Parkland

Parkland

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Schockwellen

Zwei Männer, beide erschossen, beide im selben Krankenhaus, aber an unterschiedlichen Tagen und in unterschiedlichen Operationssälen. Und doch verbindet sie mehr. Der eine hat den anderen erschossen und wurde dafür wenig später selbst gerichtet. Parkland ist jedoch nicht die Geschichte dieser Männer, es ist nicht die Geschichte von John F. Kennedy und Lee Harvey Oswald. Es ist die Geschichte, welche Schockwellen ihr beider Tod aussandte.
Präsident John F. Kennedy wird das Opfer eines Attentats. Erzählt wird, was sich in den turbulenten Stunden und Tagen danach tat, im Krankenhaus, beim örtlichen FBI, mit Abraham Zapruder, der das Attentat gefilmt hat, mit Lee Harvey Oswalds Familie, mit den Ärzten, die um beider Leben gekämpft haben.

Der Film basiert auf Vincent Bugliosis Buch Four Days in November: The Assassination of President John F. Kennedy. Bugliosi ist in erster Linie ein Staatsanwalt, der das Volk im Prozess gegen Charles Manson vertrat und auch diese Erfahrung später zu einem Buch verarbeitete. Er war stets der Überzeugung, dass Oswald als Einzeltäter gehandelt hat. Sein Buch entstand darum auch aus der Motivation heraus, den um sich greifenden Verschwörungstheorien mit Fakten zu begegnen. Der Film interessiert sich nicht für diese Theorien, er geht davon aus, dass Oswald der Täter war. Aber auch wenn er es nicht gewesen sein sollte: Für Parkland ist das irrelevant. Denn dieser Film interessiert sich weit mehr für die Menschen, die direkt von diesem Attentat betroffen waren.

Sollte man meinen, dass zum Thema JFK eigentlich schon alles gesagt und getan ist, so überrascht dieser Film mehr als einmal. Er wartet mit Details auf, an die man gar nicht gedacht hat, die hier aber in den Mittelpunkt rücken. So wird Oswalds Familie intensiv vorgestellt, vor allem aber auch sein Bruder, der wie alle anderen Oswalds unter Lees Tat leiden musste. Auch andere Elemente hat man sich so nie verinnerlicht, so den hektischen und verzweifelten Kampf um den Präsidenten, den die Ärzte geführt haben. Parkland zeigt den Teil der Geschichte, der zumeist im Hintergrund verschwindet. Er lebt dabei von einer dokumentarischen Güte, die sich auch filmisch niederschlägt. Häufig ist die Kamera verstohlen im Hintergrund oder blickt durch eine Glaswand auf das Geschehen. Man ist außen vor, und wird dann unmittelbar ins Geschehen gezogen. Die Figuren werden dabei nur angerissen. Dies ist nicht die Art Geschichte, die sich mit den persönlichen Hintergründen der Ärzte, Agenten und Privatleute beschäftigen könnte oder sollte. Stattdessen lebt der Film von der Hektik und der Ungewissheit nicht nur der direkten Stunden nach dem Attentat, sondern auch den nachfolgenden Tagen, in denen jedermann auf eine gewisse Art und Weise wie gelähmt war.

Parkland erzählt von einem traumatischen Ereignis und wie es sich auf die Menschen auswirkte, die unmittelbar davon betroffen waren. Obwohl im Grunde distanziert, schafft es der Film, den Zuschauer spüren zu lassen, wie verheerend die Situation für alle ist – für die Kennedys, für die Nation, aber auch für die Oswalds. Die stärkste Szene des Films kommt am Ende, als Oswalds Familie Lee zu Grabe trägt und eine Geste der Menschlichkeit erfährt, die nicht dem Präsidentenmörder gilt, sondern den Hinterbliebenen, die mit den Nachwirkungen seiner Tat leben müssen.

Parkland

Zwei Männer, beide erschossen, beide im selben Krankenhaus, aber an unterschiedlichen Tagen und in unterschiedlichen Operationssälen. Und doch verbindet sie mehr. Der eine hat den anderen erschossen und wurde dafür wenig später selbst gerichtet. "Parkland" ist jedoch nicht die Geschichte dieser Männer, es ist nicht die Geschichte von John F. Kennedy und Lee Harvey Oswald. Es ist die Geschichte, welche Schockwellen ihr beider Tod aussandte.
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