Gehetzt

Auf der Flucht

Eine Filmkritik von Stefan Otto

Gehetzt (Alternativtitel: Du lebst nur einmal, Original: You only live once) ist Langs zweiter Hollywood-Film. Er erzählt von Eddy Taylor (Henry Fonda), der, aus dem Gefängnis entlassen, endlich ein ruhiges Leben mit seiner geliebten Joan (Sylvia Sidney) beginnen will. Die beiden heiraten und alles scheint sich tatsächlich zum Guten zu entwickeln, bis Eddy von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Der Vorbestrafte wird beschuldigt, an einem Bankraub beteiligt gewesen zu sein.

Gehetzt ist ein kreativer Kompromiss zwischen Expressionismus und reportagehafter Sachlichkeit, ein sichtlich in Kulissen gedrehtes Film-Noir-Kriminaldrama um ein Bonnie & Clyde-Pärchen, eine mehrfach tragische, nicht nur aus heutiger Sicht dick auftragende und überzogen melodramatische Geschichte, in der der junge Henry Fonda als \"Knastbruder\" bisweilen auftritt wie die Unschuld in Person. Dem klassischen Helden Hollywoods, der sich bewährt und gewinnt, indem er (seine) Konflikte bewältigt, setzt Lang hier wie in seinen anderen amerikanischen Produktionen (z. B. Fury und Woman in the Window) eine eher grüblerische Figur entgegen, die oftmals verwundert vor Situationen steht, in die sie überraschend geraten ist. Fritz Lang: \"Irgendetwas kommt in Gang, und niemand kann ihm entrinnen.\"

Bild und Ton sind gut, doch leider ist die Ausstattung der DVD spartanisch: Gehetzt auf englisch und auf deutsch, die Untertitel nur auf deutsch, und auch die Texttafeln mit Informationen zu Fritz Lang, Henry Fonda und dem Film selbst geben nicht viel her.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/gehetzt