Samstag, Sonntag, Montag

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Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Grandioses Neapel

Eine köstliche Literaturverfilmung, die durch den Magen geht: Die grandiose Diva des italienischen Films, Sophia Loren, mimt hier die wieder einmal die Temperamentvolle: Als neapolitanische Mamma (Rosa Priore) in einer in den 30er Jahren angesiedelten Komödie um Liebe, Eifersucht und das Ritual des sonntäglichen Mittagessens bringt sie die sonst so gewohnten Menüs kräftig durcheinander: Klar, für das plötzlich kühl distanzierte Gebaren seiner Frau weiß Peppino (Luca de Filippo)nur eine einzige Erklärung: Es muss ein anderer Typ am Buffet die Rolle spielen. Dabei scheinen die kulinarischen Amuse-Geule-Geschenke des befreundeten Professors Janniello (Luciano de Crescenzo) an seine Frau der eindeutige Beweis zu sein…
Die frivole und konventionelle Verfilmung einer Bühnenkomödie wie auch die Ode an die ewig wunderbare Loren in einem wieder brillanten Part, kann als Gegenpol des eher tristen und neoveristischen Nachkriegskino im noch nicht existenten „Bella Italia“ interpretiert werden. Die zu jenen Zeiten aberwitzige Komödie eröffnete 1990 das Filmfestival von Chicago.

Die 1928 in Rom geborene Filmemacherin Lina Wertmüller wurde als erste Frau überhaupt für einen Oscar als beste Regisseurin nominiert, dennoch wurden ihr nie die gebührenden Ehren so richtig zuteil. Es mag daran liegen, dass ihre Filme stark ihre eigenen politischen Standpunkte outrieren: Ihre Hauptcharaktere sind entweder Kommunisten oder Feministinnen. Häufig kreisen die Studien um Konflikte politischen oder sozio-ökonomischen Ursprungs. Gleichwohl sind ihre Filme selten didaktisch und behalten immer einen augenzwinkernden oder Unterhaltungswert.

Ihren eigentlichen Durchbruch schaffte Wertmüller 1972 mit einer Serie von vier Filmen mit dem italienischen Schauspieler Giancarlo Giannini – eigentlich der italienische Komiker vom Dienst — als Protagonist. Der letzte Film dieser Serie, Sieben Schönheiten aus dem Jahr 1976, wurde für vier Oscars nominiert und war international erfolgreich. Dass sie ewig up to date bleibt, bewies sie 1986 überzeugend in dem atmosphärisch dichten Krimidrogen-Drama Camorra.

Dennoch — obwohl Wertmüller ewig eine sehr vielfältige und erfolgreiche Laufbahn durchschritt, immer noch filmt, konnte sie an ihre Erfolge aus den 70ern, Mimi — In seiner Ehre gekränkt (1972), Liebe und Anarchie (1973), Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August (1974), Sieben Schönheiten (1976) und Blutfehde (1979), nie mehr so recht anknüpfen.

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Eine köstliche Literaturverfilmung, die durch den Magen geht: Die grandiose Diva des italienischen Films, Sophia Loren, mimt hier die wieder einmal die Temperamentvolle.
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