East Is East

East Is East

Und Salford bleibt Salford

Im Jahre 1971 ist Salford in der Nähe Manchesters nicht unbedingt einer der attraktivsten Orte in Großbritannien. Die Industriestadt hat schon bessere Zeiten gesehen und in den kleinen Backsteinhäuschen, die in Reih und Glied die Straßen säumen, hat die Moderne noch nicht vollständig Einzug gehalten: Außenklos und Nachttöpfe sind hier immer noch die Regel. Doch für den pakistanischen Auswanderer George Khan (Om Puri) scheint die Welt vollkommen in Ordnung. Seit mehr als 30 Jahren lebt er in dem nordenglischen Ort und hat es mit einem Fish & Chips Laden zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Sein ganzer Stolz ist jedoch seine Familie, angeführt von seiner englischen Ehefrau Ella (Linda Basset), die ihm sechs Söhne und eine Tochter geschenkt hat. Doch schon bald wird Georges heile Welt die ersten Risse zeigen. Denn der Familienvater ist zwar gut in seine britische Nachbarschaft integriert, doch wenn es um seine Kinder geht, beharrt er auf althergebrachten pakistanischen Traditionen. Seine Kinderschar jedoch, in England geboren und aufgewachsen, ist mehr an Deep Purple und Led Zeppelin interessiert, als an den traditionellen Werten und Gebräuchen eines Landes, das sie nie zu Gesicht bekommen haben.
Der Erste, der Georges Traditionsbewusstsein schmerzhaft zu spüren bekommt, ist sein ältester Sohn Nazir (Ian Aspinall), für den George kurzerhand und ungefragt die Hochzeit arrangiert, so wie es eben in seiner Heimat üblich ist. Doch Nazir denkt nicht daran, die ihm Zugedachte zu ehelichen und flüchtet während der Hochzeit. Fortan erklärt ihn George, erbost über den öffentlichen Gesichtsverlust, für tot. Als George dann auch noch erfahren muss, dass sein jüngster Sohn Sajid (Jordan Routledge) nicht beschnitten ist, ordnet er gegen den Widerstand seiner Frau an, dass der Junge unters Messer kommt. In der Familie beginnt es zu murren, doch George schaltet auf stur und beschwört die Katastrophe herauf, als er für seine Söhne Tariq (Jimi Mistry) und Abdul (Raji James) eine Hochzeit mit dem sicherlich unattraktivsten Schwesternpaar pakistanischer Herkunft Großbritanniens arrangiert.

East Is East bewegt sich deutlich in der Tradition britischer Working Class Comedies im Stile eines Ken Loach oder Mike Leigh, auch wenn das Sujet in diesem Fall quasi eine Immigrantenfamilie ist. Wenn man East Is East etwas vorwerfen könnte, dann die etwas zu idealisierte, harmonische Darstellung des Zusammenlebens verschiedener Ethnien auf engstem Raum. Probleme mit ihrer Hautfarbe haben die Khans in Damien O’Donnells Komödie kaum, bis auf einen bigotten Rentner, der zu den Anhängern Enoch Powells zählt, der zur damaligen Zeit die zwangsweise Repatriierung von Immigranten forderte.

Doch East Is East ist zu liebevoll umgesetzt, um ihm diesen optimistischen Blick auf die britische Arbeiterklasse wirklich übel zu nehmen. Gekonnt und humorvoll inszeniert, sorgt vor allem die Interaktion zwischen den zahlreichen Khan-Sprösslingen zu Beginn des Films für Lacher. Doch mit der zunehmenden Desintegration der Familie, ändert sich auch der Ton des Films. Es sind nicht mehr die leichtfertigen Schlagabtausche, die bestimmend sind. Im Mittelpunkt steht jetzt der Zwiespalt zwischen Liebe, familiärer Loyalität und eigener Selbstbestimmung.

East Is East

Während der fromme Muslim George an seinen pakistanischen Wurzeln festhält, haben seine in England aufgewachsenen Kinder ganz andere Wertvorstellungen. Welten prallen aufeinander, als George seine Söhne nach traditoneller Art verheiraten will.
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