Dr. M schlägt zu (DVD)

Dr. M schlägt zu (DVD)

Eine Filmkritik von Martin Beck

M, wie Mabuse

Nachdem sich der 1964 enstandene Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse als glatter Flop erwies, war die 1960 mit Die 1000 Augen des Dr. Mabuse begonnene Revitalisierung der Dr.-Mabuse-Figur auch schon wieder hinüber – zumindest bis 1972, als Produzent Arthur Brauner einen erneuten Anlauf wagte. Mit Jess Franco als Regisseur. Und einem Drehbuch von Brauner höchstpersönlich, das zunächst den Titel Der Mann, der sich Mabuse nannte trug. Bis es dann Jess Franco einer gründlichen Überarbeitung unterzogen hat.
Was natürlich in krudem Stückwerk endete, das den Namen Mabuse gar nicht mehr erwähnt und stattdessen eher ein Remake von Der schreckliche Dr. Orloff ist – komplett mit Todesstrahlen, Hypnose, einer sinistren Verbrecherorganisation und einem Frankenstein-Monster. Das in etwa so furchteinflößend wirkt wie ein frisch frisierter Pudel. Und eine so dilettantische Maske trägt, als gelte es, Ed Wood wie Orson Welles erscheinen zu lassen. Was soll man sagen: Dr. M schlägt zu ist ein echter Jess-Franco-Film.

Will heißen, das Drehbuch ist völliger Schwachsinn, verfasst im Vollrausch geistiger Zeugungskraft. Die Produktion wirkt wie ein schlampig zusammengenähtes Lumpenknäuel, die Dialoge schwanken zwischen sinnlos und gaga, und die Schauspieler, inklusive übrigens Siegfried „Der Alte“ Lowitz, inszenieren ein bisweilen schmerzhaft anzusehendes Schmierentheater. Auf Jess Franco ist einfach Verlass, und Dr. M schlägt zu ist sogar nochmal einen Zacken schärfer als üblich. Witzlose Parodie oder uninspirierter Messi-Wahn? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beides.

Eigentlich ist es nur mit Todesstrahlen und Hypnose zu erklären, dass Jess Franco so viele Jahre lang so viele Filme raushauen konnte, auch wenn der Kreis der hartnäckigen Verehrer nicht müde wird, haarsträubende Regiefehler und aus drei falsch postierten Stehlampen bestehende Anti-Beleuchtung als ganz eigene, wunderbar wilde Handschrift zu deuten. Bei diesem Mann gibt es nur zwei Möglichkeiten, traumatische Erleuchtung oder indiskutabler Schwachsinn, und wer bei Dr. M schlägt zu vielleicht eine alles erzitternde Trash-Sternstunde wittern möchte, bekommt angesichts der lieblosen bis verpeilten Schlampereien, die hier in einer Tour penetrieren, ganz schnell einen unschönen Gähnschub.

Talentlosigkeit als Markenzeichen – das ist Jess Franco, der zugegebenermaßen auch einige ansehbare Filme auf die Reihe bekommen hat, aber bei Dr. M schlägt zu einfach keinerlei Lust oder Anstrengung erkennen lässt. Eigentlich kann man hier nicht einmal die Unterhaltungs-Karte zücken, weil schnödes Unvermögen aus jeder Pore dringt, doch natürlich, genau das lässt die Bahnhofskino-Jünger Witterung aufnehmen. Nach seiner Premiere in Berlin fand der Film komischerweise keinen deutschen Verleih, so dass die DVD von Pidax tatsächlich die erste deutsche Veröffentlichung darstellt. Die Bild- und Tonqualität gestaltet sich eher rumpelig, aber nochmal natürlich, das ist lediglich eine stimmige Antwort auf die hier knospenden filmischen Freuden. Dr. M schlägt zu krümmt sich als muffiges Kleinstod europäischer Trashkunst – was selbst für passionierte Müllmänner als Warnung zu verstehen ist.

Dr. M schlägt zu (DVD)

Nachdem sich der 1964 enstandene „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ als glatter Flop erwies, war die 1960 mit“ Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ begonnene Revitalisierung der Dr. Mabuse-Figur auch schon wieder hinüber – zumindest bis 1972, als Produzent Arthur Brauner einen erneuten Anlauf wagte. Mit Jess Franco als Regisseur. Und einem Drehbuch von Brauner höchstpersönlich, das zunächst den Titel „Der Mann, der sich Mabuse“ nannte trug. Bis es dann Jess Franco einer gründlichen Überarbeitung unterzogen hat.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare