Lepel

Lepel

Ein Märchen im modernen Gewand

Es ist wohl ein uralter Kindertraum: Die Vorstellung, eine Nacht lang in einem menschenleeren Kaufhaus eingesperrt zu sein und sich nach Herzenslust austoben zu können. Genau das widerfährt dem kleinen Lepel (Joep Truijn), der gerade mal sieben Jahre alt ist. Lepel hat sich im Kaufhaus vor seiner seltsamen und an eine Hexe erinnernden Oma Koppenol (Loes Luca) versteckt, bei der er lebt, seitdem seine Eltern angeblich zu einer Weltumrundung per Heißluftballon aufgebrochen sind. So zumindest berichtet es ihm seine Großmutter, die natürlich – man ahnt es bereits nicht seine wirkliche Anverwandte ist. Denn welche echte Großmutter würde ihren kleinen, süßen Enkel so schamlos ausnutzen? Und die Lügengeschichten über seine Eltern glaubt der Junge eh schon lang nicht mehr. Kein Wunder also, dass Lepel die Flucht ergreift.

Im Kaufhaus trifft er auf die elfjährige Pleun (Neeltje de Vree), die sich bereits dort eingerichtet hat. Im Gegensatz zu Lepel hat das Mädchen schlechte Erfahrungen mit Eltern gemacht und genießt deshalb ihre Freiheit umso mehr. Wenn die Sehnsucht nach einer Mutter, die ihn nachts zudeckt, nicht so groß wäre, Lepel hätte das Paradies auf Erden. Derweil macht sich Frau Koppenol mit Hilfe von Lepels Mathelehrer Herrn Bijts (Kees Hulst) auf die Suche nach Lepel, denn die gemeine „Großmutter“ will unbedingt ihren kleinen Sklaven zurückhaben. Und Lepels Lehrer wittert seine Chance, sich bei einem anstehenden Rechenwettbewerb zu profilieren, denn der Junge ist ein echtes Mathematikgenie. Doch zum Glück gibt es den in seine Chefin verliebten Kaufhausangestellten Max (Barry Atsma), der die beiden Kinder vor den Nachstellungen der bösen Erwachsenen beschützt und schließlich sogar ein Casting für eine liebevolle Mutter für Lepel initiiert – mit einem ganz und gar unerwarteten Ergebnis für alle Beteiligten.

Lepel ist ein knallbuntes Märchen im modernen Gewand, das in Grundzügen an die bekannten Vorbilder der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen erinnert. Der Update ist durchaus gelungen, von knallgrünen Trabbi bis zum leuchtenden Rot im Kaufhaus reicht die Farbpalette, die trotz mancher traurigen oder surrealen Szenen eine frische Poppigkeit ausstrahlt. Auch die beiden jugendlichen Darsteller geben dem Film Frische und Witz und machen Lepels und Pleuns Sorgen und Nöte deutlich und verständlich. Einziger Wermutstropfen: Manche Wendungen in der Erzählweise wie die wiederkehrenden Rückblenden dürften insbesondere für kleinere Kinder schwer nachzuvollziehen sein. Trotzdem ist Lepel ein gelungener und stellenweise recht überdrehter Kinderfilm, der auch den erwachsenen Begleitpersonen Spaß machen dürfte.

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Es ist wohl ein uralter Kindertraum: Die Vorstellung, eine Nacht lang in einem menschenleeren Kaufhaus eingesperrt zu sein und sich nach Herzenslust austoben zu können.

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