Lasse Hallström

Lasse Hallström

Er ist ein Spezialist für gefühlvolle, gleichwohl unsentimentale Filme. Sensibel, mit viel Gespür für komplexe Charaktere erzählt Lasse Hallström Geschichten, in denen Hell und Dunkel, Lachen und Weinen, Komödie und Tragödie stets nah beieinander liegen. Einen Bruch zwischen seinen europäischen und den amerikanischen Produktionen hat es dabei nicht gegeben: Hallström ist sich auch in Hollywood treu geblieben, hat auch mit Welterfolgen wie Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (What’s Eating Gilbert Grape, 1993) und Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules, 1999) den liebenswert-verschrobenen Tonfall seines Meisterwerks Mein Leben als Hund (Mitt Liv Som Hund, 1985) beibehalten, mit dem er 1985 auf der internationalen Bildfläche erschien.

Hallström, Sohn eines Amateurfilmers, wurde am 2. Juni 1946 in Stockholm geboren. Bereits als Schüler drehte er einen Kurzfilm über eine von Klassenkameraden gegründete Rockband. Der Film wurde im schwedischen Fernsehen gezeigt und verhalf dem ambitionierten Jungregisseur nach seinem Schulabschluss zu weiteren TV-Aufträgen. Auf seinen fürs dänische Fernsehen gedrehten Shall we dance? folgte 1969 eine Unterhaltungsserie für das schwedische Fernsehen. Außerdem inszenierte er Musikvideos für die Erfolgsgruppe ABBA, die er 1977 schließlich auch in der Dokumentation ABBA – The Movie (1977) verewigte.

Zwei Jahre zuvor hatte er mit dem romantischen Drama En Kille Och En Tjej sein Debüt als Kinoregisseur absolviert. Nach zwei weiteren Romantic Comedies folgte Mein Leben als Hund, die anrührend erzählte Geschichte eines kleinen Jungen, der im Schweden des Jahres 1958 zwischen kalter Großstadt und ländlicher Idylle aufwächst. Der auf dem gleichnamigen Roman von Reidar Jonsson basierende Film wurde mit Oscar-Nominierungen für die Beste Regie und das Beste Drehbuch ausgezeichnet und gewann zahlreiche weitere Preise, darunter den Golden Globe als Bester Ausländischer Film.

Danach standen Hallström Hollywoods Türen offen – doch er zog es vor, zunächst seiner Heimat treu zu bleiben und zwei schwedische Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren zu verfilmen: Wir Kinder aus Bullerbü (Alla Vi Barn I Bullerbyn, 1986) und Neues von uns Kindern aus Bullerbü (Mer Om Oss Barn I Bullerbyn, 1987).

Erst 1991 drehte er schließlich seinen ersten US-amerikanischen Film: die eigenwillige Romantic Comedy Ein charmantes Ekel (Once Around, 1991) mit Holly Hunter und Richard Dreyfuss in den Hauptrollen. Zwei Jahre später etablierte ihn Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (What’s Eating Gilbert Grape, 1993) als internationalen Erfolgsregisseur. Johnny Depp spielt darin einen Teenager, der sich in der Provinz um seine Außenseiterfamilie kümmert, insbesondere um seinen vom jungen Leonardo DiCaprio verkörperten geistig behinderten Bruder. DiCaprio erhielt für seine Leistung jeweils eine Oscar- und eine Golden Globe-Nominierung.

Mit der romantischen Komödie The Power Of Love (1995), in der Julia Roberts und Dennis Quaid eine Ehekrise austragen, landete Hallström 1995 zwar einen veritablen kommerziellen Erfolg, bei den Kritikern fiel der Film jedoch weitgehend durch. Hallström legte in den folgenden vier Jahren – abgesehen von einem Beitrag zu dem Kamera-Experiment Lumière Et Compagnie – eine Schaffenspause ein und meldete sich dann zurück.

Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules, 1999) , die mit Tobey Maguire, Charlize Theron und Michael Caine hochkarätig besetzte Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Irving, wurde ein weiterer Hit. Irving, der selbst das Drehbuch verfasst hatte, gewann dafür ebenso einen Oscar wie Caine in der Kategorie Bester Nebendarsteller.

Ähnlich erfolgreich war Chocolat (2000), der vier Golden Globe- und fünf Oscar-Nominierungen errang, und auch Schiffsmeldungen (Shipping News, 2001), ein zartes romantisches Drama über einen von Kevin Spacey gespielten Mann, der am Ende der Welt noch einmal von vorne anfängt und dabei das Glück hat, auf eine Frau wie Julianne Moore zu treffen, bestätigte Hallström als Regisseur für gehobene Arthouse-Kunst.

Nach einer weiteren längeren Schaffenspause war Hallström 2005 wieder schwer beschäftigt. Kaum hatte er An Unfinished Life (Ein ungezähmtes Leben, 2005) beendet, begann er auch schon mit den Dreharbeiten zu Casanova (2005), der auf dem Filmfestival von Venedig seine Premiere feierte.

Lasse Hallström hat einen 1976 geborenen Sohn aus erster Ehe. Seit 1994 ist er mit der Schauspielerin Lena Olin verheiratet, mit der er die 1995 geborene Tochter Tora hat.

Filmographie — Lasse Hallström (Auswahl)

2012
The Danish Girl

2010
Dear John (Das Leuchten der Stille)

2009
Hachiko: A Dog’s Story (Hachiko — Eine wunderbare Freundschaft)

2006
The Hoax

2005
An Unfinished Life (Ein ungezähmtes Leben)
Casanova

2001
The Shipping News (Schiffsmeldungen)

2000
Chocolat

1999
The Cider House Rules (Gottes Werk und Teufels Beitrag)

1995
The Power Of Love

1993
What’s Eating Gilbert Grape (Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa)

1991
Once Around (Ein charmantes Ekel)

1987
Mer Om Oss Barn I Bullerbyn (Neues von uns Kindern aus Bullerbü)

1986
Alla Vi Barn I Bullerbyn (Wir Kinder aus Bullerbü)

1985
Mitt Liv Som Hund (Mein Leben als Hund)

1977
ABBA – The Movie

1975
En Kille Och En Tjej

Foto © Tobis Filmverleih
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