American Ultra

American Ultra

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Vom Kiffer zum Killer

Ein ramponierter junger Mann sitzt in einem Verhörraum, die Hände an den Tisch gekettet, und soll entscheiden, wo er mit seiner Erzählung beginnen will. Vor ihm liegen Fotos von unterschiedlichen Gegenständen, die für die vorherigen Ereignisse anscheinend eine große Rolle spielen. Danach dreht sich in einer schnell geschnittenen Montage die Zeit zurück. Schon der Einstieg in Nima Nourizadehs zweiten Spielfilm macht deutlich, dass der Regisseur nach dem Party-Exzess von Project X erneut etwas gehörig aus dem Ruder laufen lässt. American Ultra – eine Kreuzung aus Kiffer-Romanze, Agentenparodie und Action-Splatter – verspricht ein anarchisch-abgedrehter Spaß zu werden, erweist sich allerdings als ermüdende Krawallorgie, die ihre guten Ansätze leichtfertig in den Wind schießt. Was schade ist, auch angesichts der recht gelungenen Besetzung.
Mike Howell (Jesse Eisenberg) hat es sich in seinem beschaulichen Kleinstadtleben bequem gemacht. Die Arbeit in einem Supermarkt verlangt ihm wenig ab, seine Freundin Phoebe (Kristen Stewart) hat kein Problem mit seiner Planlosigkeit, da sie selbst nicht gerade vor Tatendrang sprüht. Wann immer es sich ergibt, chillen und kiffen sie und kümmern sich nicht um den Wahnsinn der großen, weiten Welt. Letztere spielt für sie auch deshalb fast keine Rolle, weil Mike jedes Mal von Panikattacken übermannt wird, wenn er die Stadtgrenzen überschreitet. Dennoch hat er sich in den Kopf gesetzt, mit Phoebe nach Hawaii zu reisen und ihr dort einen Heiratsantrag zu machen. Dummerweise gelingt es ihm aber selbst bei dieser Gelegenheit nicht, seine Angst zu überwinden, weshalb das Pärchen noch am Flughafen kehrtmachen muss.

Statt üblichem Alltagstrott erwartet den Marihuana-Liebhaber kurz darauf allerdings ein anderes Abenteuer. Während der Arbeit wird er von schwer bewaffneten Killern attackiert, die für den machthungrigen CIA-Agenten Adrian Yates (Topher Grace) die letzten Reste des ehemaligen Geheimdienstprogrammes Ultra eliminieren sollen. Dessen Leiterin Victoria Lasseter (Connie Britton) hatte Mike einst zu einer perfekten Tötungsmaschine ausgebildet und musste ihn nach der Beendigung des Experiments mit gelöschtem Gedächtnis in die US-Provinz verpflanzen. Da er sich an nichts erinnert, ist der Dauerkiffer entsprechend verwundert, als er die losgeschickten Bluthunde mit wenigen Handgriffen liquidieren kann. Yates, der ein eigenes Killer-Programm entwickelt hat, lässt allerdings nicht locker. Und so müssen sich Mike und Phoebe weiteren CIA-Schergen erwehren.

Die Prämisse ist ausreichend beknackt, um anderthalb Stunden spaßige Unterhaltung zu garantieren. Gleichzeitig ist am Anfang spürbar, dass Nourizadeh und Drehbuchautor Max Landis, der mit Chronicle – Wozu bist du fähig? auf sich aufmerksam machte, die unterschiedlichen Genre-Muster bei allem Augenzwinkern auch ein wenig ernst nehmen. Besonders deutlich wird dies in der Beziehung der Protagonisten, die ebenso gut aus einem intimen Indie-Drama stammen könnten. Ihre gegenseitige Zuneigung wirkt ehrlich und kommt in verschrobenen Alltagsgesprächen wiederholt zum Ausdruck. Das ist sicherlich ein großer Verdienst der beiden Hauptdarsteller. Der häufig in Außenseiter-Rollen besetzte Jesse Eisenberg und die in letzter Zeit experimentierfreudige Kristen Stewart harmonieren als Loser-Paar prächtig und verleihen dem langsam eskalierenden Geschehen – zumindest in der ersten Hälfte – die nötige Erdung.

Ein Händchen für absurde Situationskomik beweisen die Macher, als das Chaos schließlich seinen Lauf nimmt. Köstlich ist vor allem eine Szene, in der die besorgte Lasseter Mike vor dem drohenden Unheil warnen und seine Erinnerung mit speziellen Code-Wörtern aktivieren will. Der Supermarktangestellte versteht allerdings nur Bahnhof und versucht erst gar nicht, seinen fehlenden Durchblick zu verbergen. Herrlich schräg fällt auch die Auseinandersetzung mit den CIA-Killern aus, bei der Mike ganz unbewusst einen Suppenlöffel zweckentfremdet.

Das alles macht Lust auf mehr, doch leider kommt nun das große Aber: Werden in der ähnlich überdrehten Spionagepersiflage Kingsman: The Secret Service die Genre-Versatzstücke clever überhöht und zu einem überraschenden Meta-Spaß verdichtet, wirft American Ultra in vielen Fällen nur Stichworte in den Raum. Das Profilierungsgehabe im Geheimdienstapparat wird in der Person des Antagonisten Yates parodiert. Sein überzogen diabolisches Auftreten erscheint allerdings zu gewollt, als dass es wirklich komisch wäre. Ebenso finden sich kritische Anspielungen auf den amerikanischen Drohneneinsatz. Doch auch dieser Seitenhieb bleibt eine Fußnote, da Nourizadeh vor allem auf große Knalleffekte und bluttriefende Konfrontationen setzt. Elemente, die der bereits genannte Kingsman: The Secret Service ebenfalls zelebriert. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Actionszenen dort mitunter atemberaubend choreografiert sind und der Film eine halbwegs funktionierende Spannungsdramaturgie zu bieten hat. Hier laufen die Schieß- und Nahkampfszenen dagegen meistens nach demselben Strickmuster ab. Und auch die Figuren verlieren zunehmend ihren Reiz, was selbst die beiden Hauptdarsteller nicht mehr kompensieren können. Aus einer anfangs vielversprechenden Genre-Mixtur wird so ein Cocktail, dessen grundverschiedene Zutaten sich immer weniger vertragen. Emotionale Momente fühlen sich plötzlich vollkommen deplatziert an. Und die Gags verrauchen mehr und mehr im tosenden Krawallexzess.

Gelungen ist erst wieder der Abspann, der in Form eines animierten Comics daherkommt. Ein schwacher Trost für einen Film, der – nimmt man die Ausgangssituation als Maßstab – herrlich durchgeknallten Unfug erwarten lässt.

American Ultra

Ein ramponierter junger Mann sitzt in einem Verhörraum, die Hände an den Tisch gekettet, und soll entscheiden, wo er mit seiner Erzählung beginnen will. Vor ihm liegen Fotos von unterschiedlichen Gegenständen, die für die vorherigen Ereignisse anscheinend eine große Rolle spielen. Danach dreht sich in einer schnell geschnittenen Montage die Zeit zurück.
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96 Min
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