Ein Freund von mir

Ein Freund von mir

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Gut Ding will Weile haben

Manche Dinge brauchen eben etwas länger. Im Fall von Sebastian Schipper waren es genau acht Jahre, die er sich Zeit nahm, um nach seinem Regie-Debüt Absolute Giganten seinen zweiten Film zu realisieren. Dies lag allerdings nicht daran, dass Schipper keine Idee für den Nachfolger seines viel beachteten Debüts gehabt hätte – im Gegenteil. Die Idee zu Ein Freund von mir existierte auf dem Papier bereits vor Absolute Giganten, doch es zeichnete sich schnell ab, dass der Film für ein Debüt wohl zu aufwendig geraten würde. Also wurde das Projekt zuerst einmal hintan gestellt und landete erst im Jahr 2002 auf dem Schreibtisch von Maria Köpf und Tom Tykwer bei X-Film Creative Pool, die bereits Schippers Erstling produziert hatten. Im Jahr 2004 war der Stoff dann nach weiteren Drehbuchfassungen endlich drehbereit. Und zugleich gelang es, zwei der profiliertesten deutschen Schauspieler zum ersten Mal gemeinsam vor die Kamera zu holen – Daniel Brühl und Jürgen Vogel, die als ungleiches Freundespaar auftreten und sich schließlich in die gleiche Frau verlieben.
Karl (Daniel Brühl) ist ein echtes Mathematik-Genie und arbeitet bei einer großen Versicherungsgesellschaft. Doch so genial der zurückhaltende Angestellte auch mit Zahlen umgehen kann, so unfähig ist er im Umgang mit Menschen. Um den Untergebenen aus der Reserve zu locken, verdonnert sein Chef Naumann (Michael Wittenborn) ihn dazu, mal die andere Seite des Versicherungsgeschäfts kennen zu lernen. Als Aushilfsfahrer bei einer Autovermietung soll Karl undercover die Geschäftsabläufe prüfen und feststellen, ob das Unternehmen versicherungswürdig ist. Für Karl ist dies zunächst ein Job wie jeder andere, doch das wird sich schnell ändern.

Das liegt vor allem an Hans (Jürgen Vogel), seinem neuen Kollegen, der in beinahe jeder Hinsicht das genaue Gegenteil von Karl ist – ständig gut gelaunt, risikobereit und voller verrückter Ideen. Im Handumdrehen nimmt Hans den Neuen unter seine Fittiche und gibt ihm einen Crash-Kurs in Sachen Lebensfreude. Und tatsächlich entdeckt Karl schnell die schönen Seiten des Lebens, was aber nicht nur an Hans und seinen Ideen liegt, sondern vor allem an Stelle (Sabine Timoteo), der Freundin von Hans, in die sich der schüchterne Versicherungsangestellte Hals über Kopf verliebt. Als er schließlich in sein altes, normales Leben zurückkehrt, merkt Karl alsbald, dass nun nichts mehr so ist, wie es vorher war…

Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und eine Frau – mehr Personal benötigt Sebastian Schipper nicht, um einen Film auf die Leinwand zu zaubern, der Spaß macht und gehörig Gas gibt. Die Energiegeladenheit, die Ein Freund von mir ausstrahlt, liegt vor allem an Jürgen Vogels gewohnt kraftvoller Performance und dem treibenden Score der britischen Techno-Frickler von Gravenhurst. Fein ausbalanciert durch einen souverän und reduziert agierenden Daniel Brühl und eine entzückende Sabine Timoteo, die sonst eher auf „schwerere“ Rollen abonniert ist, entsteht so eine Melange aus Komödiantischem und Ernsthaftigkeit, wie man sie in dieser Güterklasse selten im deutschen Film findet. Wieder einmal erweist sich Sebastian Schipper als ein äußerst begabter Filmemacher, der es wie kaum ein zweiter versteht, Freud und Leid von Männerfreundschaften einzufangen, ohne dabei die gerne bedienten Klischeepfade zu betreten. Und so bringt Ein Freund von mir nicht nur sehenswertes frisches, deutsches Kino abseits von Berliner Schule und den üblichen Komödienulkereien auf die Leinwand, sondern beantwortet nebenbei auch sehr charmant die Frage, welches Auto genauso schnell rückwärts wie vorwärts fahren kann.

Ein Freund von mir

Manche Dinge brauchen eben etwas länger. Im Fall von Sebastian Schipper waren es genau acht Jahre, die er sich Zeit nahm, um nach seinem Regie-Debüt Absolute Giganten seinen zweiten Film zu realisieren.
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Meinungen
Marko · 25.11.2006

Schön anzuschauen, das stimmt schon...

Hat man allerdings die Trailer zum Film gesehen, sind die besten Szenen schon so gut wie alle verraten...
(Das ist schade!)

Ein Freund des europäischen Films · 20.11.2006

Wahrscheinlich könnten Brühl und Vogel (spielt der eigentlich irgendwo gerade NICHT mit?) noch ein bisschen besser. Aber dennoch ist dieser Film absolut sehenswert und regt zum Nachdenken über das Leben, den Beruf und das Glücklichsein an.

Gast · 10.11.2006

einfach schön, anschauen und geniessen..........

Kommentare

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