Dancing with Myself

Dancing with Myself

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Leben ist ein Tanz – aber kein leichter!

Immer wieder zieht es die beiden Berliner Regisseurinnen Antje Kruska und Judith Keil, die sich in einem Praxis Seminar des Filmemachers Andres Veiel (Blackbox BRD, Die Spielwütigen) kennen gelernt haben, zu ganz besonderen Themen hin. In ihren bisherigen drei gemeinsamen Filmen zeichnen sich hinter den ganzen normalen alltäglichen Verrichtungen die großen menschlichen Lebensdramen ab, allerdings stets abgemildert durch die Art der Erzählung und die liebevolle Inszenierung der Filmemacherinnen. Waren es in dem Film Der Glanz von Berlin noch die Putzfrauen, deren großen Träumen und kleinen Hoffnungen nachgespürt wurde, so verbindet die Protagonisten im neuen Film der beiden Filmemacherinnen Dancing with Myself eine andere Gemeinsamkeit – die Freude am Tanzen.

Reinhard (63), Mario (36) und Laurin (18) sind die drei Hauptfiguren von Dancing with Myself, und neben der Leidenschaft für den Tanz verbindet die drei noch etwas miteinander – irgendwie haben alle drei Probleme mit dem Leben. Und für alle ist der Tanz – so unterschiedlich er auch sein mag – auch eine Art Therapie, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen, sie sich vom Leib zu halten und sich frei zu tanzen. Reinhard Borutta beispielsweise leidet seit Jahren unter massiven Schlafstörungen, die ihm beinahe jegliche Energie und Lebenskraft rauben. Gerne wäre er so wie sein großes Vorbild Alexis Sorbas, der selbst in den schwierigsten Momenten die Sorge und Nöte einfach beiseite schiebt und einen Sirtaki auf die Bretter legt, der vor Lebensbejahung nur so sprüht. Doch leider ist die Leidenschaft für den griechischen Tanz die einzige Verbindung zu dem großen Griechen, und je länger der Film andauert, umso klarer wird, dass Reinhards Probleme vor allem in seiner Psyche liegen.

Mario Sönkes Welt hingegen ist die der normalen Diskotheken, in denen er sich seinen Lebensfrust aus der Seele tanzt. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, ein realer Nachfolger Tony Maneros aus Saturday Night Fever, allerdings ohne dessen Glamour-Faktor. Der gelernte Schlosser hält sich mühsam mit Aushilfsjobs über Wasser, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und darf seine beiden Kinder nicht mehr sehen. Laurin schließlich, gerade 18 Jahre alt, benutzt die Tanzfläche als ihr Podium. Hier, in den angesagten Clubs, findet sie die Bühne für ihre aufwändigen Kostüme und Maskeraden, hier ist sie die „Königin der Nacht“. Doch die Selbstdarstellung und Selbstbestätigung hat ihren Preis: Je mehr die Schülerin die Nacht zum Tage macht, desto mehr sinken die schulischen Leistungen.

So ernüchternd der Blick auf die Einzelschicksale auch sein mag, stets lassen Judith Keil und Antje Kruska bei aller Distanz zu den Porträtierten auch eine Art filmischer Milde walten, stellen ihre Protagonisten mit ihren Träumen, Hoffnungen und menschlichen Schwächen niemals bloß, sondern zeigen stattdessen in bewährter Weise deren Schicksale mittels der beinahe poetischen Metapher des Tanzes. Der Blick und die Haltung erinnert an einigen Stellen beinahe an einen Spielfilm von Andreas Dresen, und so halten sich auch hier gelegentliches Schmunzeln und Betroffenheit die Waage.
 

Dancing with Myself

Immer wieder zieht es die beiden Berliner Regisseurinnen Antje Kruska und Judith Keil, die sich in einem Praxis Seminar des Filmemachers Andres Veiel kennen gelernt haben, zu ganz besonderen Themen hin.

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Meinungen
· 22.12.2007

war so selten betroffen

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