Pretty Guardian Sailor Moon Eternal: Der Film (2021)

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Sailor Moon is back! In „Pretty Guardian Sailor Moon Eternal“ zeigen die Kämpferinnen für Liebe und Gerechtigkeit vollen Einsatz – und demonstrieren, dass zwischen Kitsch und Komik noch genug Zeit für Empowerment bleibt.

Pretty Guardian Sailor Moon Eternal: Der Film (2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Vereinen wir unsere Kräfte!

Konnte es für Menschen, die in den 1990er Jahren hierzulande ihre Kindheit und frühe Jugend erlebten, im Fernsehen eine tollere Person als Sailor Moon geben? Die Volleyballspielerin Mila, vielleicht. Möglicherweise auch noch Prinzessin Fantaghirò. Aber ansonsten? Wohl kaum. Die Animeserie Sailor Moon, die zwischen 1992 und 1997 in Japan entstand und ab 1995 erst im ZDF, später auf RTL II lief, basiert auf der gleichnamigen Mangareihe von Naoko Takeuchi. In 200 Folgen kämpfte die Titelfigur für Liebe und Gerechtigkeit und wurde dabei von einem immer größer werdenden Team unterstützt. Mit Sailor Moon Crystal kam es ab 2014 zu einer erneuten Adaption in Serienform, die sich stilistisch und inhaltlich näher an der gezeichneten Vorlage orientierte und auf sämtliche Füllepisoden verzichtete.

In dieser Manier geht es nach drei Staffeln nun mit dem zweiteiligen Film Pretty Guardian Sailor Moon Eternal weiter. Die Dead-Moon-Erzählung, die sich in der Serie aus den 1990er Jahren in 39 Folgen à 20 Minuten entfaltete, wird in circa 160 Minuten geschildert. Ein Teil des damaligen Charmes geht dadurch gewiss verloren. Denn gerade die Monster-of-the-Week-Struktur und die in ihrer Logik fraglos debattierbare „Beim nächsten Mal erwischen wir euch!“-Attitüde der Gegner_innen barg erstaunlich viel Vergnügen in sich. Auch der hohe Slapstick-Anteil wurde deutlich reduziert.

Das soll jedoch nicht heißen, dass Pretty Guardian Sailor Moon Eternal keinen Spaß macht. In einigen Punkten übertrifft die Neufassung den Nineties-Kult sogar. Erfreulicherweise umarmt der Film wie auch schon die Mangareihe und die Serien den Kitsch mit derart dankbaren und liebevollen Armen, dass wir uns ohne Scham und Schuldgefühle in diese Glitzerwelt werfen können, in der ein fliegendes Einhorn „Hilf mir, holde Maid!“ ruft und sprechende Katzen in einer Schaltzentrale mit ernsten Mienen über die Weltlage diskutieren. Wie wunderbar das alles ist! Und bitte nicht falsch verstehen: Das ist nicht ironisch gemeint. Denn das wäre unfassbar langweilig. Nein, es ist wirklich schön. Und es ist auch überhaupt nicht dumm.

Pretty Guardian Sailor Moon Eternal ist, zunächst einmal ganz technisch betrachtet, ein verdammt gut gemachter Film. Die Farben sind noch leuchtender, die riesigen Augen der Figuren noch funkelnder, als wir es einst vor der Mattscheibe erleben durften. Alles ist sehr detailreich gestaltet – die Stadt Tokio, die magischen Verwandlungen der Oberschülerinnen in Sailor-Kriegerinnen und die düsteren Orte, an denen die Kämpfe gegen die Feind_innen stattfinden. Hinzu kommen ein paar herrlich surrealistisch anmutende Bilder, etwa wenn Ami (alias Sailor Mercury), Rei (alias Sailor Mars) und Makoto (alias Sailor Jupiter) nacheinander von dem Trio Fish Eye, Tiger’s Eye und Hawk’s Eye in bittersüße Albträume hineingezogen werden und ihre mentale Stärke demonstrieren müssen. Oder wenn sich Minako (alias Sailor Venus) in einer bizarren Prüfung behaupten muss. Neben dem genannten schurkischen Trio, dessen queerer Chic irgendwo zwischen Eighties-Aerobic-Video und Gothic-Madonna anzusiedeln ist, bekommen es Sailor Moon und ihr Team mit dem anfangs sehr biestigen Quartett Cere-Cere, Palla-Palla, Jun-Jun und Ves-Ves zu tun sowie mit der verbitterten Königin Nehellenia und deren Wegbereiterin Zirkonia. Letztlich wird hier eine Variante des Malefiz-Plots erzählt, aber mit entschieden mehr Energie als in Maleficent – Die dunkle Fee (2014).

Eine Sonnenfinsternis leitet die Handlung ein. Ein ominöses Zirkusschiff landet in der Stadt. Und die kleine Chibiusa (alias Sailor Chibi Moon) – die zukünftige Tochter von Usagi (alias Sailor Moon) und deren Freund Mamoru (alias Tuxedo Mask) – erhält Botschaften von einem geflügelten weißen Ross. Zugegeben: Für Neueinsteiger*innen ist das vermutlich… ziemlich verwirrend. Es geht um Kristalle, die gefunden werden müssen, um neue, noch mächtigere Gadgets, um Wiedergeburt – und sehr oft werden pathetische Dinge gerufen: „Glöckchen, kling!“, „Macht der Mondherzen, mach auf!“ Solche Dinge eben. Ganz großartig ist, dass auch den reiferen Kriegerinnen des äußeren Sonnensystems – Setsuna (alias Sailor Pluto), Haruka (alias Sailor Uranus), Michiru (alias Sailor Neptune) und Hotaru (alias Sailor Saturn) – der nötige Raum gegeben wird. Der zweite Teil des Films zeigt das Leben des Quartetts. Die Wissenschaftlerin, der Rennfahr-Profi, die Musikerin und die rasch Heranwachsende wohnen gemeinsam in einem Haus, ehe sie wieder zu den anderen hinzustoßen. Positiv ist hier zudem die deutsche Synchronisation hervorzuheben, die sensibler mit Harukas genderfluider Identität umgeht, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Lange vor den Disney-Schwestern Anna und Elsa aus Die Eiskönigin (2013) wurde in der Mangareihe und der Animeserie von emanzipatorischen Entwicklungen und von weiblicher Solidarität erzählt – und der Film setzt dies in vieler Hinsicht würdig fort. Es mag inzwischen für Kids und Teens weit mehr tolle Figuren in der Medienwelt geben als in den 1990er Jahren. Aber mit diesem Zweiteiler dürfte bewiesen sein, dass Sailor Moon und ihre Clique nach wie vor mithalten können.

Pretty Guardian Sailor Moon Eternal: Der Film (2021)

Als die Erde nach einer Sonnenfinsternis von einer düsteren Macht heimgesucht wird, müssen die überall verteilten Sailor-Kriegerinnen wieder zusammenfinden, um der Welt das Licht zurückzubringen.

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