Priest of Evil

Priest of Evil

Selbstjustiz und ein Serienkiller

Allein die Farbgebung verspricht einen atmosphärisch dichten Film: Gedeckte Farben, dunkles Licht und ein schwarz gekleideter Polizist, der im düsteren Finnland eine Treppe hochjagt. Er dringt in eine Wohnung ein, entdeckt die verweste Leiche einer alten Frau und wenig später den dicklichen Sohn, der verzweifelt fragt, ob er Mutter gefunden habe, – und den der gute Cop vor dem Selbstmord rettet. Nach dieser Psycho-Referenz folgt ein Schnitt. Zwei junge Mädchen verlassen eine Diskothek und werden von einer Jungmänner-Gang angerempelt, bedroht und belästigt. Während sich eine von ihnen zu ihrer wartenden Mutter flüchten kann, wird die andere von einem Motorradfahrer weiter verfolgt und schließlich ermordet. An dem blutigen Tatort, dessen Rot fast schreiend herausragt, ist der Held der Anfangssequenz abermals zu sehen. Doch hier wird für den Polizisten Timo Harjunpää (Peter Franzén) der Alptraum aller Eltern wahr: Seine Tochter wurde ermordet.
Abermals erfolgt ein Schnitt, die Handlung springt zwei Jahre weiter. An Timo hat diese Tat so deutliche Spuren hinterlassen, dass er fast nicht wiederzuerkennen ist. Auch seine Frau Elisa (Irina Björklund, The American) und seine jüngere Tochter Paulina (Rosa Salomaa) können die Tat nicht hinter sich lassen: Elisa flüchtet sich in die Religion und kann ihrem Mann nicht verzeihen, dass er an jenem Abend nicht pünktlich vor der Diskothek stand. Und Paulina muss hilflos mit ansehen, wie ihre Familie zerbricht.

Hier drosselt der Film sein Tempo und wird zunehmend zu einem Drama um Schuld und Vergebung. Sehr ausführlich und in zu vielen Szenen wird gezeigt, wie zerrüttet die Familie geworden ist. Dadurch verliert der Film viel von seiner Spannung, zumal auch die guten Schauspieler die mangelnde Tiefe im Plot nicht ausgleichen können. Vielleicht, weil das Drehbuch von Leo Viiret vor allem auf gängige Klischees zurückgreift: Ein Foto der verstorbenen Tochter auf dem Esstisch, rot gefärbte Haare als Zeichen für Paulines Rebellion, die Erwachsenen, die sich gegenseitig anschweigen und der von Alpträumen geplagte und im Dienst unzuverlässige Timo. Das ist zu wenig für ein dichtes Drama – und zu viel für einen packenden Sühne-Thriller.

Dann erfährt Timo, dass der Mörder seiner Tochter nach zwei Jahren wieder freigelassen werden soll. Bereits im Gefängnis hat er ihn täglich an die Tat erinnern lassen, nun will er Selbstjustiz üben. Parallel dazu ermittelt Timo in einem Fall, in dem Menschen vor die U-Bahn gestoßen werden. Schnell ist er auf der richtigen Fährte und findet heraus, dass es diesem Killer um Erlösung und Gerechtigkeit geht – er tötet in seinen Augen nur Menschen, die zu sterben verdient haben. Nun bieten diese Handlungsstränge durchaus motivische Anknüpfungspunkte, allerdings gehen Regisseur Olli Saarela und Drehbuchautor Leo Viiret den einfachen Weg, bei dem Elisa das Interesse des Serienkillers erweckt. Anfangs etwas weit hergeholt, aber wenigstens aufgrund ihrer Hinwendung zur Religion noch stimmig, verliert dieser Handlungsstrang gegen Ende nicht nur jegliche Logik, sondern dient lediglich kalkulierten Schockeffekten durch Gewaltexzesse. Dabei wird zudem die Gelegenheit verpasst, den Killer differenzierter, also nicht nur als bloßen sadistischen Psychopathen zu charakterisieren. Noch dazu wird Pauline indirekt in die Handlung verwickelt, so dass hier noch mehr Glaubwürdigkeit verspielt wird.

Immerhin ist dieser zweite Teil des Films etwas spannender, dennoch fehlt Priest of Evil vor allem Konsistenz, wodurch er weder als Drama noch als Thriller überzeugt.

Priest of Evil

Allein die Farbgebung verspricht einen atmosphärisch dichten Film: Gedeckte Farben, dunkles Licht und ein schwarz gekleideter Polizist, der im düsteren Finnland eine Treppe hochjagt. Er dringt in eine Wohnung ein, entdeckt die verweste Leiche einer alten Frau und wenig später den dicklichen Sohn, der verzweifelt fragt, ob er Mutter gefunden habe, – und den der gute Cop vor dem Selbstmord rettet.
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