Goal of the Dead

Goal of the Dead

11 Zombies müsst ihr sein

Einen Film namens Goal of the Dead während der Fußball-WM zu veröffentlichen, verziert mit einem „uncut“-Ausrufezeichen und dem "11 Zombies"-Untertitel, bedeutet mindestens den Einzug ins Heimkino-Halbfinale. Also wenn schon eine Neuveröffentlichung inmitten des Brasilien-Trubels, dann unbedingt so eine Splatterschote – die zwar keine Chance auf ein Finale gegen Shaun of the Dead hat, aber immerhin der FIFA wertvolle Anregungen für die Aufpeppung der nächsten Wettbewerbe geben kann. Vorschlag Nummer 1, bei so einem Film natürlich unvermeidlich: Ein Kopf wird von einem Körper losgetreten und fliegt geradewegs ins Tor.
Das muss so sein, weil Goal of the Dead nämlich eine Horrorkomödie ist. Eine Horrorkomödie, die in der französischen Provinz spielt und eine Pokalbegegnung zwischen Olympique de Paris und Caplongue zeigt. Die Bonzen aus Paris sind natürlich die übermächtigen Favoriten, doch die Dorfkicker haben dafür kontaminierte Steroide, die zuerst einen Spieler und dann den Rest des Stadions in sabbernde Zombies verwandeln. Was folgt, sind die obligatorischen Blutfontänen, die die FSK-16-Freigabe durchaus auskitzeln, und zumindest in der zweiten Halbzeit den zu erwartenden B-Jux in eine leidlich unterhaltsame Genre-Pöbelei verwandeln.

Ja ja, Halbzeit, denn der Film ist tatsächlich in zwei Halbzeiten aufgeteilt, die dann auch von zwei Regisseuren inszeniert werden. Die erste Stunde geht auf das Konto von Benjamin Rocher, der bereits Die Horde am Gürtel hat und sich verdammt viel Zeit mit der Etablierung etlicher Charaktere lässt - die letztendlich entweder gekillt werden oder keine wirkliche Bedeutung für den Fortgang der Handlung haben. Ursprünglich war Goal of the Dead wohl tatsächlich ein zweiteiliger Film, was einerseits die ungewohnt breite Aufstellung des Drehbuchs erklärt und andererseits der Zähigkeit der inhaltlichen Entwicklung eine Begründung verleiht – leider aber keine Entschuldigung.

Also: Der Mittelfeldstar von Olympique de Paris kommt eigentlich aus Caplongue. Der örtliche Arzt ist über den Weggang so sauer, dass er die Steroide auspackt. Der Stürmer aus Paris steht kurz vor einem Millionen-Vertrag. Ein weiblicher Fan macht sich an den Stürmer ran, hat aber finstere Motive. Etliche Dorfbewohner werden eingeführt, um dann später ums Überleben kämpfen zu dürfen. Und so weiter und so fort – bis hin zu dem Punkt, wo man schon fast am Set Up einer TV-Serie schrammt und einfach nur noch Blut sehen möchte, gerne angeführt von einem Headtrick (prust...) mit den Kopfbällen (nochmal prust...) der fünf Drehbuchautoren.

Bis zu dem ersten Foul, das eine rote Karte verdient hat, vergehen geschlagene 45 Minuten, was für die hier wabernde B-Basis entschieden zu lang ist. Goal of the Dead, das sollte eigentlich zwei Halbzeiten voller Geschrei und wild behaarter Fans bedeuten, die die samstägliche Randale-Katharsis auf das nächste Level bringen. Nicht auf dem Plan steht dafür ein geschlagene zwei Stunden dauerndes Epos, das selbst in der zweiten Hälfte zu wenig Handfestes serviert und immer wieder auf Nebenkriegsschauplätze verweist. Auch der zweite Regisseur, Thierry Poiraud, ist gefangen in einem Wust aus Figuren. Dass dabei der Fußball-Bezug und die eigentlich zu erwartende Abrechnung mit liebgewonnenen Klischees ziemlich auf der Strecke bleiben, ist kaum zu vermeiden.

Man hätte Goal of the Dead deutlich kürzen, einfach mehr auf B- und Shaun of the dead-Kurs bringen sollen. Der Humor ist schon da, zumindest vereinzelt, die Produktion kann sich sehen lassen und besonders am Ende, wenn die Flutlichtbeleuchtung des Stadions schreiende Zombiehorden in schicke Scope-Szene setzt, bekommt man eine wohlige Ahnung davon, was hier mit einem strafferen Pressing und beherzter draufhaltenden Blut-Stürmern möglich gewesen wäre. Wenn bei der WM spielfrei ist, kann man sich den Film schon mal geben, sofern denn unbedingt immer irgendwelche Kugeln rollen müssen, doch ansonsten bringt es mehr Freude, auf die nächste Blutgrätsche der Zweimeter-Hünen aus Osteuropa zu warten. Idee vs. Umsetzung: 1:0, inklusive Verlängerung.

(Martin Beck)

(Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich als reiner Heimkino-Start angetreten, erhält Goal of the Dead nun zumindest einen kleinen Kinorealease durch Drop-out Cinema)

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Einen Film namens "Goal of the Dead" während der Fußball-WM zu veröffentlichen, verziert mit einem "uncut"-Ausrufezeichen und dem "11 Zombies"-Untertitel, bedeutet mindestens den Einzug ins Heimkino-Halbfinale. Also wenn schon eine Neuveröffentlichung inmitten des Brasilien-Trubels, dann unbedingt so eine Splatterschote.
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Titel
Goal of the Dead
11 Zombies müsst ihr sein
Startdatum
FSK
16

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
112 Min
DVD
Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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