Master Z: The Ip Man Legacy (2018)

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Bruce Lees Lehrmeister Ip Man bekommt einen Nachfolger. Im ersten Spin-off der erfolgreichen Martial-Arts-Reihe schlägt sich Jin Zhang als kämpfender Kellner gegen Gangster in Hongkong durch.

Master Z: The Ip Man Legacy (2018)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Everybody was Kung Fu Fighting

Seit das Kino Bruce Lees Lehrmeister Ip Man (1893-1972) für sich entdeckt hat, können Martial-Arts-Fans dessen flinken Fäusten kaum mehr ausweichen. Donnie Yen spielte ihn in Wilson Yips schlicht „Ip Man“ betitelter Trilogie, der noch in diesem Jahr ein vierter Teil folgt. Tony Leung gab den Kampfkünstler in Kar-Wai Wongs The Grandmaster, Yu-Hang To im inoffiziellen Sequel zu Yips Filmen und Anthony Wong in dessen Fortsetzung. Im offiziellen Spin-off führt nun Jin Zhang das Erbe des Großmeisters des Kung-Fu-Stils Wing Chun fort.

Dessen Figur Tin Chi Cheung ist kein Unbekannter. In Ip Man 3 (2015) boxte er sich aus dem Untergrund bis ganz nach oben, gab seine Kampfsportschule am Ende des Films dann aber auf. Die Auskopplung präsentiert uns den alleinerziehenden Familienvater als geläuterten Geschäftsmann. Seine im Vorgänger gezeigte Arroganz wird Tin Chi auch in Master Z nie ganz los – zumal Jin Zhangs Coolness nicht an Donnie Yens zurückhaltenden Charme heranreicht. Zu Beginn der 1960er Jahre betreibt der von Zhang gespielte Charakter in Hongkong einen bescheidenen Lebensmittelladen. Doch der Wunsch nach einem einfachen Leben als „kleiner Krämer“, wie sich der Protagonist selbst bezeichnet, währt nicht lange.

Mit den Epochen wechseln auch die Farben. War Ip Man (2008) angesichts seiner im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Geschichte noch trist und grau, ist Master Z der bislang bunteste Vertreter des Franchise. Satte Primärfarben strahlen von der Leinwand. Und auf Hongkongs berühmt-berüchtigter Bar Straße erleuchten die Reklameschilder die Nacht. Gezwungenermaßen heuert Tin Chi dort als Kellner an. Denn die Probleme der Helden bleiben die gleichen: Ihre Hilfsbereitschaft bringt sie in die Bredouille.

Der Krämer mit der Kämpferseele legt sich mit den Falschen an, als er Julia (Liu Yang) und ihrer Mitbewohnerin Nana (Chrissie Chau) im Zwist mit dem kurzatmigen Kriminellen Sai Kit Tso (Kevin Cheng) zu Hilfe eilt. Der wird von seiner großen Schwester Ngan Kwan (Michelle Yeoh) gegängelt und wirbelt mit seinen Alleingängen bald alles durcheinander. Während Ngan Kwan mit ihrer mächtigen Verbrecherorganisation den Weg in die Legalität sucht, mischt ihr aufmüpfiger Bruder munter im Heroinhandel mit. Dass auch der scheinbar unbescholtene Restaurantbesitzer Owen Davidson (Dave Bautista) seine Finger im Spiel hat, ahnen wir schnell. Dave Bautistas Figur sieht selbst im feinen Zwirn zwielichtig aus.

Auf dem Regiestuhl hat Woo-Ping Yuen platzgenommen. Dem 1945 in Guangzhou geborenen Schauspieler, Stuntkoordinator und Regisseur wurde der Kampfkunstfilm in die Wiege gelegt. Sein Vater Siu Tien Yuen gilt als Begründer der für Actionstreifen aus Hongkong so typischen Kampfeinlagen. Im Jahr 1978 führte der Sohn erstmals Regie. In seinem Debüt Die Schlange im Schatten des Adlers schwang Jackie Chan die Fäuste. Einem breiteren internationalen Publikum wurde Woo-Ping Yuen schließlich durch seine ausgeklügelten Choreografien für Filme wie die Matrix-Trilogie (1999-2003), Tiger & Dragon (2000) oder Kill Bill, Vol. 1 (2003) und Vol. 2 (2004) bekannt, die das Ballett der schwerelosen Kämpfer*innen von der Nische in den Massenmarkt katapultierten.

Yuen hat nichts verlernt und bleibt sich treu. Auch in seinem mittlerweile achten Lebensjahrzehnt lässt er seine Schauspieler*innen schweben und setzt auf die Gleichberechtigung der Geschlechter. Waren Frauen im Ip Man-Franchise bislang auf die Rolle der leidenden Ehefrau reduziert, mischen sich in Master Z gleich zwei ins Kampfgetümmel. Michelle Yeoh beweist abermals, warum sie zur ersten Riege der Kino-Kampfkünstlerinnen zählt. Als Triaden-Chefin wählt sie meist das Florett, haut aber auch mal ordentlich mit dem Säbel dazwischen – und bewahrt hier wie da stets die Eleganz. Ob in einer atemlosen Kletterpartie auf Hongkongs Leuchtreklame, in einem ausgeklügelten Spiegelkampf mit Gaststar Tony Jaa (Ong-bak, 2003-2010) oder bei einem eleganten Tanz zweier Hände um ein Whiskyglas – die Choreografien sprühen vor Witz und Finesse.

Für historische Akkuratesse oder eine glaubwürdige Figurenzeichnung interessiert sich Edmond Wongs und Tai-lee Chans Drehbuch hingegen wenig. Schon in der Ip Man-Trilogie diente dem Duo die Historie lediglich als lose Folie, vor der sie die Lebensgeschichte ihres Helden mit viel Fantasie anreichern und an entscheidenden Stellen umschreiben konnten. Zwar stets bescheiden und auf Völkerverständigung bedacht ist Donnie Yens Ip Man auch immer Nationalist, der sich selbstlos gegen skrupellose Japaner oder pöbelnde Briten wendet. Die feine englische Art ist das nicht. Eine nachträgliche Instrumentalisierung, die dem echten Ip Man nicht gerecht wird.

Auch in Master Z sind die bösen Buben schnell ausgemacht. Neben verachtenswerten Verbrechern wie dem Frauenschläger Sai Kit Tso sind es korrupte britische Polizisten und ein ausländischer Drogenboss. Wer mit diesem mäßigen, stellenweise an Hurra-Patriotismus erinnernden Freund-Feind-Schema leben kann, wird mit einem sehenswerten Martial-Arts-Vergnügen belohnt.

Master Z: The Ip Man Legacy (2018)

Nach seiner Niederlage gegen den Meister des Kampfsports Ip Man hat sich Cheung Tin Chi zurückgezogen und versucht ein friedliches Leben mit seinem Sohn zu führen. Doch schon bald wird er in die schmutzigen Geschäfte einer Triade mit hineingezogen und es bleibt ihm nichts anderes übrig als einzugreifen, um den kriminellen Machenschaften Einhalt zu gebieten. 

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