The Peanut Butter Falcon (2019)

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Im Indie-Roadtrip „The Peanut Butter Falcon“ werden zwei Außenseiter erst Wegbeleiter und schließlich Freunde. Zak, ein junger Mann mit Down-Syndrom, hat genug vom Leben im Heim und flieht, um Profi-Wrestler zu werden. Dabei trifft er auf den Kleinkriminellen Tyler, der sich ebenfalls auf der Flucht befindet und ihn auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt.

The Peanut Butter Falcon (2019)

Eine Filmkritik von Elisabeth Hergt

Von einem, der auszog, das kämpfen zu lernen

Das Spielfilmdebüt der beiden amerikanischen Regisseure Tyler Nilson und Michael Schwartz gleicht keinem Märchen, wenngleich die Bilder einen stimmungsvoll über trübe Gewässer führen, durch eine kleine, in sich geschlossen wirkende Landschaft, die mit ihren Figuren wächst. „The Peanut Butter Falcon“ ist eine Art Fabel, die mit klassischen Mitteln etwas zu wohlwollend von zwei Misfits erzählt, die sich und das große Abenteuer finden, ohne danach gesucht zu haben.

Ein junger Mann zieht aus, um in der Welt seinen Platz zu finden. Der 22-jährige Zak (Zack Gottsagen) aus North Carolina geht dabei noch einen Schritt weiter: er zieht sich aus und flüchtet, nur mit einer Unterhose bekleidet, aus dem Seniorenheim, in dem er bis jetzt gewohnt hat. Zak hat Down-Syndrom und da seine Eltern nicht mehr leben, hatte er bisher nicht wirklich die freie Wahl, über sein Leben zu bestimmen. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Zak hat ein Ziel: Er möchte Profi-Wrestler werden und von seinem großen Idol Salt Water Redneck (Thomas Haden Church) lernen, dessen Videokassetten er immer wieder angesehen hat. Sein alter Freund Carl (Bruce Dern) hilft ihm die Fenstergitter zu verbiegen und schon kurze Zeit später findet er sich auf einem Fischerboot wieder, das rasant übers Wasser gleitet.

Tyler (Shia LaBeouf) steht am Steuer. Er ist auf der Flucht, weil er sich am Fang der Krabbenfischer Duncan (John Hawkes) und Ratboy (Yelawolf) bedient und ihre Ausrüstung abgefackelt hat. Nun sind sie ihm auf den Fersen und er muss sich verstecken. Seit dem Tod seines Bruders Mark (Jon Bernthal) ist er auf sich allein gestellt und schlägt sich irgendwie durch. Er will nach Florida und dort Arbeit finden. Zak, der in dieselbe Richtung muss, hängt sich an ihn dran, wird aber abgewiesen. Nach einer ersten Nahtoderfahrung bietet Tyler ihm dann doch schroff an ihn mitzunehmen, solange er seinen Anweisungen folgt. Sie schließen einen Pakt, inklusive eigenem Handschlag und machen sich schließlich mit einem bescheidenen Proviant aus Erdnussbutter und Booze auf den Weg.

Auf ihrer Reise entwickeln die beiden Outcasts eine besondere Zugehörigkeit zueinander. Tyler wird zum Mentor für Zak und bestärkt ihn in dem Glauben, dass der ihm als „Downie“ auferlegte Rahmen seiner Möglichkeiten, nicht ihn beschränkt, sondern die Menschen um ihn herum. Zak, der Wrestler braucht jedoch ein Image, also gibt er sich einen Namen und bäumt sich auf für den Kampf. Aber kann er letztendlich auch den in die Jahre gekommenen Wrestling-Star finden, ihn von seinem Talent überzeugen und im Ring gewinnen? Die wütenden Fischer haben derweil die Verfolgung aufgenommen. Und dann ist da ja auch noch Eleanor (Dakota Johnson), die liebevolle Betreuerin von Zak, die ihn finden und ins Heim zurückbringen soll.

Das packende Grundszenario des Films besteht im Aufbruch zweier Figuren, die ein Stück weit des Lebens beraubt wurden und sich nun zum ersten Mal ihrer gewählten und ungewollten Unabhängigkeit stellen müssen. Zak sucht das Abenteuer, strebt scheinbar furchtlos nach neuen Eindrücken und echten Gefühlen. Jeglichen Ballast hat er abgeworfen. Tyler hingegen trägt einiges mit sich herum und wird von der Vergangenheit eingeholt. Mit Eleanor flirtet er im Verlauf noch ganz lässig, aber Zak wird richtungsweisend für ihn. Ein Kompass, der ihn weiter führt, als er wollte. Sie begegnen Jasper (Wayne Dehart), einem blinden Prediger, der sie fragt, ob sie gottesfürchtig sind und sie symbolisch von ihren Sünden reinigt. Im Kern geht es dann auch, vor allem für Tyler, um Aufarbeitung und Vergebung.

Der mit genretypischer Folkmusik unterlegte Indie unterhält als ruhige, atmosphärische Meditation auf den Neuanfang wunderbar und man fühl sich gut aufgehoben an der Seite der Protagonisten. Zack Gottsagen spielt seinen Part als Zak mit einer beeindruckend offenen Selbstverständlichkeit, Komplexität und anhaltender Präsenz. Nicht vielen Schauspielern mit Behinderung wird vor der Kamera so bewusst der Raum überlassen. Im neuen Jahr wird er dafür bei der Palm Springs Film Festival Gala mit dem Rising Star Award ausgezeichnet werden. Shia LaBeouf, der sich mit Honey Boy von Alma Har‘el derzeit filmisch alter Dämonen entledigt und auch sonst rehabilitiert erscheint, gelingt es auf natürliche und sensible Weise die Gefühle seiner Figur offenzulegen, ohne dass die Dynamik beider Charaktere zueinander ins Kitschige abdriftet.

Als Roadmovie mangelt es der Story dramaturgisch allerdings an Fallhöhe. Zak und Tyler ziehen sich gegenseitig aus dem Wasser, wenn der eine nicht schwimmen kann und den anderen die Kraft verlässt. Der Starke hilft dem vermeintlich Schwachen. Zwei Frösche, kein Skorpion. Es entsteht ein Spannungsproblem, denn so wirklich ums Überleben geht es nicht. Dazu fehlt ein verstärktes Ringen der Charaktere mit sich selbst und die Auseinandersetzung mit einer härteren Außenwelt. Der Film vereinfacht die Realität, um sich das Wohlgefühl nicht nehmen zu lassen. Das hat eine schöne Simplizität, nur vermisst man den gewissen Nervenkitzel, den ein so unbestimmter Trip wie dieser mit sich bringt. Die große Angst, um das Schicksal der beiden suchenden Kämpfer, kommt nicht auf und trotz des Potentials, das John Hawkes als fieser Verfolger mitbringt, sitzt die Gefahr den beiden doch nie so richtig im Nacken. Überhaupt ist das fantastische Ensemble hier im Zusammenspiel unterfordert, allen voran Dakota Johnson, die sich als Frau im Trio mehr oder weniger vorbehaltlos den Geschehnissen fügt. The Peanut Butter Falcon macht es sich damit letztendlich etwas zu leicht und schließt, wenn auch gutmütig, eine Geschichte ab, die doch gerade erst so richtig beginnt.

The Peanut Butter Falcon (2019)

„The Peanut Butter Falcon“ erzählt die Geschichte von Zak, einem jungen Mann mit Down-Syndrom, der aus einer Heimeinrichtung abhaut, um sein Glück als Profi-Wrestler zu probieren. Unterwegs begegnet er dem Kleinganoven Tyler, der sich seiner annimmt und ihm Freund, Trainer und Mentor wird. Es wird eine Reise voller unvorhergesehener Wendungen und Begegnungen …

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