Wrong Cops

Wrong Cops

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Cut & Paste

Wie der Titel schon vermuten lässt, ist Wrong Cops der direkte Nachfolger von Quentin Dupieuxs Wrong. Beide Filme teilen sich einige Figuren und interagieren auch ein wenig miteinander, es ist aber nicht nötig Wrong gesehen zu haben, um Wrong Cops zu verstehen. Und doch — die Frage ob man ihn schon kennt oder nicht macht einen fundamentalen Unterschied. So fundamental, dass diese Rezension zwei verschiedene Rezensionen sein muss, um dem Werk gerecht zu werden.
Wrong Cops ohne Wrong zu kennen…

… ist ein Film, der sich von Anfang an durch seine offensichtliche Andersartigkeit auszeichnet. Quentin Dupieux‘ Welt ist ein wenig schief oder besser, es fehlen moralische Instanzen, was das Ganze sehr frei und lustig gestaltet. Wenn selbst die Cops mit Haschisch dealen — wobei sie die Hälfte selber rauchen — und es sie mehr interessiert, ob die Flecken auf dem weißen Teppich wieder herausgehen, anstatt sich zu wundern, dass diese von einem tödlich getroffenen Menschen verursacht wurden, dann kann man nicht erwarten, dass irgendetwas Konsequenzen haben wird. Außer man hört schlechte Musik wie Teenager David Dolores (Marilyn Manson). Dann gibt es ordentlich Ärger in Dupieux‘ Welt, immerhin kennt der sich aus, ist der doch neben seinen Regietätigkeiten auch als Musiker Mr. Oizo unterwegs.

Die Unberechenbarkeit der Erzählung, die ausgefeilten Loserfiguren, die hier aber (fast) alle in irgendeiner Art und Weise mithilfe unfassbarer Großspurigkeit durchs Leben kommen, ist ein wunderbarer und surrealer Ausflug in eine Welt, wo alles geht und stets das Schlimmste passiert — und es ist lustig. Allerdings zünden nicht alle Ideen und visuellen Scherze, was dazu führt, dass man sich durch den Mittelteil des Films ein wenig hangeln muss, bis man mit dem überraschenden Finale belohnt wird.

Wrong Cops, wenn man Wrong gesehen hat…

…ist ein ähnliches Erlebnis, wie Terrence Malicks To The Wonder zu sehen, wenn man The Tree of Life bereits kennt. Schon nach zehn Minuten stellt sich dieses ungute Gefühl ein, dass der Regisseur hier noch Material übrig hatte und sich dachte „Da machen wir noch einen Film draus!“. Und diese Vermutung bestätigt sich ab da in jeder weiteren Minute mehr. Der eigenartige, untersetzt-schmierige Cop, der in Wrong einige kurze Auftritte hat, darf hier nun als Hauptfigur agieren — zusammen mit seinen Kollegen, allesamt gespielt von Schauspielern, die in Wrong ebenfalls kleine Nebenrollen hatten.

In Sachen amerikanischer Underground Comedians ist der Film fantastisch besetzt: vor allem Steve Little und Eric Wareheim tragen den Cast durch das dünn bestückte Drehbuch und die kurzen Auftritte von Marilyn Manson als Teenager mit schlechtem Musikgeschmack („Was ist das denn für ne Scheiße? Ist das Techno? Das ist doch bestimmt aus Deutschland, so kacke wie sich das anhört!“) sind durch ihre Metaebene ein paar Lacher wert. Doch leider kommt der Film nirgends auch nur annähernd an die surrealistischen, witzigen, transgressiven und nachdenklichen Momente seines Vorgängers heran und bleibt somit von vorn bis hinten eine Enttäuschung. Ist Dupieux die Puste ausgegangen? Ist seine Art des surrealistischen Films einfach etwas, das sich schnell erschöpft und das sich durch Gewöhnung alsbald so lahm anfühlt, als wäre es nie spannend gewesen?

Es bleibt abzuwarten wie die Geschichte Dupieux weiter gehen wird. Der Nachfolgefilm Réalité ist ja auch schon abgedreht und wird wohl das Zünglein an der Waage werden.

Wrong Cops

Wie der Titel schon vermuten lässt, ist „Wrong Cops“ der direkte Nachfolger von Quentin Dupieuxs „Wrong“. Beide Filme teilen sich einige Figuren und interagieren auch ein wenig miteinander, es ist aber nicht nötig „Wrong“ gesehen zu haben, um „Wrong Cops“ zu verstehen.
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