Candy

Candy

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Vertreibung aus dem Paradies der Liebe

Am Anfang steht die Liebe: Dan (Heath Ledger) ist Dichter und Schriftsteller, der sich unsterblich in die engelsgleiche Candy (Abbie Cornish), ein Mädchen aus bestem Haus verliebt. Als Candy schließlich Dans Bemühungen um ihre Gunst erhört, wähnt sich der junge Mann am Ziel seiner Träume. Doch Dan hat noch eine weitere verhängnisvolle Leidenschaft – Heroin. Die Droge hilft ihm dabei – so meint er zumindest – seine Phantasien und seine Kreativität zu verstärken, sich besser auszudrücken, kurzum: mehr er selbst zu sein. Durch Dan gerät Candy zum ersten Mal mit Heroin in Kontakt, und was der junge Schriftsteller bislang allein betrieb, wird nun zur gemeinsamen Passion. Von nun an gibt es kein Halten mehr, denn einmal gefallen, ist die Versuchung groß, den erlebten Zustand weiter zu steigern, die Intensität ihrer Zweisamkeit immer weiter voranzutreiben und auf ungeahnte Höhenflüge zu katapultieren. Außerdem sieht Candy darin eine Chance, Dan noch näher zu sein, sein Denken, Fühlen und Handeln noch besser zu verstehen. Doch jedem neuen Höhepunkt folgt – den Gesetzen einer Drogenkarriere folgend – ein jäher Absturz. Dan und Candy sind allerdings fest davon überzeugt, den Ausstieg aus dem sich abzeichnenden Teufelskreis schaffen zu können – und rutschen immer tiefer hinein. Um sich ihrer selbst zu versichern, beschließen die beiden zu heiraten und erleben den angeblich schönsten Tag im Leben im Drogenrausch wie hinter einer Glaswand. Dans Eltern haben sich längst von ihrem Sohn losgesagt, und als auch Candy widerfährt nun dasselbe. Einzig Caspar (Geoffrey Rush), ein ebenfalls drogenabhängiger Universitätsprofessor und so etwas wie Dans spiritus rector, lässt die beiden nicht fallen, sondern gewährt ihnen Unterschlupf und Fürsorge. Doch auch Caspar, der immerhin noch einigermaßen nach außen hin funktioniert, kann nicht verhindern, dass Dan und Candy immer mehr auf die schiefe Bahn geraten und Candy sich schließlich sogar prostituiert, um die Drogen zu finanzieren – mit Dans Einverständnis. Langsam zerbricht die Liebe, die anfangs so stark und durch nichts zu erschüttern schien, doch als Candy schwanger wird, beschließen die beiden den Ausstieg zu wagen…
Um es gleich vorwegzunehmen: Candy ist nicht einfach nur ein weiterer Film über die zerstörerische Macht der Drogen, vielmehr wählen der Regisseur Neil Armfield und sein Autor Luke Davies, von dem auch die Romanvorlage zum Film stammt, einen anderen Schwerpunkt: Wird in anderen Filmen mit einer ähnlichen Thematik wie etwa Requiem for a Dream nebenbei eine Liebesgeschichte erzählt, ist Candy zuallererst ein Liebesfilm, der von den Bedingungen einer Romanze unter dem Zeichen der Drogen berichtet. Insofern ist es kein Wunder, dass Candy trotz aller Härten milder ausfällt und neben der Hoffnungslosigkeit immer wieder Hoffnungsschimmer und Glücksmomente einstreut, die den Zuschauer ebenso wie das junge Paar wieder veranlassen, noch ein Stückchen weiter durchzuhalten. Regisseur Neil Armfield findet bedrückende Gleichnisse für Dans und Candys Ups und Downs, für ihre Liebe ebenso wie für ihre Sucht, die sich beide mitunter auf erschreckende Weise ähneln. Tragischerweise aber schließen sich Liebe und Rausch trotz aller Ähnlichkeiten gegenseitig aus, zumindest auf Dauer.

Letztendlich ist Candy trotz der Omnipräsenz von Dans und Candys Abhängigkeit kein Drogenfilm, sondern eine Herz zerreißende Romanze über das Finden und Verlieren der Liebe, bei der verschiedene Formen der Abhängigkeit eine große Rolle spielen. Ein Film über zwei junge, naive Seelen, die zuerst den Himmel und dann die Hölle erleben und schließlich feststellen, dass ihr Paradies nur eine Illusion war.

Candy

Am Anfang steht die Liebe: Dan (Heath Ledger) ist Dichter und Schriftsteller, der sich unsterblich in die engelsgleiche Candy (Abbie Cornish), ein Mädchen aus bestem Haus verliebt.
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