Schnitzelparadies

Schnitzelparadies

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Eine Multikulti-Komödie mit Witz, Biss und viel Galle

Die Integration von Ausländern in unseren liberalen Gesellschaftssystemen ist nach wie vor und mehr denn je ein Thema, das die Gemüter in allen politischen Lagern bewegt. Und je nach politischer Couleur wird das Projekt einer „multikulturelle Gesellschaft“ entweder für gescheitert oder gelungen erklärt. Über Jahrzehnte hinweg galten die Niederlande als Musterbeispiel für eine gelungene Integrationspolitik, erst durch das Erstarken der rechtspopulistischen Partei von Pim Fortuyn und die Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh hat das Bild vom liberalen und toleranten Nachbarland Brüche bekommen, die die Gesellschaft bis ins Mark getroffen haben. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass mit Schnitzelparadies / Het Schnitzelparadijs von Martin Koolhoven nun ein äußerst witziger und treffsicherer Film in die deutschen Kinos kommt, der das eigentlich ernste Thema auf erfrischend andere Weise aufs Korn nimmt und jegliches Betroffenheitsgedöns tunlichst vermeidet.
Im Mittelpunkt des Films steht Nordip Doenia (Mounir Valentyn), Sohn eines marokkanischen Einwanderers, der gerade sein Abitur mit einer Traumnote absolviert hat. So wundert es nicht, dass Nordips Vater (Sabri Saad El-Hamus) inständig hofft, sein Filius möge die Chance ergreifen, etwas Anständiges zu studieren – am besten Medizin. Der Sohnemann betrachtet hingegen die väterliche Karriereplanung mit Misstrauen, er hat noch keine Ahnung, was er eigentlich werden will, nur eines kann er mit Sicherheit ausschließen – eine Karriere als Mediziner. Um sich selbst noch etwas Zeit für die Entscheidungsfindung zu geben, nimmt Nordip erstmal heimlich einen Job als Tellerwäscher in der reichlich versifften Küche des Hotels „Zum blauen Geier“ an, das in seinem Chaos und seiner multinationalen Besetzung wie ein Spiegel- oder eher ein Zerrbild der niederländischen Gesellschaft erscheint: Neben dem permanent besoffenen Küchenchef Willem (Frank Lammers) werkeln hier Holländer, Serben, Türken und Marokkaner mehr oder weniger – also meistens weniger – einträchtig nebeneinander und versuchen dem ständig drohenden Chaos Herr zu werden; mit wechselndem Erfolg. Richtig kompliziert wird es aber erst, als Nordip sich in Agnes (Bracha van Doesburgh), die Nichte der Hoteldirektorin Nina Meermann (Linda van Dyck) verliebt. Und als dann noch Nordips Vater dank des lieben Brüderleins Nadir vom Treiben seines Sohnes erfährt, hängt der Haus- und Küchensegen endgültig schief.

Martin Koolhovens wundervoll verspielter Film Schnitzelparadies / Het Schnitzelparadijs, sein insgesamt viertes Werk, brach im Jahre 2005 in den Niederlanden sämtliche Besucherrekorde und avancierte mit rotzfrechem und mitunter derbem Humor zum erfolgreichsten einheimischen Film des Jahres. Dabei karikiert Koolhoven unterschiedslos ebenso die Ressentiments seiner Landsleute wie auch die Eigenheiten und Illusionen der ausländischen Mitbürger und verteilt seinen beißenden Spott gleichermaßen auf alle Gesellschaftsschichten. Doch Koolhovens Seitenhiebe gelten nicht nur dem „Clash of Cultures“, mit ebensolcher Akribie widmet er sich auch den schwelenden Generationskonflikten, die sich sowohl bei Nordips wie auch bei Agnes’ Familie finden lassen. Und nicht zuletzt ist Schnitzeparadies / Het Schnitzelparadijs — allein der Name ist den realen Umständen bereits Hohn genug — auch eine überdrehte Abrechnung mit dem Gastgewerbe und bietet nebenbei eine moderne Variante der altbekannten Geschichte von Romeo und Julia, die hier allerdings entgegen aller Widerstände schließlich doch ihr wohlverdientes und überzogen-augenzwinkerndes Happy End bekommen. Wer sich allerdings von dem märchenhaften Schluss zu der Ansicht verleiten lässt, alles würde schon irgendwie gut werden, der hat die Ironie dieses feinen Werkes nicht verstanden. Ein Film in der Tradition von Jalla Jalla, Shouf Shouf Habibi und diverser britischer Komödien, der die genannten Vorbilder teilweise noch in den Schatten stellt, exquisit erzählt und mit feinen Schauspielern und galligem Humor reichlich gesegnet.

Schnitzelparadies

Die Integration von Ausländern in unseren liberalen Gesellschaftssystemen ist nach wie vor und mehr denn je ein Thema, das die Gemüter in allen politischen Lagern bewegt.
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Meinungen
· 29.09.2007

der film ist absolut gelungen vor allem auf niederländisch hab ich mich gekringelt!der slang ist der hammer!!
hartelijk gefeliciteerd met je diplomo,homo!:-)

ibex1701 · 04.08.2007

der bloedeste film seit sweet home alabama,bodyguard, etc. reine zeitverschwendung!Wollte nix wie raus aus dem kino! War von der Meinung div. Kritiker echt irre geleitet - lese nie wieder kritiken!!

BoRn · 29.06.2007

Ey den Film hab ich auch in der Sneak gesehen und ich konnte mich vor lachen nicht mehr halten ... die filme wie scary movie haben auch keinerlei Handlung und sind trotzdem in irgendeiner weise "witzig"! Warum nicht dieser? Ehrlich gesagt d8 ich anfangs "ach du scheisse wo bin ich hier gelandet" aber nach ner weile konnte ich und meine kollegen nicht mehr .. keiner hat den film vorzeitig verlassen die volle sneak war am boden vor lachen!

· 10.03.2007

Hab mich köstlich amüsiert!

· 08.03.2007

Komisch wie die Meinungen unterschiedlich sein können. Hab ihn auch in ner Sneak gesehen und fand den Film total krass.

· 08.03.2007

Habe den Film in der Sneak-Preview gesehen. Freiwillig wäre ich da niemals rein. Die Hälfte meiner Sitzreihe hat den Film schon vorzeitig verlassen, weil er extrem besch***** war. Der Film besitzt keine Handlung und wie oft ich mal geschmunzelt hab, dass kann man an einer Hand abzählen.

Kommentare

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