Frei nach Plan

Frei nach Plan

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Es bleibt in der Familie

Der deutsche Film und seine Erfolge im Ausland – trotz mancher Erfolge wie dem Gewinn des Oscars für Das Leben der Anderen und andere Preise ist das immer noch eine eher traurige Geschichte. Die goldenen Zeiten des Autorenkinos der siebziger Jahre, das auch und vor allem im Ausland hohes Ansehen genoss, sie sind Schnee von gestern. Umso erfreulicher ist es, dass in den letzten Jahren immer wieder vor allem vermeintlich kleine Filme mit niedrigem Budget international auf Festivals punkten können. Auch Franziska Meletzkys zweiter Film nach Nachbarinnen startet hierzulande mit internationalen Meriten: Auf dem renommierten A-Festival von Shanghai – immerhin eines der größten Festivals der Welt – errang Frei nach Plan gleich zwei Preise: Einen für den besten Film und einen weiteren für Corinna Harfouch, Dagmar Manzel und Kirsten Block als „beste Darstellerin“ (sic!).
Drei ungleiche Schwestern und die Vorbereitungen für ein Familienfest – der Geburtstag der Mutter (Christine Schorn) – das sind die Rahmenfaktoren, innerhalb derer sich der Film abspielt: Nach langer Abwesenheit kehrt Anne (Dagmar Manzel) in ihr Heimatdorf zurück, um gemeinsam mit ihren Schwestern Iris (Corinna Harfouch) und Marianne (Kirsten Block) den Geburtstag von Silvia vorzubereiten und zu begehen. Während Anne in der Fremde ein eher bohèmehaftes Leben als Rocksängerin führt, sind ihre beide Schwestern in ihrer dörflichen Enge auch weit von jeder Form der Selbstverwirklichung entfernt: Die allein stehende Iris wohnt mit der schwierigen und gerne dem Alkohol zusprechenden Mutter zusammen und kümmert sich aufopferungsvoll und genervt zugleich um deren Wohlergehen. Marianne ist ebenfalls nicht aus dem Kaff gekommen, sondern unterrichtet als Lehrerin an der örtlichen Schule und ist mit dem arbeitlosen Martin (Robert Gallinowski) verheiratet. Wie ein Sturmwind bricht die lebenslustige und chaotische Anne über die Festvorbereitungen herein und verursacht jede Menge Verwirrungen, wozu aber auch die anderen Beteiligten und einige unvorhergesehene Ereignisse beitragen.

Das Drama der auseinanderbrechenden Familie gehört ohne Zweifel zu den beliebtesten Topoi der Filmgeschichte. Und je nach Verfassung des jeweiligen Regisseurs und Autors geraten diese Geschichten eher ernsthaft oder komisch. Franziska Meletzky wählt für ihren Film den zweiten Weg und lässt damit eine Menge Potenzial, die ihren Figuren innewohnt, ungenutzt am Wegesrand liegen. Der sorgsam angelegte und bei weitem interessanteste Konflikt von Iris und ihrer Mutter, die brüchige Ehe von Marianne und Martin, das Lotterleben von Anne – dies alles wäre mehr als nur einen Blick wert gewesen. Hier aber dient es vor allem der Befeuerung der Story, die kaum ein Klischee aus ähnlich ausgerichteten Fernsehfilmen auslässt und sich sichtlich bemüht, mangelnde Substanz durch immer unwahrscheinlichere und reichlich bemühte Wendungen und Twists wieder wettzumachen. Das ist teilweise – auch dank der im Rahmen der Möglichkeiten der Geschichte sehr gut agierenden Darstellerinnen – zwar ganz amüsant anzusehen, hinterlässt aber darüber hinaus keinen bleibenden Eindruck außer der Erkenntnis, dass alle Familien irgendwie verkorkst sind. Aber Hand aufs Herz: Haben wir das nicht schon immer gewusst oder zumindest geahnt?

Frei nach Plan

Der deutsche Film und seine Erfolge im Ausland – trotz mancher Erfolge wie dem Gewinn des Oscars für Das Leben der Anderen und andere Preise ist das immer noch eine eher traurige Geschichte.
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Meinungen
Julien · 25.06.2008

Frei nach Plan ist ein toller, realistischer, aber immer mit Humor gepriesener Film, der ein oder besser gesagt mehrere ganz normale Leben beschreibt. Das mag langweilig klingen, macht im Resultat aber einen Unterschied, da es recht selten und ungewöhnlich ist, dass ein solch realistischer Film gedreht wird. Der Humor ist natürlich und herzlich und besonders die sensationelle Corinna Harfouch in der Hauptrolle begeistert die Zuschauer.

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