Jack and the Giants

Jack and the Giants

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Ein Actionfilm für Kinder

Die Geschichte von Hans und der Bohnenranke gehört nicht zum deutschen Märchenkanon, sondern stammt aus Großbritannien. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass wir hier zu Lande eine weniger enge Verbindung zu der Verfilmung Jack and the Giants verspüren, als dies vielleicht im englischsprachigen Kulturraum der Fall ist. Doch Bryan Singers würde uns mit seinem Film vermutlich auch dann nicht vollends begeistern, wenn wir das Märchen mit der Muttermilch aufgesogen hätten, denn leider hat Jack and the Giants mit grundlegenden konzeptuellen Problemen zu kämpfen.
Trotz einer Laufzeit von knapp zwei Stunden ist die Handlung übersichtlich. Der Bauernjunge Jack (Nicholas Hoult) kommt zufällig in den Besitz einiger Zauberbohnen, die – kaum mit Wasser in Berührung gekommen – eine kilometerhohe Ranke sprießen lassen, dabei jedoch bedauerlicherweise auch die hübsche Prinzessin Isabelle (Eleanor Tomlinson) mit sich reißen. Ganz klar, dass sich Jack der königlichen Garde anschließt, die die Ranke emporsteigt, um das verlorene Königskind zu finden. Doch am anderen Ende der Pflanze befindet sich das Land der Riesen, griesgrämiger und menschenfeindlicher Gestalten, die noch immer auf Rache für ihre letzte Niederlage im Krieg gegen die Menschen sinnen.

Der amerikanische Originaltitel Jack the Giant Slayer umschreibt den Inhalt des Films deutlich treffender als die deutsche Variante. Denn Jack and the Giants ist vor allem ein Kriegsfilm, in dem es primär um brutale Auseinandersetzungen zwischen den bösartigen Riesen und den Menschen geht. Dabei wird den Fantasiewesen nicht mal der Hauch eines Charakters zugestanden. Zwar deutet der Film stellenweise an, dass sich auch die großgewachsenen Protagonisten mit gruppendynamischen Problemen auseinandersetzen müssen, doch verbleiben sie eindimensional böse und somit letztlich uninteressant. Die Drehbuchautoren Darren Lemke, Christopher McQuarrie und Dan Studney verzichten leider darauf, die Riesen mit nachvollziehbaren Bedürfnissen auszustatten, die über den reinen Menschenhunger hinausgehen. Der Fairness halber darf an dieser Stelle jedoch nicht verschwiegen werden, dass sich auch die übrigen Figuren nicht unbedingt durch Komplexität auszeichnen. Wie im klassischen Märchen sind hier die Figuren sorgfältig in gut und böse unterteilt und verfügen über die Kategorisierung hinaus nur über rudimentäre Charaktermerkmale. So bleiben auch die Hauptfiguren, Jack und Isabelle, dem Zuschauer seltsam fremd.

Problematisch ist darüber hinaus die Brutalität der Geschichte. Die Riesen sehen gar gräulich aus und dürften Grundschulkinder weniger unterhalten als viel mehr traumatisieren. Die gesamte Geschichte ist von Gewalt geprägt. Moralische Alternativen wie Gnade und Verständnis werden weit in den Hintergrund gedrängt und spielen für die Handlung im Grunde keine Rolle. Jack and the Giants ist hiermit definitiv kein Kinderfilm. Erwachsenen Zuschauern jedoch dürfte eine solide Charakterzeichnung oder doch zumindest ein gewisser Unterhaltungsfaktor fehlen. Die Bemühungen, Humor zu erzeugen, sind ebenso deutlich sichtbar wie ihr Scheitern. So soll insbesondere Ewan McGregor als Ritter Elmont durch seine auch in brenzligen Situationen stets überlegene Coolness wohl dem Publikum ein fröhliches Schmunzeln entlocken, erreicht aber maximal ein müdes Lächeln. Zudem fehlt dem Universum von Jack and the Giants die Detailverliebtheit anderer Fantasykonzepte. Bryan Singer hat eine durch und durch düstere Welt erschaffen, in der dem Auge des Zuschauers wenig Erfreuliches geboten wird. Auch die Kostüme können nicht immer überzeugen. So erinnert das Lederoutfit von Elmont weniger an eine mittelalterliche Rüstung als an das Spitzenmodell einer Fetisch-Kollektion von 2013.

In Anbetracht all dieser Mängel ist es erstaunlich, wie kurzweilig sich das zweistündige Märchenabenteuer ausnimmt. Trotz fehlender Identifikationsfläche der Charaktere gestaltet sich der Krieg zwischen Riesen und Menschen einigermaßen spannend. Für ausreichend Action ist in jedem Fall gesorgt. Im Grunde ist Jack and the Giants daher weniger ein Märchen-, in keinem Fall ein Kinder-, sondern am ehesten noch ein Actionfilm. Die Frage ist nur, ob sich Genre-Fans statt eines halbseidenen Märchenplots nicht lieber das neueste, knallharte Abenteuer von Jason Statham und Co. angucken. Das dürfte in den meisten Fällen unterhaltsamer sein.

Jack and the Giants

Die Geschichte von Hans und der Bohnenranke gehört nicht zum deutschen Märchenkanon, sondern stammt aus Großbritannien. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass wir hier zu Lande eine weniger enge Verbindung zu der Verfilmung "Jack and the Giants" verspüren, als dies vielleicht im englischsprachigen Kulturraum der Fall ist. Doch Bryan Singers würde uns mit seinem Film vermutlich auch dann nicht vollends begeistern, wenn wir das Märchen mit der Muttermilch aufgesogen hätten, denn leider hat "Jack and the Giants" mit grundlegenden konzeptuellen Probleme zu kämpfen.
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Meinungen
Jjjj · 06.04.2013

Ist sehr schön gemacht

Jason Dedial · 16.03.2013

Ich finde dass der Film ein voller erfolg für Kinder ist weil er einfach toll gemacht ist...

Kommentare

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