Die Kandidaten (2019)

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An der Haustür klingeln. Plakat aufhängen. Flyer verteilen. Wahlkampf ist eine harte Zeit: Sechs Kandidat*innen für den Bundestag begleitet Michael Schwarz in „Die Kandidaten“, zwischen Stress und Hoffnung, und bietet ungeahnte Einblicke in die Mühen des demokratischen Prozesses.

Die Kandidaten (2019)

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Wähl mich!

24. September 2017. Bundestagswahl. Das Ergebnis ist bekannt; doch der Film geht mitten hinein, unmittelbar hin zu den angespannten Gesichtern der Kandidaten und Unterstützer, die sich dann in Freude, in Enttäuschung auflösen. Um sechs Wahlkandidaten geht es, um ihren Wahlkampf, der an diesem Punkt, genau um 18 Uhr, kulminiert. Sechs Kandidaten aus Rheinland-Pfalz, von der Landeshauptstadt bis ins hinterste Südpfälzer Eck, von den sechs Parteien, die dann auch in den Bundestag einzogen: Wie sie rackern und wie sie sich abmühen und wie sie sich einsetzen für sich und die Sache. „Die Kandidaten“ ermöglicht hier tolle Einblicke ins Funktionieren von Politik.

Michael Schwarz hat sich für seinen Dokumentarfilm sechs junge Wahlkämpfer ausgesucht – „jung“ bedeutet: zwischen 19 und knapp unter 40 Jahren. Für die Veröffentlichung des Films aber ist dies vielleicht nicht der geeignetste Zeitpunkt: Ende September Kinostart, im Dezember DVD-Veröffentlichung: Passender wäre sicherlich ein Wahlkampf-Zeitraum gewesen (aber vielleicht tut ja die 2017 gewählte Koalition dem Film den PR-Gefallen und zerbricht demnächst?). Abgesehen davon ist Die Kandidaten nicht zeitgebunden, weil nicht tagesaktuell. Sondern ein sechsfaches Personenporträt: Sechs Menschen, die sich für ein Ziel aufopfern.

Wahlkampf: Das bedeutet einerseits, sich innerhalb der Partei zu positionieren. Auf Delegiertenversammlungen und im Ortsverein und insbesondere im Maschinenraum, bei all den Helfern, die es zu motivieren gilt und mit denen man im Team die vielen kleinen Mühen bewältigen muss: Werbe-Fahrradflickzeug verschenken beim Radmarathon, Würstchen grillen, Plakate aufhängen, auf dem Weinfest ausschenken. Und damit nämlich muss man dann nach außen wirken, die Leute erreichen: An Haustüren klingeln, in der Fußgängerzone stehen, auf Podien sitzen und Interviews geben. Das ist für alle gleich: Nach innen, nach außen, nach unten zur Parteibasis und nach oben zum Vorstand, gegenüber Anhängern, Nichtwählern und Parteigegnern Präsenz und Haltung zeigen.

Aber das alles ist niemals dasselbe, und niemals 08/15: Jeder bringt seine Persönlichkeit mit. Und dann hat man den Moment, dass ein Kandidat auf der Bühne beim Parteitag eine Rede hält und nichts rauskommt als Floskeln, und kurz darauf sieht man ihn herzlich und zugewandt an der Haustür oder auf dem Weinfest mit den Leuten reden. Oder man sieht einen anderen Kandidaten seine lockeren Sprüche machen, immer genau auf sein Gegenüber abgestimmte Witzchen, die schön entspannte Atmosphäre schaffen und dabei immer den Eindruck hinterlassen, dass er sich kümmert.

Und der muss ja nicht falsch sein! Denn das ist der Kern dieses Films: Das Werbegeschäft des Wahlkampfs zurückzuführen zu denen, die sich zur Wahl stellen. Und zu zeigen, dass hier eben niemals Opportunismus im Spiel ist, sondern enormes Engagement und auch Authentizität. Ob beim Brainstorming über die Strategie oder wenn zum xten Mal ein Interview geführt wird, ob bei einer Flussfahrt mit Parteianhängern oder beim Ansprechen von Passanten auf der Straße. Stress und Mühsal treffen auf Begeisterung und Hoffnung, und ja: Diese sechs Menschen stehen ein für ihre Sache, und egal, welcher politischen Richtung der Zuschauer angehört: Jeder von ihnen nötigt Respekt ab.

Die Kandidaten (2019)

Während des Bundestagswahlkampfs 2017 buhlen sechs junge KandidatInnen um die Gunst des Wählers – fernab von Berlin und ganz „nah bei de’ Leut“…

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