Despereaux - Der kleine Mäuseheld

Despereaux - Der kleine Mäuseheld

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Von Ratten, Mäusen und Menschen

Allerspätestens seit Pixars famosem Animationsfeuerwerk Ratatouille sind Ratten und andere Nager nicht mehr länger die unheilvollen Wesen, die sie früher einmal in der Wahrnehmung der Menschen waren. In Despereaux – Der kleine Mäuseheld nach dem Kinderbuch Despereaux – Von einem, der auszog das Fürchten zu verlernen von Kate DiCamillo sind es gleich zwei Tierarten, die neben den Menschern eine wichtige Rolle spielen. Denn einerseits gibt den Titelhelden Despereaux Tilling, der schon früh lernen muss, wie schwer es ist, ein wahrer Held zu sein. Und andererseits ist da noch die Ratte Roscuro, die dem kleinen Helden zur Seite stehen wird. Doch der Reihe nach.
Im Königreich Dor freut man sich wie jedes Jahr über das anstehende Suppenfest. Dann aber kommt alles anders, als man denkt. Durch das ungeschickte Eingreifen einer kulinarisch ambitionierten Ratte erschrickt sich die Königin von Dor zu Tode und das einstmals strahlende Land versinkt in Trauer und Lethargie: Ratten gelten fortan als geächtete Tiere und das Kochen von Suppe wird verboten. Was für ein trauriges Leben und was für eine verfahrene Situation. Doch manchmal – zumindest im Märchen – gibt es einen Helden, der mutig den Kampf gegen die Willkür des Geschicks aufnimmt und das Böse bannt. Und in diesem Fall ist dieser Held eine kleine Maus namens Despereaux Tilling.

Schon von Kindesbeinen an zeigt Despereaux ein für Mäuse eher ungewöhnliches Verhalten; statt Bücher anzuknabbern liest er viel lieber in ihnen und taucht so in eine Welt voller finsterer Drachen, schöner Prinzessinnen und tapferer Ritter ein. Und genau so ein Ritter will auch Despereaux werden. Doch wenn man klein ist und zudem eine Maus, dann ist es gar nicht so einfach, sich im Kampf zu bewähren. Und Gefahren lauern an jeder Ecke. Dank Roscuro gelingt es Despereaux aber, das Königreich aus seiner Trauer zu reißen und das fröhliche Leben wiederzuerwecken.

Die Wiedergabe des Inhalts ist zugegebenermaßen stark verkürzt, denn in Wahrheit ist Despereaux – Der kleine Mäuseheld ein ungleich komplexerer Film, der neben der eigentlichen Geschichte um den kleinen Mäuserich mit den großen Ohren und der lustigen Kappe noch andere Geschichten erzählt. Zum Beispiel die der sehr plump gezeichneten Magd Miggery Snow, die trotz ihres unansehnlichen Äußeren davon träumt, eine echte Prinzessin zu sein. Gerade an dieser Episode zeigen sich exemplarisch die Schwächen des Films – statt zu rühren wirkt die Magd eher unsympathisch und töricht. Ähnliches gilt für die menschlichen Figuren, deren Gestaltung zudem dermaßen stark von der liebevollen Animation abweicht, dass sich man sich wahrlich im falschen Film glaubt. Mit den lang gezogenen Gesichtern und den unendlich großen Nasen sowie der pastellfarbenen Farbgebung wirken der König und die Prinzessin eher wie Karikaturen. Andererseits sorgen Bezüge zur Kunstgeschichte, zu den Gemälden flämischer Meister und zu den manieristischen Grotesken eines Giuseppe Arcimboldo zumindest teilweise für visuelle Glanzlichter, die man aber recht schnell wieder vergisst und die bei den kleinen Zuschauern nur auf wenig Widerhall stoßen dürften.

Der verwirrende und uneinheitliche Eindruck des Films verstärkt sich im weiteren Verlauf noch. Und es bedarf immer wieder des beherzten Eingreifens der Erzählstimme, um immer wieder Ordnung in die beinahe chaotische Vielfalt der Story zu bringen. Mag dies auch dem Geist der literarischen Vorlage entsprechen, die kleinen Zuschauer – und auf die zielt der Film ab – verlieren im Dickicht der Plots und Subplots, im Verschwinden und Auftauchen der zahlreichen Figuren schnell mal den Überblick und damit bisweilen auch die Lust am Zuschauen. Eine Entflechtung der miteinander verwobenen Welten oder die Beschränkung auf ein bis zwei Handlungsstränge hätten dem Film jedenfalls sichtlich gut getan und wäre der Zielgruppe angemessener gewesen. Dafür aber fehlte wohl der Mut.

Der liebevoll gezeichnete Despereaux Tilling hätte durchaus das Zeug dazu, die Herzen der kleinen Zuschauer zu erobern, können sie sich doch mit solch einem wackeren kleinen Held, der in allen Welten stets der Kleinste ist, bestens identifizieren. Im Kampf gegen die Fallstricke der Dramaturgie ist selbst ein Mäuseheld wie Despereaux letzten Endes machtlos.

Despereaux - Der kleine Mäuseheld

Allerspätestens seit Pixars famosem Animationsfeuerwerk Ratatouille sind Ratten und andere Nager nicht mehr länger die unheilvollen Wesen, die sie früher einmal in der Wahrnehmung der Menschen waren. In Despereaux – Der kleine Mäuseheld nach dem Kinderbuch Despereaux – Von einem, der auszog das Fürchten zu verlernen von Kate DiCamillo sind es gleich zwei Tierarten, die neben den Menschern eine wichtige Rolle spielen.
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Meinungen
Miu · 11.03.2009

Ein viel zu schönes Buch, um es zu verfilmen...

Kommentare

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