Unser täglich Brot

Unser täglich Brot

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Du bist, was du isst!

Wo kommt es eigentlich her, unser täglich Brot, all die Wurst und das Fleisch, das wir täglich vertilgen, die Eier und die Butter, die Milch und das Gemüse? Was ist zu halten von den schönen Illusionen der Werbung, von den Bildern einer Natur, die uns mit reichen Händen all die Gaben schenkt, die unsere Töpfe, Teller und Mägen füllen? Der österreichische Filmemacher Nikolaus Geyrhalter hat sich mit seiner HDCAM aufgemacht zu den Orten, an denen unsere Nahrung entsteht und hat eingefangen, welchen Weg unser Essen nimmt, bevor wir es nach Hause tragen.

Die Bilder, die Unser täglich Brot uns dazu liefert, sind ebenso nüchtern wie ernüchternd. Keine Spur von glücklichen Kühen, drallen Bäuerinnen oder unberührter Natur, stattdessen – so der Eindruck – geht es in den Fleisch- und Brotfabriken der westlichen Welt zu wie in vollautomatisierten Computerchip-Werken. Beton, Stahl, Glas, unendliche Räume unbestimmten Zwecks, Apparaturen wie aus Frankensteins Bastelbude und dazwischen immer wieder Menschen, die wie von einem anderen Stern wirken – insbesondere dann, wenn sie in weißen Schutzanzügen die endlosen Reihen akkurat ausgerichteter Pflanzen in Gewächshäusern abschreiten. Inmitten gespenstischer Stille und Furcht erregender Weite vollzieht sich in den sorgsam auskadrierten Bildern der Zyklus des Zeugens, Entstehens und Vergehens, der Kreislauf des Lebens, der hier nur dem einzigen Zwecke dient, jene hoch entwickelten Spezies am Ende der Nahrungskette mit einem nicht enden wollenden Strom an Fett, Eiweiß, Kohlenhydraten, Zucker, Vitaminen und anderen Inhaltsstoffen zu versorgen.

Bewusst lässt Geyrhalter offen, wo er sich gerade befindet, die einzige Orientierungshilfe, die der Filmemacher seinen Zuschauer mit auf den Weg gibt, ist der lakonische Hinweis, dass Film in Europa zwischen 2003 und 2005 entstand. Es geht Geyrhalter auch nicht darum, einzelne Missstände in der Nahrungsmittelproduktion anzuprangern, wie dies etwa in We Feed the World geschah, er zeigt vielmehr das System der Nahrungsproduktion und lässt die Bilder für sich sprechen. Der Film hat in seiner ruhigen, nüchternen, stummen und beinahe kontemplativen Art und Weise mehr von einem Essay oder einer filmischen Meditation an sich, als von einer Dokumentation, die aufrütteln und wach machen will. Perfekte Bilder ohne Schockeffekte, die es aber trotzdem verstehen, den Schrecken hinter all diesen Verrichtungen zu verdeutlichen, das Verdrängen, das Nichtzulassen, das Nichtwissenwollen, wo all das herkommt, was auf unseren Tellern landet. Es ist zweifelsohne die große Stärke dieses Films, dass er keiner Worte bedarf, um zum Nachdenken anzuregen. Denn die Bilder, die Nikolaus Geyrhalter überall in Europa für sein vielfach ausgezeichnetes Werk gefunden hat, sie sprechen eine ausreichend deutliche Sprache darüber, dass jeder von uns das ist, was er isst.
 

Unser täglich Brot

Wo kommt es eigentlich her, unser täglich Brot, all die Wurst und das Fleisch, das wir täglich vertilgen, die Eier und die Butter, die Milch und das Gemüse?

  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
· 07.03.2007

Tja, was soll so ein Film bringen? Die Leute, die ihn anschauen, wissen vermutlich schon vorher, dass die Welt schlecht ist. Der große rest wird diesen Film einfach ignorieren. Aber genau diese Leute müssten wachgerüttelt werden... siehe z.B. "Eine unbequeme Wahrheit"

SexyVegan · 02.03.2007

Auf den Film musste die Welt viel zu lange warten.

GAST (2) · 14.02.2007

war übrigens auf den ersten post bezogen

GAST · 14.02.2007

Du spinnst... genau solche leute braucht man nicht

· 24.01.2007

Ein großartiger und wichtiger Film!

· 24.01.2007

Sendung mit der Maus für Erwachsene. N.ichts für mich

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme mit