Diese Liebe

Diese Liebe

Die große Moreau und die große Duras

Caroline Champetiers Kamera verfolgt 100 Minuten lang Jeanne Moreau und Aymeric Demarigny in ihrem Spiel der Schriftstellerin Marguerite Duras (1914-1996) und ihres wesentlich jüngeren Freundes Yann Andréa, unterbrochen nur von den warmen Bildern des sommerlichen Meeres, Himmels, der Landschaft und den Häusern des nordfranzösischen Nobel-Badeortes Trouville, in dem beide 16 Jahre lang (zwischen 1980 und dem Tod der Duras am 3.3.1996) gemeinsam ihr Leben verbrachten. Die französische Regisseurin Josée Dayan fokussiert das recht eigentümliche Verhältnis dieser beiden.
Literaturverfilmungen gleich Langeweile? Auf keinen Fall: Fünf Jahre lang schrieb er ihr, fünf Briefe die Woche. Dann hörte der Student auf, sich ihr, der Schriftstellerin, mitzuteilen. Marguerite Duras (Jeanne Moreau) ruft Yann Lemée (Aymeric Demarigny) an und bittet ihn um ein Treffen. Die letzten sechs Lebensjahre bleiben sie zusammen, bis Marguerite 1996 stirbt. Er begleitet sie als Laufbub ihrer Alkoholexzesse, erduldet ihre Eruptionen sowie unzählige Krisen einer exaltierten Selbsteinschätzung.

Er schreibt auf, was sie ihm diktiert, und vielleicht folgte Yann nur dem Geheiß der Gebieterin, wenn er nach ihrem Tod diese letzten sechs Lebensjahre, die Zeit der Intimität mit der um 30 Jahre älteren Grande Dame der französischen Literatur, niederzuschreibt. „Du mußt ein Buch schreiben. — Ich werde der Gegenstand deines Buches sein.2, heißt es bedeutungsschwanger an einer Stelle: „Mit Voyeurismus hat das Ganze überhaupt nichts zu tun, und die Inszenierung, von Josée Dayan, in enger Absprache mit Jeanne Moreau, ist nicht auf gehemmte Intimität aus, sondern auf gesundes Melodram, manchmal opern-, manchmal operettenhaft. (…) Es geht um die Einsamkeit des modernen Menschen, die geprägt ist von der Krankheit des Todes, eine Einsamkeit, die lebensnotwendig ist und immer selbst fabriziert.“, lobte die Süddeutsche Zeitung dieses ungewöhnliche Film-Lesebuch.

Diese Liebe bringt die sonst so klischeebefrachtete Schnittmenge zwischen Literatur und Leben arg in die Bredouille: Ein Schriftstellerfilm, der sich Schriftstellersätze aus dem Off leisten kann, ohne sich selbst hohe Literarizität anzumaßen. Weder Biopic noch vermessene „Ver“filmung, stützt er sich natürlich trotzdem in hohem Maß auf Biographisches. Die 78jährige Moreau war eine enge Freundin von Duras. Aber der Film lebt eben nicht nur davon. Er zehrt nicht von der literarischen Güte, sondern bannt durch filmische Präsenz. Durch das bekannte energische Spiel von Moreau, die stets neu kreiert, wo alle anderen imitierend die weiße Flagge hissen würden….

(Jean Lüdeke)

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Caroline Champetiers Kamera verfolgt 100 Minuten lang Jeanne Moreau und Aymeric Demarigny in ihrem Spiel der Schriftstellerin Marguerite Duras (1914-1996) und ihres wesentlich jüngeren Freundes Yann Andréa.
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