Eyjafjallajökull

Eyjafjallajökull

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Ein Vulkan verbindet

Wie sehr der Mensch den Naturgewalten ausgeliefert ist, stellte 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull unter Beweis, dessen Aschewolken zu einer empfindlichen Störung des Luftverkehrs führten. Ein einschneidendes wie skurriles Ereignis, das der französische Regisseur und Drehbuchautor Alexandre Coffre (Une pure affaire) zum Anlass nimmt, um von einem verfeindeten Ex-Paar zu erzählen, das sich widerwillig auf einen Roadtrip quer durch Europa begibt. Auch wenn Frankreichs Komikstar Dany Boon mit von der Partie ist und der Film über ein beachtliches Budget verfügt (mehr als 20 Millionen Euro), kommt erschreckend selten Freude auf.
Ihre Scheidung liegt mehr als 20 Jahre zurück. Und doch sind sich Alain (Dany Boon) und Valérie (Valérie Bonneton) nach wie vor spinnefeind. Das zeigt sich einmal mehr, als die beiden im selben Flieger nach Griechenland sitzen, wo ihre gemeinsame Tochter Cécile (Bérangère McNeese) in Kürze heiraten wird. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull verkompliziert die angespannte Lage, da ihre Maschine plötzlich in München landen muss und vorerst nicht weiterfliegen darf. Mit etwas Glück gelingt es Alain am Flughafen, den letzten verfügbaren Mietwagen zu ergattern, der ihn so schnell wie möglich Richtung Süden bringen soll. Valérie erwischt ihren Ex-Mann beim Einladen der Koffer und nimmt kurzerhand neben ihm Platz. Der Beginn einer turbulenten Reise, in deren Verlauf sich die früheren Eheleute gegenseitig auszustechen versuchen.

Bereits die albernen Kabbeleien im Flugzeug verpassen der Hoffnung auf eine gewitzte Komödie einen herben Dämpfer. Billiger Klamauk ist von Anfang fester Bestandteil des Konzepts, wie auch am Schalter der Autovermietung deutlich wird. Denn um einen Wagen zu bekommen, verfällt Alain in einen gespielten Heulkrampf, der nicht komisch, sondern peinlich wirkt. Immer wieder greifen Coffre und seine Co-Autoren auf abgedroschene Klischees zurück (Beispiel: Ein-Meter-Würste, die man an deutschen Raststätten kaufen kann) und kreieren Streitsituationen, die allenfalls zum Schmunzeln taugen. Das Bemühen um möglichst abgedrehte Wendungen ist erkennbar, verliert sich aber allzu häufig in Beliebigkeit. Überdeutlich etwa in der Sequenz, in der Alain und Valérie an einen sonderbaren Ex-Häftling geraten, der seinen Glauben entdeckt hat und mit einem zum Jesus-Mobil umfunktionierten Wohnwagen durch die Lande zieht.

Dummerweise bleiben nicht nur die großen Lacher aus. Auch auf emotionaler Ebene hapert es gewaltig. Da die Hauptfiguren bloße Abziehbilder sind, will sich ein ernsthaftes Interesse an ihren Motivationen erst gar nicht einstellen. Gleiches gilt für die unvermeidliche Annäherung, die zudem am wenig überzeugenden Zusammenspiel der Darsteller krankt.

Erfreuen kann man sich alleine an schönen Landschaftsaufnahmen (Kamera: Pierre Cottereau) und versiert inszenierten Actionszenen, die einen beträchtlichen Teil des Budgets verschlungen haben dürften. Mehrmals zerlegen Alain und Valérie ein Fortbewegungsmittel in seine Einzelteile und müssen daher auf andere Fahrzeuge umsteigen. Beeindruckend ist sicherlich auch der logistische Aufwand der Produktion, für die das Team, wie Coffre im Presseheft betont, 24 Schauplätze an 25 Drehtagen abklappern musste. Ein organisatorischer Spießroutenlauf, der allerdings nicht als Entschuldigung für ein schwaches Drehbuch herhalten kann.

Eyjafjallajökull

Wie sehr der Mensch den Naturgewalten ausgeliefert ist, stellte 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull unter Beweis, dessen Aschewolken zu einer empfindlichen Störung des Luftverkehrs führten. Ein einschneidendes wie skurriles Ereignis, das der französische Regisseur und Drehbuchautor Alexandre Coffre ("Une pure affaire") zum Anlass nimmt, um von einem verfeindeten Ex-Paar zu erzählen, das sich widerwillig auf einen Roadtrip quer durch Europa begibt.
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