Wild Zero (1999)

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Japans Kinolandschaft treibt immer wieder seltsame Blüten. Im Heimkino sprießt nun ein Pflänzchen, das kein bisschen zart ist, dafür voll fliegender Untertassen, Untoter und Rock’n’Roll.

Wild Zero (1999)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Lebende Tote, unsterblicher Rock'n'Roll

Der Kölner Filmverleih Rapid Eye Movies ist ein echter Perlentaucher. Zwar produziert das Label mit einer Vorliebe für asiatisches Kino inzwischen auch eigene Filme, immer wieder fischt es aber kleine funkelnde Kostbarkeiten aus dem Meer unzähliger wie unübersichtlicher Produktionen. Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Tetsuro Takeuchi zählt dazu. Eine echtes Trash-Juwel vom Ende des alten Jahrtausends, das jetzt erstmals auf Blu-ray erscheint.

Takeuchi fackelt nicht lang. Wo die Reise in seinem ersten Kinofilm hingeht, ist klar, als zum Auftakt fliegende Untertassen, die wie gelbe Frisbee-Scheiben aussehen, schlecht animiert in Richtung Erde rasen. Was darauf folgt, lässt sich hingegen nicht so leicht vorhersehen. Denn Takeuchi und sein Co-Autor Satoshi Takagi haben ihr Drehbuch vollgestopft mit überraschenden Wendungen, schrägen Charakteren und jeder Menge Musik. Ein Film, der vor lauter Ideen aus allen Nähten platzt.

Im Zentrum steht der Rock’n’Roll-Fan Ace (Masashi Endô), der seiner Lieblingsband Guitar Wolf hinterherreist. Nach einem Konzert wird er Zeuge, wie sich seine Rockheroen mit dem kriminellen Clubbesitzer Captain (Makoto Inamiya) anlegen. Schwarze Lederjacken, Sonnenbrillen und Schmalztollen auf der einen Seite treffen auf Captains viel zu knappe Hotpants, die alle Blicke auf die Wumme zwischen seinen Beinen lenken. Auch mit echten Pistolen sind Captain und seine rockenden Kontrahenten schnell zur Hand. Erst lässt eine Kugel einen Kopf explodieren, dann wird Blutsbrüderschaft geschlossen und eine Art magische Hundepfeife verschenkt, die durch Hineinblasen die Wolf-Gang auf den Plan ruft. Von da an geht es erst so richtig rund. 

Klingt trashig? Ist auch so! Der Regisseur nimmt sein Publikum mit auf einen wilden Ritt ohne Sinn und Verstand. Die Handlung ist hauchdünn, was nicht weiter ins Gewicht fällt, weil Takeuchi von der ersten bis zur letzten Minute richtig dick aufträgt. Im Kern ist Wild Zero ein romantisches Roadmovie mit Rockmusik und Zombies. Sehenswert daran ist jedoch nicht die Geschichte, sondern deren Umsetzung. 

Von Farbwechseln über Zeitlupe und Zeitraffer bis hin zu Lochblenden in Herzform ist alles drin. Am Pissoir wird schon mal aus subjektiver Sicht gepinkelt, und über nackte Tatsachen wird sich mittels des Vertigo-Effekts erschreckt. Zombie-Köpfe platzen wie reife Kürbisse, und Auspuffe blasen statt Abgasen Flammen in die Luft. Neben Heerscharen von Untoten, einer Rockband, ihrem unbeholfenen Hardcore-Fan und dessen überraschendem Love-Interest Tobio (Kwancharu Shitichai) tummeln sich noch weitere comichafte Figuren. Eine kampferprobte Waffenhändlerin (Haruka Nakajo) im Catsuit darf da natürlich nicht fehlen. 

Aus Kostengründen hat Takeuchi nicht in seinem Heimatland, sondern in Thailand gedreht. Soldaten der thailändischen Armee und deren Angehörige gaben die Zombies. Und auch Kwancharu Shitichai, die Tobio spielt, stammt aus Thailand und wurde in der Originalversion synchronisiert. All diese verrückten Einzelteile fügen sich erstaunlich gut zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Denn je länger dieser Roadtrip dauert, desto kultiger fühlt er sich an, was zu großen Teilen an Guitar Wolfs Gastauftritt liegt.

Die Band gibt es wirklich, ihre Mitglieder spielen sich selbst. Die drei Musiker, die im wahren Leben Seiji, Billy und Tōru heißen und sich auf der Bühne ihren Instrumente entsprechend Guitar Wolf, Bass Wolf und Drum Wolf nennen, haben es mit ihrem an den Ramones und Joan Jett angelehnten Garagenrock auch auf den internationalen Markt geschafft. Zu Wild Zero steuern sie neben dem schrammeligen Soundtrack vor allem die entscheidende Portion Coolness bei.

Wenn Frontmann Guitar Wolf wieder einmal seine Pistole zückt und seine Bandkollegen sich derweil unbeeindruckt die Frisur richten, dann ist das schon ein verdammt cooler Anblick. Ihre Instrumente halten manche Überraschung bereit und für Ace haben sie den alles entscheidenden Rat in petto: Wie der Rock’n’Roll kennt auch die Liebe in diesem Film keine Grenzen zwischen Nationen und Geschlechtern. Oder wie Ace es formulieren würde: „Halt das Maul! Der Rock’n’Roll ist nie zu Ende, der Rock’n’Roll stirbt nie!“

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