Die Außenseiterbande

Die Außenseiterbande

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Mittwoch, 20. Juni 2012, Hessischer Rundfunk, 00:05 Uhr

Innerhalb seines umfangreichen Werkes von aktuell annähernd einhundert Filmen versammelt der französische Filmemacher Jean-Luc Godard so manche kleine Kostbarkeit, die mit spielerischer Leichtigkeit von seiner Gabe für satirischen Meta-Cineasmus zeugt. Die Außenseiterbande aus dem Jahre 1964 ist ein Paradebeispiel für eine derart lebhafte Inszenierung, die sich selbst ironisch kommentiert sowie durch unvermittelte akustische und optische Interpunktionen Brüche und Sprünge im Erzählfluss installiert. Im Zuge dieser unorthodox-schelmischen Manier entwickelt sich die atmosphärisch dichte Dynamik nach dem schlichten Stoff des Romans Fool’s Gold von Dolores Hitchens als großartige kleine Gangster-Geschichte mit charmanten Details, deren kaltschnäuzige Räudigkeit gewaltiges Vergnügen bereitet.
In einem Englischkurs lernt die junge Dänin Odile (Anna Karina), die als Hausmädchen bei betuchten Herrschaften in Paris arbeitet, den versponnenen Franz (Sami Frey) und bald darauf auch seinen Freund Arthur (Claude Brasseur) kennen. Dass die ungezähmte Odile den beiden jungen Männern gleichermaßen gefällt, die in den nächsten Tagen durch markante Orte der Stadt mit ihr vagabundieren, ist offensichtlich. Dennoch hat das Interesse von Franz und Arthur, die nur allzu gern in Codes von US-amerikanischen Gangsterfilmen miteinander verfallen, noch einen ganz anderen Grund: Unbedarft hat Odile Franz von einer großen Barschaft erzählt, die sich leicht zugängig im Hause ihrer Arbeitgeberin Madame Victoria (Louisa Colpeyn) befindet – eine verlockende Information, für die sich auch Arthurs halbseidener Onkel (Ernest Menzer) heftig interessiert ...

Dass der berühmt-berüchtigte US-amerikanische Filmschaffende Quentin Tarantino und sein Partner, der Filmproduzent Lawrence Bender, offensichtlich mächtiges Gefallen an diesem famosen Film gefunden haben, illustriert der Name ihrer 1995 gegründeten Produktionsfirma A Band Apart, der auf dessen französischen Titel Bande à part referiert. In der Tat stellt Die Außenseiterbande einen ganz bezaubernden Film dar, dessen rasante Twists and Turns flankiert von pfiffigen Ideen formaler wie inhaltlicher Art eine mitreißende Freude an der Inszenierung repräsentieren, wie sie Jean-Luc Godard und sein Kameramann Raoul Coutard gemeinsam in zahlreichen Werken etabliert haben. Das ist wunderbar leichtgängiges französisches Kino in Schwarzweiß, dessen krude Faszination auch nach beinahe fünfzig Jahren noch zu verführen vermag.

Die Außenseiterbande

Innerhalb seines umfangreichen Werkes von aktuell annähernd einhundert Filmen versammelt der französische Filmemacher Jean-Luc Godard so manche kleine Kostbarkeit, die mit spielerischer Leichtigkeit von seiner Gabe für satirischen Meta-Cineasmus zeugt.
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