Grandma Lo-Fi

Grandma Lo-Fi

Eine Filmkritik von Jennifer Borrmann

Es ist niemals zu spät

„So, what am I?“ Diese Frage stellt sich die Isländerin Sigríður Níelsdóttir, sehr bescheiden und stets gut gelaunt, zu Beginn des Films. Sie sei halb deutsch, halb dänisch und auch ein kleines Stückchen ihrer Seele verweile noch in Brasilien, wo sie acht Jahre lang lebte. Die Antwort folgt durch die von ihr komponierte Musik und die wunderbar miteinander montierten Filmaufnahmen der drei Regisseure und Níelsdóttirs eigenen Bildcollagen.
Erst im Alter von 70 Jahren begann sie Lieder zu komponieren. Anfangs für die Familie, später für Freunde und irgendwie, so erzählt sie, war so viel Musik in ihr, die einfach raus wollte. Im Jahr 2000 fing sie mit etwas über 200 Melodien an und nur sieben Jahre später hatte sie 59 CDs zusammengestellt und über 600 Lieder komponiert. Zahlreiche isländische Musiker, von Kira Kira über múm bis Slowblow, verehren die heimliche Queen immer populärer werdenden isländischen Independent Musikszene für ihre einfachen, aber doch ungewöhnlichen Mittel, sich musikalisch auszudrücken. Ihre Lieder klingen durch die elektronischen Samples, als kämen sie aus einer anderen Welt. Gleichzeitig sind es Küchenutensilien, Wasserfallimitationen aus dem Waschbecken und einfaches Pfeifen, die die Musik wieder sehr real machen. Programmierte Keyboard-Sounds und -Rhythmen – von Tango bis Paso Doble – bringt Níelsdóttir in Kombination mit ihren eigenen, oft kindlichen Melodien zum Erwachen. Und wenn sie in ihrem Kellerapartment das gehäkelte Deckchen vorsichtig und sachte von ihrem Keyboard nimmt und langsam zu spielen beginnt, spürt man die Intimität, die sie mit ihrer Musik verbindet. Sie hat sich nie getraut, ihre Lieder in der Öffentlichkeit zu spielen. Das haben dann 2003 Kira Kira und weitere Musiker übernommen, als sie die Songs als Stórsveit Sigrídar Níelsdóttur live interpretierten.

Das Besondere des Films ist die (audio)visuelle Umsetzung der künstlerischen Arbeit Níelsdóttirs auf Filmmaterial. Verschiedene Aufnahmen von Super 8- und 16mm-Film, Comicbilder und Soundeffekte werden zusammengewürfelt, nach Stummfilmart mit Zwischentiteln getaktet oder durch kurze biographische Songs von bekannten isländischen Musikern in Kapitel eingeteilt. Auf diese Weise entstand eine biographische Collage, die nicht nur die eigenwillige Musik, sondern auch ihre Bildcollagen – die sie in Ausstellungen verkaufte – verarbeitet. Die Tonquellen werden immer wieder durch Stop Motion-Technik in Szene gesetzt: Ob nun Melodicas über den Boden wandern oder Zeichentrickvögel durch das Zimmer fliegen. Man wähnt sich als Zuschauer in einem musikalischen Zauberland.

Die Regie dieses leisen und liebevollen Dokumentarfilms übernahmen gleich mehrere Künstler: Kira Kira alias Kristín Björk Kristjánsdóttir, Gründungsmitglied des isländischen Musiklabels Kitchen Motors und Komponistin, der Photograph und Musiker Orri Jónsson und die Videokünstlerin und Musikerin Ingibjörg Birgisdóttir. Grandma Lo-Fi. The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir ist ihr gemeinsamer Debütfilm, an dem sie über acht Jahre gefilmt, gesichtet, geschnitten und montiert hatten. Eine wunderbare Hommage an eine außergewöhnliche Künstlerin als Antwort auf die Eingangs gestellte Frage.

Grandma Lo-Fi

So, what am I?“ Diese Frage stellt sich die Isländerin Sigrídur Níelsdóttir, sehr bescheiden und stets gut gelaunt, zu Beginn des Films. Sie sei halb deutsch, halb dänisch und auch ein kleines Stückchen ihrer Seele verweile noch in Brasilien, wo sie acht Jahre lang lebte. Die Antwort folgt durch die von ihr komponierte Musik und die wunderbar miteinander montierten Filmaufnahmen der drei Regisseure und Níelsdóttirs eigenen Bildcollagen.
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