Warten auf Angelina

Warten auf Angelina

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Theater über den Dächern von Berlin

Nichts ist hartnäckiger als ein unbestätigtes Gerücht. Und je unwahrscheinlicher sich das Ganze anhört, desto ernster wird es von manch einem genommen. Als vor Jahren die Meldung durch die deutschen Medien geisterte, Angelina Jolie und Brad Pitt wären dabei, sich einen Wohnsitz in Berlin zuzulegen, sprang die Medienmeute wie hypnotisiert darauf an und fabrizierte immer neue Meldungen, wo es eigentlich nichts zu vermelden gab. Diese Ausgangssituation hat der Filmkritiker Hans-Christoph Blumenberg zum Mittelpunkt seines Films Warten auf Angelina gemacht, der im Gewand einer sommerlich leichten Komödie nicht die nur die Promigeilheit der Medien, sondern auch die Irrungen und Wirrungen vermeintlich "normaler" Beziehungen aufs Korn nimmt.
Maik Tremper (Florian Lukas) ist ein Paparazzo, der sich dank eines Tipps seiner Agentur auf der Pirsch nach "Brangelina" befindet und zu diesem Zweck die Dachgeschosswohnung der Promizahnarztes Freddy Katelbach okkupiert hat, die sich genau gegenüber des neuen Domizils der beiden Hollywoodstars befinden soll. Da der Hausherr auf einer Kreuzfahrt auf dem weit entfernten indischen Ozean weilt, ist Maik guter Dinge und wähnt sich ungestört – bis ihm Momme Ulmer (Kostja Ullmann) buchstäblich vor die Füße fällt. Der Junge von der friesischen Insel Pellworm entpuppt sich als großer Brangelina-Fan und so ist seine Anwesenheit kein Zufall. Auch er hat von der bevorstehenden Ankunft von Jolie und Pitt erfahren und will seine Ex-Freundin mit einem selbst geschossenen Bild beeindrucken sowie dem Pellwormer Fanclub des Promipaares zu ungeahnter Berühmtheit verhelfen. Klar, dass Mommes Gegenwart dem Profi-Knipser Maik ziemlich auf die Nerven geht. Und der Junge aus dem hohen Norden ist keineswegs die einzige Störung, denn bald schon taucht Katelbachs Geliebte Marlene (Barbara Auer) auf. Und von nun an geben sich die Frauen – unter ihnen auch Maiks Ex - die Klinke in die Hand. Bis sich eines Tages gegenüber tatsächlich etwas tut und zwei vertraute Gesichter die Bühne betreten....

Bis 1983 war der Regisseur Hans-Christoph Blumenberg Filmredakteur bei der Wochenzeitung Die Zeit und einer der profiliertesten Filmkritiker Deutschlands, zuvor hatte er für den Kölner Stadtanzeiger gearbeitet. Bereits während seiner Zeit als Journalist drehte Blumenberg seine ersten Filme, meist Dokumentationen und Reportagen zu Filmthemen. 1984 folgte dann mit dem ersten Spielfilm Tausend Augen der endgültige Wechsel ins Regiefach. Nach einigen weiteren Spielfilmen wandte sich Blumenberg dann vermehrt dem Fernsehen zu, drehte insgesamt zehn Folgen der Krimireihe Tatort, von denen acht für den Saarbrücker Kommissar Max Palü entstanden. 1994 entstand die RAF-Satire Rotwang muss weg! , gefolgt von Beim nächsten Kuss knall ich ihn nieder! und Planet der Kannibalen (2001). Außerdem arbeitete Blumenberg auch fürs Theater und inszenierte unter anderem an den Hamburger Kammerspielen. Was man seinem neuen Film Warten auf Angelina durchaus ansieht.

Die Beschränkung auf einen Handlungsort und die zahlreichen Frauenfiguren, die theaterhafte Auf- und Abgänge haben, strukturieren den Film und geben ihm trotz einer exquisiten Besetzung eine große Künstlichkeit, die leider den Spaß an der tollen Grundidee des Films erheblich schmälern. Auch die zahlreichen Querverweise auf Filme wie Die Filzlaus / L’emmerdeur (Frankreich 1973, Regie Edouard Molino) und Wenn Katelbach kommt / Cul-de-sac von Roman Polanski (Großbritannien 1966) und die zahlreiche Zitate, die Blumenberg immer wieder einstreut, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte weder als Satire noch als Romantic Comedy so richtig funktioniert willen – allem Wort- und Dialogwitz zum Trotz. Bei dieser Besetzung, das merkt man deutlich, wäre mehr drin gewesen. Zumal dann, wenn die beiden Hauptfiguren weniger schablonenhaft geraten wären.

Warten auf Angelina

Nichts ist hartnäckiger als ein unbestätigtes Gerücht. Und je unwahrscheinlicher sich das Ganze anhört, desto ernster wird es von manch einem genommen.
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