Gehetzt

Gehetzt

Eine Filmkritik von Stefan Otto

Auf der Flucht

In der Weimarer Republik war der Großregisseur Fritz Lang ein Halbgott des Kinos. Von den Nationalsozialisten als Propagandist umworben, emigrierte er bereits 1934, nachdem Joseph Goebbels ihm die Leitung der deutschen Filmproduktion angeboten hatte, zuerst nach Frankreich und dann nach Hollywood. Hier drehte er 22 Filme, mehr als vorher in Deutschland. „Fritz Lang gehört zu denjenigen, denen Hollywood ganz vorzüglich bekommen ist“, urteilten Klaus und Erika Mann. „Während er nämlich in Deutschland, wohl auch unter dem Einfluss seiner damaligen Ehefrau, der hochverkitschten Schriftstellerin Thea von Harbou, einer gewissen Neigung zum Leer-Monumentalen, zum Allzu-Prächtigen, Überdimensionalen nicht immer völlig Herr wurde, hat sich in Hollywood eine Entwicklung zum Geistigen hin an ihm vollzogen, die ihn als eine der interessantesten und vielseitigsten Figuren im amerikanischen Film erscheinen lässt.“
Gehetzt (Alternativtitel: Du lebst nur einmal, Original: You only live once) ist Langs zweiter Hollywood-Film. Er erzählt von Eddy Taylor (Henry Fonda), der, aus dem Gefängnis entlassen, endlich ein ruhiges Leben mit seiner geliebten Joan (Sylvia Sidney) beginnen will. Die beiden heiraten und alles scheint sich tatsächlich zum Guten zu entwickeln, bis Eddy von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Der Vorbestrafte wird beschuldigt, an einem Bankraub beteiligt gewesen zu sein.

Gehetzt ist ein kreativer Kompromiss zwischen Expressionismus und reportagehafter Sachlichkeit, ein sichtlich in Kulissen gedrehtes Film-Noir-Kriminaldrama um ein Bonnie & Clyde-Pärchen, eine mehrfach tragische, nicht nur aus heutiger Sicht dick auftragende und überzogen melodramatische Geschichte, in der der junge Henry Fonda als "Knastbruder" bisweilen auftritt wie die Unschuld in Person. Dem klassischen Helden Hollywoods, der sich bewährt und gewinnt, indem er (seine) Konflikte bewältigt, setzt Lang hier wie in seinen anderen amerikanischen Produktionen (z. B. Fury und Woman in the Window) eine eher grüblerische Figur entgegen, die oftmals verwundert vor Situationen steht, in die sie überraschend geraten ist. Fritz Lang: "Irgendetwas kommt in Gang, und niemand kann ihm entrinnen."

Bild und Ton sind gut, doch leider ist die Ausstattung der DVD spartanisch: Gehetzt auf englisch und auf deutsch, die Untertitel nur auf deutsch, und auch die Texttafeln mit Informationen zu Fritz Lang, Henry Fonda und dem Film selbst geben nicht viel her.

Gehetzt

In der Weimarer Republik war der Großregisseur Fritz Lang ein Halbgott des Kinos. Von den Nationalsozialisten als Propagandist umworben, emigrierte er bereits 1934.
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