Sieben Minuten im Himmel

Sieben Minuten im Himmel

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Freitag, 2. September 2011, 3sat, 22:25 Uhr

Dieses Spielfilmdebüt des israelischen Regisseurs Omri Givon, das 2008 beim Internationalen Filmfestival von Haifa uraufgeführt und auch ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich mit einem schwerlastigen Thema, das fatalerweise immer wieder aktuell in Israel / Palästina ist: mit den Folgen eines Bombenattentats. Sieben Minuten im Himmel erzählt vom Schicksal einer jungen Frau, deren Leben auf diese Weise vollständig aus der Balance gerät, wobei es der Filmemacher Omri Givon ganz hervorragend versteht, dieser Geschichte einen ebenso spannenden wie mysteriösen Hintergrund zu verleihen.
Als die junge, aparte Galia (Reymond Amsalem) mit ihrem Freund Oren (Nadav Netz) eines Tages in Jerusalem einen Bus nimmt, wird dieses im Grunde alltägliche Ereignis sie in eine lebensbedrohliche Krise katapultieren. Denn im voll besetzten Bus explodiert die Bombe eines Attentäters, und während Oren an seinen Verletzungen stirbt, wird die zunächst sieben Minuten lang bewusstlose Galia reanimiert, um mit schlimmen Verbrennungen zu überleben. Allerdings fehlt ihr zunächst komplett die Erinnerung an das Geschehen, die sie sich im Laufe der folgenden, äußerst schwierigen Zeiten zurückzuerobern bemüht ist.

Der feinfühlige Boaz (Eldad Fribas), der zur Stelle war und Galia das Leben rettete, wird auch künftig eine unterstützende und wichtige Rolle im Leben der traumatisierten Frau spielen, wobei seine Motive dabei erst einmal vage bleiben. Doch da entwickelt sich etwas immens Verbindendes zwischen Galia und Boaz, so dass das drastische, intensive Drama mit existentieller Symbolkraft auch die Züge einer zarten Liebesgeschichte annimmt. Darin liegt eine große Stärke des Films: Er kombiniert Entsetzliches mit Hoffnungsvollem, den Schrecken mit Chancen und den Verlust mit neuen Möglichkeiten, so absurd diese Kombinationen auch anmuten.

Einen unspektakulären Blick auf das moderne Jerusalem bietet Sieben Minuten im Himmel darüber hinaus, flankiert von bedeutsamen religiösen und philisophischen Andeutungen, die sich letztlich auf die großen Fragen des Lebens beziehen. Dabei sind es immer wieder die kleinen Dinge und zarten Regungen, denen die wahre Bedeutsamkeit zukommt und die Regisseur Omri Givon in starke, eindringliche Bilder umzusetzen versteht, so dass seine Geschichte einer Katastrophe mit politischem Hintergrund zu einer bewegenden Suche nach Heilung und Spiritualität angesichts des unauslotbaren Wahnsinns von mörderischen Attentaten und ihren Folgen gerät.

Sieben Minuten im Himmel

Dieses Spielfilmdebüt des israelischen Regisseurs Omri Givon, das 2008 beim Internationalen Filmfestival von Haifa uraufgeführt und auch ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich mit einem schwerlastigen Thema, das fatalerweise immer wieder aktuell in Israel / Palästina ist: mit den Folgen eines Bombenattentats.
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