Das große Rennen von Belleville

Das große Rennen von Belleville

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Bislang galt Europa – mal abgesehen von der traditionellen Stärke Tschechiens und Polens – nicht gerade als Heimstatt des Animationsfilms. Zu dominant waren die überseeischen Produzenten wie Disney, Pixar und Dreamworks oder die fernöstlichen Studios.
Doch das „alte Europa“ holt auf und ist mittlerweile sehr wohl in der Lage, abseits der millionenschweren Budgets der Konkurrenz sehenswerte Abend füllende Animationsfilme zu produzieren, die sich an den Kinokassen behaupten können. Jüngstes Beispiel hierfür ist der Animationsfilm Das große Rennen von Belleville des in Kanada lebenden Franzosen Sylvain Chomet, der 2004 in den Kinos zu sehen war und der nun im Rahmen einer kleinen Filmereihe mit Animationsfilmen für Erwachsene auf 3sat zu sehen ist..

Mit Witz, Esprit und im Stile klassischer Cartoons und Comics aus den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern erzählt Chomet die Geschichte von Champion, einem kleinen dicken Jungen, der von seiner klumpfüßigen Großmutter Madame Souza aufgezogen wird. Nirgends ist Champion – der Name deutet bereits seine typisch französische Leidenschaft an – so glücklich wie auf seinem Fahrrad. Also initiiert Madame Souza ein eisenhartes Training für ihren Enkel, in dessen Verlauf sich der Pummel zu einem zähen und sehnigen Radprofi mit überdimensionierter Beinmuskulatur mausert. Als er nach Jahren der Entbehrungen endlich an der Tour de France teilnehmen kann, durchkreuzen Finstermänner seine Ambitionen. Während des Rennens wird Champion zusammen mit anderen Radsportprofis entführt und im Bauch eines Ozeanriesen nach Belleville verfrachtet. Dort sollen die Helden der Landtsraße zum Privatvergnügen wettsüchtiger Mafiabosse in die Pedale treten.

Doch die Gangster haben die Rechnung ohne Madame Souza und ihren treuen Hund Bruno gemacht, die schnurstracks die Verfolgung mittels Tretboot und Spürnase aufnehmen. Mit Hilfe der abgewrackten Revuesängerinnen „Les Triplettes de Belleville“ gelingt es der resoluten Großmutter schließlich, ihren Enkel und die anderen Sportler aus den Händen der Schurken zu befreien.

Mit ungeheurem Detailreichtum und viel Liebe zu alten Comics und dem skurrilen Witz europäischer Komiker wie Jacques Tati ist Das große Rennen von Belleville eine wundervolle, sepiafarbene Hommage an selige untergegangene Kinozeiten, die zudem ohne Dialoge auskommt und allein auf die mitunter kantige Ausdruckskraft ihrer Figuren vertraut. Eine gelungene, sehenswerte und sehr europäische Alternative zum glatten und cleanen Animationskino aus den USA.

Das große Rennen von Belleville

Bislang galt Europa – mal abgesehen von der traditionellen Stärke Tschechiens und Polens – nicht gerade als Heimstatt des Animationsfilms. Zu dominant waren die überseeischen Produzenten wie Disney, Pixar und Dreamworks oder die fernöstlichen Studios.
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Meinungen
Barbara · 31.07.2007

sooo schön, sooo lieb, sooo echt, nicht aus dieser Zeit

Kommentare

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