die unteren Gesellschaftsschichten auszudünnen.

Das vierte Kapitel der 2013 mit einem Home-Invasion-Szenario gestarteten Horrorreihe blickt – der Titel schreit es schon heraus – nun auf die Anfänge des zwölfstündigen Wütens, das in Form eines sozialen Experiments getestet wird. Ausgehend von den Theorien der Wissenschaftlerin Dr. Updale (Marisa Tomei) verordnen die NFFA-Köpfe einen Probelauf, der sich auf den New Yorker Stadtteil Staten Island beschränken soll. 5000 Dollar und zusätzliche Boni winken all jenen, die in der ominösen Nacht nicht das Weite suchen und an der Säuberung teilnehmen. Viel Geld, gerade für arme Menschen wie den Teenager Isaiah (Joivan Wade), der noch dazu nach einem feigen Angriff auf Rache sinnt. Seine Schwester Nya (Lex Scott Davis) wiederum protestiert lautstark gegen die Pläne der Regierung, verschanzt sich kurz vor Beginn der Purge allerdings zusammen mit anderen friedfertigen Bürgern in einer Kirche. Auch der lokale Drogenboss Dmitri (Y’lan Noel) hat wenig übrig für das mörderische Treiben, das der NFFA-Stabschef (Patch Darragh) schließlich manipulieren lässt, als sich das gewünschte große Blutbad nicht einstellen will.

Beim Prequel räumte Reihenschöpfer DeMonaco für Gerard McMurray (Burning Sands) den Platz auf dem Regiestuhl, schrieb jedoch abermals das Drehbuch und fungierte außerdem als Produzent. Interessant ist im Hinblick auf die in Hollywood noch immer vorherrschende Dominanz weißer Protagonisten, dass The First Purge fast ausschließlich Schwarze in den Mittelpunkt der Handlung stellt, darunter viele, die in prekären Verhältnissen leben. Unverkennbar heben der Afroamerikaner McMurray und seine kreativen Mitstreiter auf die nach wie vor in der US-Gesellschaft verankerte rassistische Diskriminierung ab. Hält man sich die derzeitige Zerrissenheit Amerikas vor Augen, sind die politischen Gedankenspiele des Films durchaus reizvoll. In letzter Konsequenz gehen sie aber viel zu wenig über die Andeutungen der bisherigen Teile hinaus. Seltsamerweise handeln die Macher den sozialen und wirtschaftlichen Niedergang und den damit verbundenen Aufstieg der NFFA gleich in den ersten Minuten über plakative Nachrichtenbilder ab, anstatt ein wenig in die Tiefe zu gehen und dem Purge-Experiment so etwas mehr Substanz zu geben.

Ähnlich wie in den beiden Vorgängern begleitet der mit satirischen Elementen garnierte Horror-Action-Thriller-Mix unterschiedliche Personen durch die verhängnisvolle Nacht, deren Wege sich irgendwann kreuzen. Ergänzt wird das Ganze um Einblicke in die Kommandozentrale der NFFA, wo der Stabschef der Partei und Dr. Updale – eine undankbare Schablonenrolle für Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei – die Ereignisse über diverse Monitore verfolgen können, da die Säuberungsteilnehmer Kontaktlinsen mit eingebauten Kameras erhalten haben. Ein Kniff, der einige schockierende Perspektiven ermöglicht, allerdings nicht kaschiert, dass The First Purge in erster Linie Altbekanntes auffährt: grotesk kostümierte Freaks, dunkle, verwaiste Straßen, gelegentliche jump scares und blutgetränkte Schießereien.

Erneut drängt sich der Eindruck auf, dass die Kritik am Waffenfetischismus der Amerikaner bloß halbherzig ausfällt. Wie sonst passt es ins Bild, dass Drogengangster Dmitri auf der Zielgeraden teilweise in Zeitlupe als unzerstörbare Ein-Mann-Armee inszeniert wird. Überhaupt erweist sich der Showdown als sinnbefreite Ballerorgie, bei der zwar etwas Spannung aufkommt, die mit ihren zuweilen dämlichen Dialogen und ihren dürftigen Spezialeffekten aber immer wieder für ein Schmunzeln gut ist. Auch deshalb verpassen es DeMonaco und McMurray, das Purge-Universum gewinnbringend zu erweitern. Bleibt abzuwarten, ob der für Anfang September 2018 angekündigte Serienableger der Reihe hier Abhilfe schaffen kann.

The First Purge (2018)

Am Ende jeder Tradition steht eine Revolution - so auch bei den ritualisierten Säuberungen, um die sich die Horrorreihe The Purge dreht. Der vierte Teil der Reihe schildert nun die Vorgeschichte und erzählt von der ersten Todesnacht, die in Staten Island als soziales Experiment durchgeführt wurde. Dabei spart der Film nicht mit Anspielungen auf den derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump ... 

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