3Freunde2Feinde (2020)

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Der Titel verrät schon das Wesentliche — und dennoch ist „3Freunde2Feinde“ viel mehr als das, was die Grundkonstellation verspricht. Nämlich eine No-Budget-Wundertüte mit Klassenkampf und Musical-Einlagen, nächtlichen Würstelstand-Eskapaden und hinreißend authentischen Verlierertypen.

3Freunde2Feinde (2020)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Lob des Unfertigen

Dass es für Spaß im Kino und auf der Leinwand nicht unbedingt ein großes Budget braucht, weiß (allerspätestens) jeder, der die Filme von Axel Ranisch kennt. Legendär ist dessen Erstling „Dicke Mädchen, der angeblich, so will es die Legende, für 517,32 Euro entstand. Auch „3Freunde2Feinde“, der neue Film von Sebastian Brauneis („Zauberer“) ist ein gutes Beispiel dafür, was No-Budget-Produktionen zu leisten imstande sind. 

Worum es im Wesentlichen bei dem Film geht, das verrät bereits der Titel: Es ist die Geschichte dreier Freunde, die es mit zwei Feinden aufnehmen. Besagte Freunde, Johanna, der schöne Emil und der unter Bewährung stehende Franzi (dargestellt von Marlene Hauser, Noah Perktold und Christoph Kohlbacher) arbeiten allesamt bei einem familiengeführten Wiener Chemieunternehmen, bei dem sich gerade in der Chefetage ein Generationswechsel anbahnt. Schon der bisherige Firmeninhaber (Robert Reinagl) war nicht gerade ein Ausbund an Sympathie, doch der neue namens Karli (Christoph Radakovits), seines Zeichens Schwiegersohn des alten, stellt die Hinterfotzigkeit des Silberrückens noch um einiges in den Schatten. Ihm zur Seite, mehr oder weniger, stehen Heinzi (Lukas Watzl) der leider etwas unfähige Sohn des Altbesitzers und dessen Schwester Hannelore (Laura Hermann), die es wiederum als Ehefrau des schmierigen Karli auch nicht gerade leicht hat, sich aber auf ihre Art zu wehren weiß. 

Kurz vor der „Machtübernahme“ kommt es aber im Unternehmen zu einer Revolte und zu einem handfesten Eklat, als ein Maskierter den Karli lautstark als „Oaschloch“ tituliert und damit den Applaus der versammelten Belegschaft einheimst. Das kann der neue Boss in spe selbstredend nicht auf sich sitzen lassen und macht sich mit viel aufwand und im Stil eines KGB-Verhörspezialisten auf die Suche nach dem Zwischenrufer und Aufwiegler. 

Derweil haben die drei Freunde noch ganz andere Probleme: Emil etwa sorgt sich um seinen kranken Papa, Franzi um die Bewährung und dass er gekündigt werden könnte, und Johanna ist ihre Tasche geklaut worden. Bei der Verfolgung des dreisten Diebs hat der eine andere Tasche verloren, in der sich LPs befanden, was den Verdacht nahelegt, dass es sich bei dem Dieb um einen DJ handeln könnte. Und so ziehen Johanna, Emil und Franzi durch Wien auf der Suche nach dem Dieb und der verlorenen Tasche und entdecken dabei etwas ganz anderes. 

Womöglich klingt das jetzt alles gradliniger, wie es sich im Film selbst anfühlt. 3Freunde2Feinde ist ein Film, der sich nämlich nicht groß um Stringenz kümmert, sondern der immer wieder Seiten- und Umwege nimmt, Sackgassen erkundet, über die Stränge schlägt und herrlich ungezwungen durch die Nacht irrlichtert. 

Am Ende übertreibt es Sebastian Brauneis ein wenig mit den Kapriolen und baut ein paar Volten ein, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären — zumal sie in diesem Film, der sich immer wieder an verschiedenen Stellen unverschämt viel Zeit lässt, sehr gedrängt und verdichtet erscheinen. Dem Vergnügen an dieser polyamourösen Buddy-Klassenkampfkomödie mit Musical-Einlagen (!) schadet das aber nicht im Geringsten, sondern deutet an, was noch alles möglich gewesen wäre. 

Gerade mal 2500 Euro hat 3Freunde2Feinde nach Angaben des Regisseurs, Drehbuchautoren, Kameramanns und Cutters (gemeinsam mit Antonia Adelsberger) Sebastian Brauneis gekostet. Natürlich sieht man das auch in gewisser Weise — und hört es vor allem. Da kracht es bisweilen derart auf der Tonspur (besonders ist dies in einer Szene in der Straßenbahn zu vernehmen), dass man die eh schon hingenuschelten und sehr wienerischen Dialoge kaum versteht. Aber ehrlich gesagt interessieren diese Ecken und Kanten und das Ungeschliffene binnen kurzer Zeit überhaupt nicht mehr. Und zwar ganz einfach deshalb, weil die Spielfreude und der Witz, das Herumschweifen auf Abwegen, die Liebe zu den Figuren und den Milieus einfach herzerwärmend sind und unglaublich viel Spaß machen. 

Sicherlich ist 3Freunde2Feinde nicht der Stoff, aus dem das „ganz große Kino“ gewebt wird. Aber der Film erinnert daran, dass es nicht eines großen Budgets bedarf, um zu unterhalten und treffsicher lauter kleine Liebeserklärungen auf die Leinwand zu bringen — an eine Stadt und ihre Bewohner, an widerständige vermeintliche Loser, die einfach nur die beste Zeit ihres Lebens haben. An die Kraft der Fantasie und die süße Anarchie des Alltags.

3Freunde2Feinde (2020)

Das Schicksal ist nicht sonderlich charmant zu Johanna, Emil und Franz, aber sie schlagen sich tapfer durchs Leben. Als jedoch ihr Boss seinen Posten für den schleimigen Schwiegersohn räumen will, reicht es ihnen, und sie zetteln inkognito eine Meuterei an. Und während die Chefetage den Schuldigen sucht, streift das Trio durch das Wiener Nachtleben, um den Taschendieb zu finden, der Johanna beklaut hat. In dieser lauen Sommernacht wird ihnen klar, dass man in dieser ordinären und sexistischen Welt mit Freundschaft, Zusammenhalt und viel Humor jeden Scheißdreck besiegen kann.

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