Doktor Proktors Zeitbadewanne

Doktor Proktors Zeitbadewanne

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Kinder, reist nicht in die Vergangenheit!

Der norwegische Schriftsteller Jo Nesbø versteht sich nicht nur auf grimmige Kriminalromane, sondern weiß auch, welche Anekdoten Kinder mögen. Dass es zum Beispiel lustig ist, wenn jemandem ein lauter Furz entweicht. Weil die Charaktere seiner Doktor-Proktor-Kinderbuchreihe sowieso nichts von falscher Scham halten, erfindet der skurrile Titelheld im ersten Band eine Substanz, mit der sich Blähungen in einen persönlichen Raketenantrieb verwandeln. Die gleichnamige Verfilmung Doktor Proktors Pupspulver überzeugte 2014 mit ihrem frechen, unbekümmerten Charme und zwei Kinderfiguren, die sich in einer gar nicht heilen Welt behaupten. In der Verfilmung des Bandes Doktor Proktors Zeitbadewanne, einer ebenfalls von Arild Fröhlich inszenierten norwegisch-deutschen Produktion, reisen der rothaarige Bulle (Eilif Hellum Noraker) und seine Freundin Lise (Emily Glaister) quer durch die französische Geschichte. Und die ist bekanntlich nicht ganz ungefährlich. Die Kinder müssen sich viel einfallen lassen, um Krieg, Kerker, Hinrichtungen zu entkommen und dabei auch noch den alten Doktor Proktor (Gard Bjørnstjerne Eidsvold) zu retten.
Der grauhaarige Erfinder ist mit Hilfe seiner Zeitbadewanne ins Frankreich des Jahres 1969 gereist. Dort versucht er, die Hochzeit seiner großen Liebe Juliette Margarine (Kristin Grue) mit dem reichen Bösewicht Claude Cliché (Atle Antonsen) zu verhindern. Dabei gibt es aber Komplikationen und so schreibt Doktor Proktor Lise und Bulle eine Postkarte: Sie sollen ihm mehr Zeitseife bringen. Bulle steckt sicherheitshalber auch ein wenig Pupsonautenpulver ein – man weiß ja nie! Die Zeitreise führt dann tief in die Vergangenheit und der Doktor fällt einem Henker der französischen Revolution in die Hände. Die skandierende Menge, die sehen will, wie Köpfe rollen, ist typisch für den drastisch-grimmigen Geschichtsunterricht, den Lise und Bulle erhalten. Können sie auch Jeanne d'Arc vor dem Scheiterhaufen retten und die Schlacht von Waterloo verhindern?

Der gewitzte Bulle tut sein Bestes als Napoleon-Darsteller, um der düsteren Historie einen spaßigeren Verlauf zu verpassen. Aber die Vergangenheit besteht in diesem Film trotzdem aus lauter Orten, die man tunlichst meiden sollte. So ist der Ton zwar garantiert frei von verlogener Verklärung, aber ob das junge Publikum den schrägen Humor auch mag, mit dem ein Folteropfer den Kerker zu seinem geliebten Heim erklärt? Es geht öfter aufregend als richtig lustig zu, und da hilft auch der Hinweis nicht, dass sich die alten Franzosen angeblich nicht die Zähne putzten. Die Retro-Atmosphäre schlägt sich eben auch in Witzen nieder, die aus Opas Pantoffelkino stammen könnten. Manche Sequenzen geraten langatmig, wie jene, in der der allzu tollpatschige Doktor Proktor die Trauung Juliettes verhindern will. Eher gelungene Nostalgie aber bieten die hübschen Rückblenden, die als dramatische Stummfilmszenen in Schwarz-Weiß inszeniert werden.

Auch die Zeitreisen selbst werden fantasievoll als Fahrt durch das All in lang gezogenen Seifenblasen bebildert. Dennoch überwiegt insgesamt der Eindruck recht unbeholfener, angestaubter Betulichkeit. Das liegt auch daran, dass zu viele Nebenfiguren auftauchen und dialoglastige Aufmerksamkeit für sich reklamieren – etwa die rachsüchtige Assistentin Doktor Proktors. So bleibt den Kindercharakteren diesmal wenig Raum, um ihren Charme auszuspielen. Sie müssen sich voll auf den Kurs dieser quietschenden Geisterbahn konzentrieren.

Doktor Proktors Zeitbadewanne

Der norwegische Schriftsteller Jo Nesbø versteht sich nicht nur auf grimmige Kriminalromane, sondern weiß auch, welche Anekdoten Kinder mögen. Dass es zum Beispiel lustig ist, wenn jemandem ein lauter Furz entweicht. Weil die Charaktere seiner "Doktor-Proktor"-Kinderbuchreihe sowieso nichts von falscher Scham halten, erfindet der skurrile Titelheld im ersten Band eine Substanz, mit der sich Blähungen in einen persönlichen Raketenantrieb verwandeln.
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