Silkwood

Silkwood

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 3. September 2012, ARTE, 21:00 Uhr

Wenn Meryl Streep, die Heldin dieses politischen Thrillers aus dem Jahre 1983 von Mike Nichols, am Schluss mit melancholischer Stimme Amazing Grace intoniert, wird mit den letzten Bildern und diesem berühmten Lied die Tragik des Todes von Karen Silkwood transportiert, an deren Lebensgeschichte sich der Film lose anlehnt, für ihr gewaltsam herbeigeführtes Ableben plädierend. Seinerzeit fünffach für den Academy Award nominiert, auch für Meryl Streep als Beste Haupt- und Cher als Beste Nebendarstellerin, zeichnet sich Silkwood durch seine stimmige Mischung aus gesellschaftkritischem Krimi und atmosphärisch dichtem Porträt einer ungezähmten Frau aus, deren Schicksal fiktiv überhöht erzählt wird.
Die Chemie-Technikerin Karen Silkwood (Meryl Streep) führt jenseits ihrer anstrengenden und gefährlichen Arbeit in einer Plutoniumfabrik in Oklahoma gemeinsam mit ihrem Freund Drew (Kurt Russell) und ihrer lesbischen Freundin Dolly (Cher), die im selben Werk tätig sind, ein lässiges Leben mit leichtgängigen Vergnügungen aus Bier, Joints und sexueller Ungezwungenheit. Das ändert sich, als allmählich immer deutlicher wird, wie extrem schädlich die radioaktive Strahlung in der Fabrik bei den defizitären Sicherheitsmaßnahmen die Arbeiter verseucht, was von der Konzernleitung kategorisch bagatellisiert wird. Karen beginnt, sich gewerkschaftlich zu engagieren, was ihr allerdings keine Freunde beschert, im Gegenteil: Selbst Drew nimmt sich eine Auszeit von der Beziehung, während Karen immer tiefer im Sumpf ihrer Nachforschungen versinkt ...

Keinesfalls stellt Silkwood ein akribisch recherchiertes, um Authentizität bemühtes Biopic über die tatsächliche Person der Karen Silkwood dar; vielmehr folgen Regisseur Mike Nichols und die Drehbuchautorinnen Nora Ephron und Alice Arlen unumwunden dem Mythos einer ungewöhnlichen, widerständigen Frau, die sich notgedrungen aus der privaten Sphäre erhob, um für sich und Ihresgleichen ausreichend Schutz vor der radioaktiven Bedrohung zu fordern. Dass die damaligen Vorstellungen von der Gefahr noch durch enorme Naivität geprägt waren, zeigen die erschreckenden Entwicklungen diesbezüglich der letzten dreißig Jahre. Ungeachtet der deutlichen Positionierung der letztlich fiktiven Geschichte liefert Silkwood mit seinem sensiblen Ensemble einerseits spannende Unterhaltung sowie andererseits gefühlvolles Kino vor einem ernsten, mahnenden Hintergrund und setzt der wahren Karen Silkwood, die damals posthum zu einer Ikone der US-amerikanischen Anti-Atom-Bewegung erhoben wurde, ein liebevolles Denkmal.

Silkwood

Wenn Meryl Streep, die Heldin dieses politischen Thrillers aus dem Jahre 1983 von Mike Nichols, am Schluss mit melancholischer Stimme "Amazing Grace" intoniert, wird mit den letzten Bildern und diesem berühmten Lied die Tragik des Todes von Karen Silkwood transportiert, an deren Lebensgeschichte sich der Film lose anlehnt, für ihr gewaltsam herbeigeführtes Ableben plädierend.
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