Grand Piano

Grand Piano

Eine Filmkritik von Martin Beck

Schießen Sie auf den Pianisten

Man kann Elijah Wood kaum vorwerfen, auf Nummer sicher zu gehen. Gerade erst war er der Maniac in dem Maniac-Remake und jetzt steht ein spanischer „high concept“-Thriller an, dessen Regisseur das letzte Mal vor knapp 10 Jahren positiv aufgefallen war – mit dem „high concept“-Thriller The Birthday. Frodo flüchtet nach vorne, weil große Rollen wohl noch einige Jahre am festgemauerten Image scheitern werden.
Das Gute an dieser Situation ist, dass damit mittelgroße europäische Produktionen grünes Licht erhalten, die sonst wohl zwei Nummern kleiner ausgefallen wären – wenn überhaupt. Grand Piano zeigt Wood als Meisterpianist mit Lampenfieber, der bei seinem Comeback-Konzert von einem geheimnisvollen Killer bedroht wird. Sollte er auch nur eine Note falsch spielen, werden sowohl er als auch seine Frau erschossen.

Eugenio Mira, der Regisseur des Films, entleiht seine Grundidee zum Beispiel bei Nicht auflegen! und erzeugt Spannung durch eine sowieso schon aufgeladene Ausgangssituation, die durch die tödliche Bedrohung nochmal weiter angezogen wird. Die von Wood gespielte Figur wird nur in groben Zügen eingeführt, dann geht es auch schon los, bis bereits klar unter 90 Minuten der Vorhang fällt. Inklusive einem schier ewig laufenden Abspann und einer ziemlich abstrusen Auflösung.

Wie schon The Birthday wirkt auch Grand Piano streckenweise gekünstelt, zu forciert. Man wünscht sich, der Film würde etwas mehr Atem besitzen, vor allem am skizzenhaft anmutenden Anfang, und nicht so sehr auf bekannte Genremuster vertrauen. Die Spannung ergibt sich einzig aus der Situation, nicht aus irgendeiner Figurenkonstellation, was vor allem der Beziehung zwischen dem Pianisten und seiner Frau schadet, aber auch der Beziehung zwischen dem Pianisten und dem meistens nur per Stimme zu vernehmenden Killer.

John Cusack spielt diesen Killer, dessen Agenda man besser nicht zu genau hinterfragen sollte, denn dann wird der sowieso schon schwache Showdown noch löchriger. Wenn man einen Film so anlegt wie Grand Piano, muss am Ende einfach ein Knaller kommen, ansonsten steht man mehr im Regen als die Inszenierung es eigentlich verdient hat. Eugenio Mira ist auf jeden Fall ein eleganter Regisseur, mit vielen schönen Kamerafahrten, üppigen Bildern und einem guten Schnittrhythmus. Mehr als einmal weckt der Film Erinnerungen an Dario Argento und speziell –natürlich- Opera.

Grand Piano ist auf keinen Fall ein schlechter Film, doch als wirklich runde Sache kann er auch nicht bezeichnet werden. Am Anfang bräuchte er mehr Zeit und am Ende eine packendere, nicht so formelhafte Auflösung, dann würde der an sich spannende Mittelteil wesentlich mehr ziehen – selbst wenn man kaum eine Minute glauben mag, dass das ganze Setting einen Hauch Realität absondert. Grand Piano ist eine Versuchsanordnung in Sachen „high concept“, und dabei immerhin gut produziert und so kurzweilig, dass die unweigerliche Enttäuschung kein Ärgernis wird. Man möchte mehr von Eugenio Mira sehen, der Mann hat wirklich Talent.

Grand Piano

Man kann Elijah Wood kaum vorwerfen, auf Nummer sicher zu gehen. Gerade erst war er der „Maniac“ in dem „Maniac“-Remake und jetzt steht ein spanischer „high concept“-Thriller an, dessen Regisseur das letzte Mal vor knapp 10 Jahren positiv aufgefallen war – mit dem „high concept“-Thriller „The Birthday“. Frodo flüchtet nach vorne, weil große Rollen wohl noch einige Jahre am festgemauerten Image scheitern werden.
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