Lichter der Vorstadt

Lichter der Vorstadt

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Bonjour Tristesse

In Lichter der Vorstadt kommt viel Trauriges zusammen: das einsame Leben in einer Großstadt, der Verrat eines geliebten Menschens, der Verlust der sozialen Existenz. Doch kein anderer wüsste diese Traurigkeit schöner zu inszenieren als der finnische Regisseur Aki Kaurismäki. Mit seinem neuen Drama Lichter der Vorstadt / Laitakaupungin Valot hat Kaurismäki seine „Trilogie der Verlierer“ beendet, die anfing mit dem Verlust der Arbeit in Wolken ziehen vorüber und weiterging mit Gedächtnisverlust in Der Mann ohne Vergangenheit. Jetzt trifft es den bescheidenen Helden namens Koistinen, dem sein trostloses Dasein wie ein Teppich unter den Füßen weggezogen wird.
Koistinen (Janne Hyytiäinen) arbeitet als Wachmann in einem Einkaufszentrum am Stadtrand von Helsinki. Mit seinen Mitmenschen spricht er kaum, trostlos ist sein Alltag, karg eingerichtet seine Wohnung. Durchs Leben scheint er sich nur zu quälen, an Zigaretten klammert er sich wie an den einzigen Freund in der Not. Seine Kollegen verachten ihn, Fremden sticheln ihn, an der Bar sitzt er immer allein. In seine Einsamkeit tritt eines Tages Mirja (Maria Järvenhelmi), eine blonde Schönheit, doch ein eiskalter Engel. Vorgetäuscht ist die Liebe, die sie ihm entgegen bringt; an der Nase führt sie ihn herum, im Auftrag einer Gangsterbande, die einen Juwelier ausrauben will. Ihr Plan geht auf und Koistinen ins Gefängnis, denn er ist es, den seine Kollegen und die Polizei für den Dieb halten. Das war’s mit der Liebe, dem Job und der Freiheit – und statt zu rebellieren, seine Unschuld zu beweisen, gegen das Unrecht zu kämpfen, nimmt Koistinen sein Schicksal stoisch und schweigend hin.

Mit Koistinen möchte wohl niemand tauschen. Auch als er seine „Strafe“ abgesessen hat, meint es das Schicksal nicht gut mit ihm. Der Terror seiner Mitmenschen geht weiter, zu schwach ist er, um sich an seinen Gegnern zu rächen. Doch die Lichter der Vorstadt würden nicht brennen, gäbe es nicht noch einen kleinen Lichtblick am Ende des Films. Als Koistinen schon ganz tief gesunken ist, da erblickt er endlich den wahren Engel, der ihm wieder auf die Beine helfen wird.

Wenn Aki Kaurismäki Verlust und Einsamkeit inszeniert, dann ist kein Gramm Fett zuviel an seinen Filmen: Nur auf das Notwendigste reduziert die Dialoge, das Schauspiel, die Ausstattung und dabei werden Bilder produziert, die so wunderschön sind wie die Gemälde von Edward-Hopper. Gerade mal 80 Minuten sind es, die Kaurismäki von uns für seine Geschichte verlangt. 80 Minuten, in denen jede Einstellung sitzt, jede Dialogzeile passt und in denen wir in ein Bad der Melancholie getaucht werden, das uns so schnell nicht wieder loslässt.

Lichter der Vorstadt

In Lichter der Vorstadt kommt viel Trauriges zusammen: das einsame Leben in einer Großstadt, der Verrat eines geliebten Menschens, der Verlust der sozialen Existenz.
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Meinungen
· 04.03.2007

Auch für Kaurismäki ist dieser Film extrem karg und staubtrocken. Dennoch findet die sorgfältig inszenierte, wertvolle Gleichgültigkeit keine anbindende Entsprechung innerhalb der Geschichte, die deshalb wenig berührt. Vier Sterne nur dieses Mal für den Meister.

amigagti · 01.03.2007

Ein sehr öder und langweiliger Film. Grottenschlecht gemacht! Das wird selbst die "Lindenstrasse" zum echten Thriller!

misc · 27.02.2007

der film ist extrem dröge. die schauspieler sind sehr schlecht. es kommt eigentlich nur rüber das finnland ein total ödes land und die menschen alle extrem langweilig und dumm sind.

· 23.01.2007

Schöne Bilder aber langweilig. Schade

· 17.01.2007

Der Film hat mich nicht bewegt oder unterhalten.
Schön, wenn Leute ihn gut finden, mein Ding wars nicht.

· 14.01.2007

Sehr eindringlich, dieser neue Kaurismäki! Jedes Bild ein Gedicht. Kein Wort zuviel. Ein Kunstwerk!

Aki-Fan · 22.12.2006

Wer sich über Akis Melancholie beschwert, war im falschen Film. Welcher Kaurismäki ist den nicht melancholisch?

Doris · 22.12.2006

Männer sitzen scheinbar immer in einer art gefängnis ich fands langweilig

Klaus · 22.12.2006

Ich bin entäuscht, ist doch immer das selbe und irgend wie scheint mir Herr K. ein Gefangener seiner eigenen Melancholie zu sein. Ein Schutzraum, in dem sich scheinbar auch viele Kriktiker sehr wohlfühlen.

Michael · 21.12.2006

Wíeder ein genialer, echter Kaurismäki. Vielleicht nichts für Leute, die nun Weihnachtssülze brauchen. Mir hat er echt gutgetan.

ecki · 21.12.2006

heute gesehen und kann der hymnischen kritik der SZ nur zustimmen.

Martina Knabe · 20.12.2006

Und eine deutsche Webseite für alle Aki-Kaurismäki Film gibt es nun auch. Danke Pandora.

ecki · 20.12.2006

ich freu mich schon auf den neuen kaurismäki. aber noch mehr freu ich mich, dass es nun endlich alle kaurismäki-filme auf dvd gibt. hab alle boxen gekauft und werde sie mir über weihnachten reinziehn. ein echtes kaurismäki-fest.

· 13.12.2006

Dann warst du im falschen Film. Endlich wieder ein echter Kaurismäki. Einfach, simpel und genial

Söhnke · 11.12.2006

gähn...ich hab' mich schon mal besser gelangweilt

Kommentare

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