Der scharlachrote Henker

Der scharlachrote Henker

Eine Filmkritik von Martin Beck

Blicke, die besudeln

Und wieder einmal eine willkommene Erstveröffentlichung auf deutscher DVD, diesmal in Gestalt eines pappnasigen Trash-Hobels aus den hintersten Ecken italienischer Gothik-Verliese. Scarletto – Schloß des Blutes, so der ursprüngliche Titel, ist alles andere als gut, aber dafür ungemein unterhaltsam – zumindest für rumpelige Exploitation-Geschmäcker, die beim Anblick knallroter Leggins, mördermäßiger Muckis und einer riesigen Goldkette spitze Angstschreie ausstoßen.
Der scharlachrote Henker ist aber auch ein fieser Typ in diesem Outfit, zu dem auch noch eine rote Kappe und eine Augenmaske gehören, und begeht dazu passend auch fiese Verbrechen. Einst war er ein Henker, der selbst zum Tode verurteilt wurde, und nun bewohnt er eine üppig ausgestatte Folterkammer in einem Schloss. Als dort leichtlebige Damen zum Zwecke eines Fotoshootings auftauchen, kann er endlich mal wieder seines Amtes walten. Ein menschlicher Grill, ein Karussel mit spitzen Pfeilen, ein riesiges Spinnennetz mit ebenso riesiger Giftspinne – der VHS-Kurs „kreatives Töten“ wurde mit Auszeichnung bestanden.

Sobald der scharlachrote Henker loslegt, in seinem CSD-prämierten Super-Outfit, rast der gleichnamige Film geradewegs in einen Trash-Fiebertraum aus wackeligen Pappsets, hysterischen Schreien und öligem Overacting. Alles, was davor passiert, geschlagene 35 Minuten lang, kann man zwar getrost vergessen, doch mit dem Auftauchen des asketisch veranlagten Bodybuilding-Nazis bimmeln sämtliche Situationskomik-Glocken Sturm. Tod durch „besudelnde Blicke“, Hass auf minderwertige Körper im Schatten vollkommener Reinheit – die durch eine schmierige Ölpolitur nur noch strahlender leuchtet.

Zum Zeitpunkt seiner Entstehung, 1965, hatte Hauptdarsteller Mickey Hargitay gerade die Scheidung von Jayne Mansfield hinter sich gebracht und war offensichtlich auf Randale gebürstet. Was er hier vom Stapel lässt, ist wirklich unglaublich, auch wenn die dazugehörigen Effekte natürlich hundsmiserabel sind und der Folterkeller bei der Saw-Inszenierung der Augsburger Puppenkiste ausgeborgt wurde. Unterlegt mit plüschiger Lounge-Musik wird hier trotzdem wie am Spieß geschrien und alles dafür getan, ein Wollknäuel mit Stricknadeln und Knopfaugen als fiese Giftspinne erscheinen zu lassen. Oh dieser Horror!

Der scharlachrote Henker ist ein Deluxe-Menü italienischer Trash-Köstlichkeiten, das sein „so bad it’s good“-Mantra nicht nur genüsslich einölt, sondern auch noch mit flüssigem Blei übergießt. Die bisherigen Veröffentlichungen des Films waren allesamt ausgewaschene „public domain“-Verbrechen, so dass die Doppel-DVD des Labels Ostalgica (?!) eigentlich eine Steilvorlage für jede Filmbörse sein sollte – wenn denn nur etwas mehr Sorgfalt bei der fast schon dilettantisch zu nennenden Authoring-Prozedur am Werk gewesen wäre. Edge Enhancement, Klötzchen-Komprimierung, eine zerhackte deutsche Tonspur (ohne deutsche Untertitel für die italienischen Inserts) und eine völlig asynchrone englische Tonspur – na besten Dank.

Es ist schon klar, dass das Ausgangsmaterial bei diesem Film keine Spitzenqualität ermöglicht, aber dieser Murks hier, der eigentlich nur die Wahl der italienischen Sprachfassung mit deutschen Untertiteln lässt, macht die Sache nochmal schlechter als eigentlich nötig. Da auch das Bonusmaterial aus einer Ansammlung furchtbar schlecht zusammengehauener Pseudo-Extras besteht, die mit ihren massiven technischen Mängeln kaum ansehbar sind, und das Booklet tatsächlich falsche Infos zu den Schnittfassungen vorträgt, muss die eigentlich sonnenklare Empfehlung (zumindest für affine Geschmäcker) eine deutliche Einschränkung bekommen. Bis zum hoffentlich angedachten Remaster bleibt das hier eine Sammler-Edition mit scharlachrotem „ja, aber“-Siegel.

Der scharlachrote Henker

Und wieder einmal eine willkommene Erstveröffentlichung auf deutscher DVD, diesmal in Gestalt eines pappnasigen Trash-Hobels aus den hintersten Ecken italienischer Gothik-Verliese. „Scarletto – Schloß des Blutes“, so der ursprüngliche Titel, ist alles andere als gut, aber dafür ungemein unterhaltsam – zumindest für rumpelige Exploitation-Geschmäcker, die beim Anblick knallroter Leggins, mördermäßiger Muckis und einer riesigen Goldkette spitze Angstschreie ausstoßen.
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