Shooting Dogs

Shooting Dogs

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Außenansicht eines Massakers

Der afrikanische Kontinent und seine gesellschaftlichen und politischen Probleme rücken mehr und mehr ins Interesse von Filmemachern, und das ist durchaus eine erfreuliche Entwicklung. Ob Drum oder Der ewige Gärtner / The Constant Gardener, Blood Diamond oder Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht / The Last King of Scotland, immer mehr Filme westlicher Herkunft versuchen ein differenziertes Bild des Kontinents abseits von Savannenromantik à la Jenseits von Afrika zu zeigen. Nach Hotel Ruanda kommt nun mit Shooting Dogs / Beyond the Gates ein zweiter Film in die deutschen Kinos, der sich mit der größten menschlichen Katastrophe der neunziger Jahre beschäftigt, dem Bürgerkrieg in Ruanda, jenem eruptiven Ausbruch der Gewalt, während dem innerhalb von nur 100 Tagen zwischen 500.000 und 1 Million Menschen ihr Leben ließen. Militante Hutus verfolgten systematisch und mit Unterstützung von Armee und Teilen der Regierung Stammesangehörige der Tutsis und verschonten auch Kinder nicht, um für eine möglichst geringe Nachkommenschaft des Stammes zu sorgen.
Wie Hotel Ruanda schildert auch Shooting Dogs / Beyond the Gates eine reale Epsiode aus dem Jahr 1994: In einem Lager belgischer UN-Truppen der UNAMIR-Mission in Kigali ist eine Schule untergebracht, an der der junge, enthusiastische Lehrer Joe (Hugh Dancy) unterrichtet. Geleitet wird die Schule von dem Priester Christopher (John Hurt), der bereits seit vielen Jahren in Afrika lebt, während Joe erst kurze Zeit in Ruanda weilt. Neben seinen Verpflichtungen an der Schule trainiert Joe außerdem die junge Ruanderin Marie (Claire-Hope Ashitey), eine viel versprechende Leichtathletin, deren Ambitionen durch den lange geplanten Ausbruch der Gewalt nach dem Tod des ruandischen Präsidenten Habyarimana jäh zunichte gemacht werden. Als die militanten Hutus das Camp belagern, weigern sich die belgischen Truppen unter Führung von Colonel Charles Delon (Dominique Horwitz), in das Geschehen vor den Toren einzugreifen, trotz nächtlicher Schüsse und den schrecklichen Berichten, die traumatisierte Flüchtlinge geben, die in dem Lager Zuflucht suchen. Das wirkliche Ausmaß des Mordens lässt sich für die Eingeschlossenen allenfalls erahnen, und so fällt es allen Seiten schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen, als die Hutus vor den Toren des Camps stehen und mit Macheten Einlass verlangen, um ihre Bluttaten weiterzuführen. Joe und Christopher stehen vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens: Sollen sie wie die andere Europäer unter dem Schutz der UN-Truppen fliehen oder versuchen, das Grauen aufzuhalten?

Eines vorweg: Shooting Dogs / Beyond the Gates ist technisch gesehen kein schlechter Film, und Michael Caton-Jones ist ohne Zweifel ein Regisseur, der sein Handwerk versteht, auch wenn seine Filmographie mit Filmen wie Der Schakal / The Jackal, Rob Roy, Doc Hollywood und Basic Instinct 2: Neues Spiel für Catherine Tramell bislang eher für schlicht gestrickte Kinokost stand. Dass der Film trotz eines erschütternden Themas und guter Schauspieler wenig gelungen ist, liegt vor allem an der Erzählperspektive und an den Schwerpunkten, die der Film setzt. Man vermisst schmerzlich eine Fokussierung auf die Hintergründe des Mordens und auf das Leid der Tutsi, was angesichts des unermesslichen Leids in Ruanda absolut unangemessen wirkt. Es bewahrheitet sich unfreiwillig der englische Titel des Films: Die Afrikaner bleiben in Shooting Dogs / Beyond the Gates weitgehend außen vor. Im Vergleich zu Hotel Ruanda, der zudem wesentlich früher in den Kinos zu sehen war, hat Shooting Dogs / Beyond the Gates jedenfalls das Nachsehen, und es stimmt schon ein wenig bitter, dass ein solch wichtiges Thema wie der Völkermord in Ruanda und dessen Ursachen auf eine beinahe ausschließlich westliche Perspektive verkürzt wird, die sich zudem vor allem auf den Gewissenskonflikt von Joe und Christopher bezieht. Angesichts der Massenmordes vor den Toren des Lagers wirken die Gespräche über Gott und die Welt, über Verantwortung und Schuld jedenfalls genauso inhaltsleer und floskelhaft wie die Beteuerungen des belgischen Militärs, er sei an seine Befehle gebunden und wie die treuherzigen Lippenbekenntnisse westlicher Politiker, die dem Abschlachten tatenlos zusahen.

Shooting Dogs

Der afrikanische Kontinent und seine gesellschaftlichen und politischen Probleme rücken mehr und mehr ins Interesse von Filmemachern, und das ist durchaus eine erfreuliche Entwicklung.
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Meinungen
Shooting Dogs - bewegend! · 26.09.2007

Mir ist ein Fehler unterlaufen, meine Kritik (0 Sterne) galt nicht dem Film, sondern der Kritik. Shooting Dogs ist ein absolut authentischer, extrem bewegender Film. Er zeigt sehr gut das unermessliche Leid, das die Tutsis erfahren haben. Er zeigt vor allem aber auch das extreme versagen internationaler FRIEDENSorganisationen, allen voran der UN. Das man nichts von den Afrikanern mitbekäme ist schlichtweg falsch. Man bekommst sehr subtil den Hass der Hutus mit, die Ängste der Tutsis werden ebenfalls authentisch dargestellt. Natürlich hat der Film eine bestimmte Erzählperspektive, die sich hier auf das Leben in der Schule und die Belagerung konzentriert. Da es sich bei Shooting Dogs aber um einen Spielfilm und keinen Dokumentarfilm handelt, finde ich das allerdings absolut legitim. Ein klasse Film, der vieles, was damals passierte und unverständlich erscheint, sehr plastisch darstellt.

Super film!!!

Jogi · 11.05.2007

Habe den Film in der Sneak gesehen. Es ist ein sehr packender und bewegender Film.
Er beschreibt sehr gut die Ohnmacht der Belgischen Soldaten. Welche nur nach ihren sehr beschränkten UN Mandat handeln dürfen.
Dem Belgischen Captian ist sehr anzumerken, das er gerne eingreifen würde aber er darf es nicht.
Zudem spart der Film nicht mit erschreckenden Bildern von den Morden an den "Tutsis".

Der Film baut langsam und sehr nachvollziehbar auf. Beschreibt sehr gut die steigende Spiralle der Gewalt. Bis zum unvermeidlichen Ende.

Die Schauspieler spielen ihre Rollen sehr gut. Gerade Claire-Hope Ashitey als Marie ist für mich herausragend.

Diesen Film sollte man nicht verpassen. Aber er ist für schwache Nerven.

Leider erreicht diese Episode erst nach 13 Jahren richtig "unsere Welt".

Kommentare

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