Leergut

Leergut

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wenn der Vater mit dem Sohne…

Jan Svěrák und sein Vater Zdeněk sind ein außergewöhnliches Paar – und vor allem ein außergewöhnlich erfolgreiches. Zdeněk, Jahrgang 1936, arbeitet seit vielen Jahren beim Film und kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. In deren Verlauf war er bereits dreimal an Filmen beteiligt, die für einen Academy Award nominiert waren. 1997 schließlich war es endlich so weit – ausgerechnet sein Sohn Jan Svěrák gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Das Drehbuch zu Kolja / Kolya stammte von Zdeněk, der auch die Hauptrolle in diesem Film spielte. Und Kolja / Kolya war der zweite Film einer Trilogie der Lebensalter, die mit Obecná Škola / Volksschule (1991) begann und die nun mit Leergut / Vratné Lahve vollendet wird. Abermals erweist sich die Kombination aus Vater und Sohn als schlagkräftiges Duo, das diesem Film die richtige Mischung und den passenden Erzählton zu verpassen versteht.
Zdeněk Svěrák spielt den 65-jährigen Lehrer Josef, der von seinen Schülern die Nase gestrichen voll hat, so dass er seinen Job nur allzu gerne an den Nagel hängt. Doch auch zuhause findet er nicht die Ruhe, die er sich so dringend ersehnt, um seinen – manchmal auch erotischen – Träumereien nachzuhängen. Denn die Liebe zu seiner Frau Eliška (Daniela Kolárová) ist merklich abgekühlt, so dass der rüstige Ruheständler zunächst als Fahrradkurier anheuert. Man ahnt es gleich – das kann nicht gut gehen. Als er schließlich zur Leergutannahme eines Supermarktes wechselt, findet er ausgerechnet dort sein Glück – denn Josef merkt ausgerechnet hier, dass sein Leben noch lange nicht zu Ende ist, sondern dass er eine Chance hat, noch einmal neu zu beginnen – zumindest fast. Und nicht nur das: Josef entdeckt auch die kleinen Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen und fängt damit an sich einzumischen in deren Belange. Mit dieser neuen Aufgabe gewinnt sein Leben wieder spürbar an Qualität, auch wenn seine Umwelt zunächst vom Wirken des Ex-Lehrers sichtlich irritiert ist…

Ironisch, frech, durchaus auch erotisch und niemals ins Kitischige abgleitend, aber trotzdem voller Aha-Erlebnisse über das Alter, die Liebe und alles Wichtige im Leben – es verwundert nicht, dass Leergut / Vratné Lahve in der Tschechischen Republik zum erfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten avancierte. Die familiäre Co-Produktion besticht durch einen genauen, stets liebevollen und niemals allzu idealisierenden Blick auf das Alltagsleben und die kleinen und großen Schwächen der sorgsam ausgearbeiteten und fantastisch gespielten Charaktere, die bis in die Nebenrollen hinein einfach Spaß machen. Ein echter Publikumsfilm, der die Zuschauer auf zahlreichen Festivals begeisterte und sowohl in Cottbus, in Karlovy Vary und beim Filmfest Hamburg mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde – wenn das mal keine Empfehlung ist. Bleibt zu hoffen, dass sich das in den Kinos ebenso verhält und dass diese kleine Perle nicht in der Masse der Neustarts untergeht.

Leergut

Jan Svěrák und sein Vater Zdeněk sind ein außergewöhnliches Paar – und vor allem ein außergewöhnlich erfolgreiches. Zdenek, Jahrgang 1936, arbeitet seit vielen Jahren beim Film und kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken.
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Meinungen
Karla Müller · 17.02.2011

Unterhaltsam, warmherzig, gut gemacht

· 29.05.2008

Wunderschön. Ach, die Tschechen, zeigen Hollywood wie man es richtig gut macht.

Hana · 11.03.2008

Der Film zeigt wieder die optimale Mischung des tschechischen Humors. Es ist einfach wunderbar, wie man Melancholie mit Witz verbinden kann....

rt · 05.03.2008

Ein herrlich sensibler Film. Die vielen kleinen, humorvoll und liebevoll dargestellten Alltagssituationen haben mir sehr gut gefallen.

Longstone · 27.02.2008

Starke Symbolik: Lehrer wird Leergut und viele Menschen um ihn, Tochter, Frau, ja auch Kunden am Leergutschalter und sein Kollege sind Leergut. Aber er findet seine Erfüllung im Leben füllen der anderen. Der Ballonflug, die volle Fülle, Feuer, die aber gerade durch seine Frau, das kleine Flämmchen, Feuerzeug, vom Absturz rettet. Ein herrlicher optimistischer Film.

petra · 21.02.2008

Der Film war mir zu süßlich.

Marco · 13.02.2008

Ein charmanter Film. Nur schade, dass hier das Clicheé vom geilen alten Bock genährt wird. Immerhin ist der Mann noch sehr fit für sein Alter...

· 07.02.2008

Wunderschöne Mischung aus Witz und Melancholie

Gast · 06.02.2008

Gibt es ein schöneres Lob für einen Film als ein chorartiges "Ohhhh (schade)" des Publikums am Ende;-)???

Stefan · 04.02.2008

Sehr schöner, unterhaltsamer Film !

· 25.01.2008

Kein Mainstream-Moovie! Wieder ein preisgekrönter Sverak-Film voller Tiefgang, den man noch eine ganze Weile mit einem lachenden und weinenden Auge mit sich trägt. Also unbedingt ansehen!

· 20.01.2008

Ein tiefgründiger film dem am Unterhaltungswert nicht fehlt; die Hauptdarsteller - einfach Klasse; hoffentlich bleibt seine Witzigkeit auch in der Übersetzung erhalten!

Kommentare

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