Rambo Trilogy

Rambo Trilogy

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Rambo 1 bis 3

Über die Rambo-Filme mit Sylvester Stallone noch viel zu erzählen, hieße Eulen nach Athen tragen. Jeder kennt den amerikanischen Nationalhelden – von vielen geliebt, von wohl noch mehr verachtet. War Teil 1 von 1982 noch eine zurückgenommene Außenseiterballade, in der sich der Antiheld als Vietnam-Heimkehrer mit einem ihm feindlich gesonnenen Amerika auseinandersetzen muss, wurde Titelheld Rambo, John J. in der 85er Fortsetzung zum überstilisierten Testosteronbolzen, der den verlorenen Krieg in Vietnam nachträglich gewinnen sollte. Nicht umsonst lautete der Werbeslogan „Was die meisten Menschen Hölle nennen, nennt er sein Zuhause“. 1988 kam schließlich Rambo 3 heraus. Seinerzeit mit 60 Millionen Dollar der weltweit teuerste Film, sprengte er erneut Kassenrekorde und erlang für Jahre den Ruf als Film mit den meisten Toten (genau 108). Hot Shots II setzte ihm 1990 ein komödiantisches Denkmal.
Rambo — First Blood: Vietnam-Veteran John Rambo streunt ziellos durch Amerika. Sein einziger Freund und alter Kamerad Delmore lebt in der Nähe der Kleinstadt Hope. Rambo erfährt von einer Nachbarin, dass Delomore an den Folgen von Agent Orange, dem Entlaubungsgift, dass in Vietnam eingesetzt wurde, gestorben sei. Somit ist Rambo der einzige Überlebende seiner Einheit. Niedergeschlagen verdrückt sich der ehemalige Green Beret. Unterwegs wird er von Sheriff Will Teasel (großartig Brian Dennehy) aufgelesen, der anbietet ihn ein Stück mitzunehmen. Schnell wird klar, dass Teasel nicht aus Nächstenliebe handelt. Eher will er den abgerissenen Rumtreiber aus seinem Zuständigkeitsbereich haben. Meilen hinter der Stadtgrenze wird Teasel deutlich, setzt Rambo auf die Strasse und wünscht einen schönen Tag. Doch so einfach lässt sich der Ausgestoßene, der nur eine warme Mahlzeit will, nicht verscheuchen. Rambo macht kehrt und geht zurück Richtung Hope. Teasel nimmt ihn fest. Im Sheriffs Office wird Rambo von den Debuties erniedrigt und gedemütigt, was nicht lange ohne Folgen bleibt. Rambo, an eine Gefangenschaft in einem vietnamesischen Dorf erinnert, sieht rot. Er knockt die komplette Mannschaft aus, klaut ein Motorrad und flieht. Auf der folgenden Flucht durch die umliegenden Wälder, bei der auch die Nationalgarde eingesetzt wird, kommt es zu blutigen Scharmützeln und die Verfolger erkennen, dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben.

Rambo – First Blood Part 2 spielt Jahre nach Rambos Amoklauf im verschlafenen Hope. John Rambo arbeitet im Steinbruch in Ketten, stoisch wie eh und je sitzt er seine Strafe ab. Unerwartet taucht sein früherer Ausbilder und Retter aus Teil 1, Colonel Trautman (legendär: Richard Crenna) auf, um ihm einen Deal mit Begnadigung in Aussicht zu stellen. Rambo soll in Vietnam Fotos von vermeintlichen Gefangenencamps machen. Nur Fotos! Rambo willigt ein, findet tatsächlich POWs (Prisoners of War) und befreit einen auf eigene Faust. Als der Rettungstrupp dies an den Kommandostab weiter gibt, befiehlt dieser den sofortigen Abbruch der Mission. Rambo und der befreite Soldat werden festgenommen. Rambo wird von russischen Militärs gefoltert und verhört – bis er den Spieß umdreht, sich befreit und zum Gegenschlag ausholt. Da bleibt kein gefallener GI ungesühnt… Schließlich schafft es Rambo mit einem gekaperten Hubschrauber und den POWs zurück zum Stützpunkt und rächt sich für das Sitzen-gelassen-werden. Großes Action-Kino.

„Gott kennt Gnade, Rambo nicht“ war der Leitspruch von Rambo 3, der in Afghanistan spielt und Rambo, der mittlerweile in einem Kloster Blech klopft, bei einer Befreiungsaktion zeigt. Colonel Trautman wurde von russischen Militärs bei einer Friedensmission gefangen genommen. Da die Regierung nicht helfen kann (Geheimmission und so), muss Rambo seinen alten Freund rausboxen. Mit der Hilfe der Mujaheddin legt sich John ohne große Umschweife mit der russischen Armee an und tut, was ein Mann tun muss. Er befreit seinen Freund und tötet alle anderen. Wieder großes Action-Kino mit coolen Sprüchen und rekordwürdigen 70 Explosionen.

Die Meinungen gehen bei Sylvester Stallone-Filmen und speziell bei seinen drei – ab Frühjahr 2008 vier – Rambo-Filmen weit auseinander. Können sich die meisten Kinogänger bei Teil 1 noch auf einen starken Post-Vietnam-Film einigen, sind Teil 2 und 3 ganz offensichtlich zur Gelddruckmaschine verkommen. Das ist natürlich legitim, finanziert Stallone ja nicht nur seine Häuser und Pools mit dem so gescheffelten Geld. Gerade die kleinen Filme werden so subventioniert. Und seien wir ehrlich; wer gute Action sehen will, kann sich bei Rambo 2 und 3 beruhigt zurücklehnen und die Show genießen. Von neueren Filmen kann da nur The Marine mithalten. Und ganz so tumb, wie die innere Logik der Filme dargestellt wird, ist sie gar nicht. Da wird gerne und oft der Dialog eines Helfers und Rambos herangezogen:
„Was ist das?“
„Blaues Licht.“
„Und was macht es?“
„Es leuchtet blau.“
Rambo antwortet auf eine dumme Frage nur mit einer dummen Antwort. Der Mann will ja gar nicht kämpfen und töten- er wird dazu gezwungen. So hört ihn doch an!

Das ein rassistischer Unterton vorherrscht (speziell in den letzten beiden Teilen) ist kaum zu übersehen. Gerade wenn der gefangene Rambo erst von vietnamesischen, dann russischen Soldaten gefoltert wird. Das wurde in den 80ern nicht so eng gesehen. Vor allem nicht, wenn man viel Geld verdienen konnte. Ein Feindbild musste her und was lag da damals näher?

Die Filme sind auch deshalb sehenswert, weil Weltklassekomponist Jerry Goldsmith (Basic Instinct, diverse Star Trek-Filme) mit seiner Untermahlung drei seiner besten Scores aus dem Hut zauberte. Filmmusikgourmets wissen, was der Rezensent meint.

Das Bonusmaterial der vorliegenden FSK 16 Box ist schön üppig und mit einem Audiokommentar, Making ofs, Featurettes, Interviews, Trailern und vielem mehr sehr informativ. Dumm nur, dass die Bonusfeature auf den Bonus-DVDs auch auf den Film-DVDs selbst vorkommen. Die Bonus-DVDs braucht es also gar nicht. Augenwischerei nennt man so was.

Größtes Ärgernis dürfte aber die völlige Verstümmelung von Rambo 2 und 3 sein. Unsinnigste Schnitte, ganze Handlungselemente fehlen und während die eine brutale Szene drin geblieben ist, fehlt ein Dialog an anderer Stelle. Da gibt es heute gewalttätigere Filme, die frei ab 12 sind. Da kann auch die hübsche Tin-Box mit dem phantastischen Renato Casaro-Motiv zu Rambo 3 nichts mehr wettmachen.

Rambo Trilogy

Über die Rambo-Filme mit Sylvester Stallone noch viel zu erzählen, hieße Eulen nach Athen tragen.
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